Schlechte Sicht und ein Moment der Unachtsamkeit haben im Januar des vergangenen Jahres einen schweren Unfall auf der A9 bei Himmelkron versucht. Die Vorwürfe der fahrlässigen Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung konnten durch das gestrige Verfahren bestätigt werden. Das Gericht verurteilte den 23-jährigen Unfallverursacher zu einer Geldstrafe.



Schlechte Sichtverhältnisse

Dienstbeginn ist bei dem Bäcker um Mitternacht, deshalb befand er sich am 24. Januar 2016 gegen 23.30 Uhr auf der A9 Richtung Süden, erzählt der Angeklagte dem Gericht. Die Sichtverhältnisse seien schlecht gewesen: starker Regen bei Dunkelheit. Auf der A9 bei der Anschlussstelle Bad Berneck/Himmelkron kam es dann zu dem schweren Unfall. Laut Aussagen des Angeklagten war er auf der rechten Fahrbahn mit circa 100 Stundenkilometern unterwegs , als er plötzlich einen Aufprall spürte.
Dass er in diesem Moment mit seinem Renault ein anderes Auto gerammt hatte, sei ihm nicht bewusst gewesen. Während das Auto des Angeklagten von der Fahrbahn ab und in einer anliegenden Wiese zum Stehen kam, wurde der andere Kleinwagen durch den heftigen Aufprall nach links geschleudert. Ein nachfolgender Fahrer konnte mit seinem Volvo nicht mehr bremsen und erfasste den Wagen - beide schleuderten im Anschluss in die Leitplanke.
Während der Fahrer des Volvo mit einer Platzwunde und mehreren Blutergüssen davonkam, starb der 66-jährige Corsa-Fahrer wenige Stunden später im Krankenhaus. Ein schweres Schädelhirntrauma und eine massive Überstreckung des Körpers, die durch den starken Aufprall von hinten verursacht worden war, nannte die medizinische Sachverständige als Todesursache. Eine falsche Einstellung der Kopfstütze habe diese Überstreckung noch begünstigt. Der Angeklagte selbst wurde mit Gehirnerschütterung und Prellungen des Brustkorbs ins Klinikum eingeliefert. Tests auf Alkohol und Drogen blieben negativ. Laut Aussagen der Freundin sei er ausgeschlafen und fit gewesen, als er sich noch kurz vorher von ihr verabschiedet hatte. "Ich hab das Auto einfach nicht gesehen", beteuerte er wiederholt.


Unklarheiten zur Kollision

Unklar war vor der Verhandlung, wie sich die Kollision genau ereignet hat. An einen Spurwechsel könne er sich bewusst nicht erinnern, gab der Angeklagte an. Doch Kfz-Sachverständiger Stefan Luther war sich sicher: "Ein geradliniges Auffahren passt nicht zum Schadensbild." Anhand der Schäden an den Autos könne man sicher sagen, dass der Unfall durch den Spurwechsel des Angeklagten nach rechts verursacht wurde.
Dass der Opel Corsa womöglich ohne Licht unterwegs gewesen sei, konnte der Luther nicht bestätigen. Laut seinen Ergebnissen sei der Angeklagt mit 90 bis 100 km/h auf den Opel Corsa getroffen, der mit circa 70 unterwegs gewesen sei. - Die niedrige Fahrtgeschwindigkeit deutet laut Anwalt Werner Brandl klar auf ein Mitverschulden des Geschädigten hin. Sein Mandant habe sich vollkommen ordnungsgemäß verhalten. "Ich kann hier kein rücksichtsloses Verhalten erkennen, er hat das Auto übersehen, aber nicht aus grober Fahrlässigkeit", so Brandl. Er forderte ebenso wie die Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe, dem ist das Gericht auch nachgekommen.
"Der Angeklagte hat durch Fahrlässigkeit den Tod des Opfers versucht", urteilte Richterin Sieglinde Tettmann. Den genauen Hergang sah sie als weniger relevant, umso wichtiger sei, ob der Angeklagte den Geschädigten hätte sehen können. Das sei der Fall gewesen. "Er hat das andere Auto schlicht und ergreifend übersehen", so die Richterin. Doch das zufällige "Übersehen" ändere am Ausgang, nämlich dem Tod eines Menschen, nichts. Eine Geldstrafe, höher als von der Verteidigung vorgeschlagen, sehe sie deshalb als angemessen.