von unserem Redaktionsmitglied 
Rudolf Görtler

Bamberg — So viel Hoffmann war selten geballt an einem Ort, selbst in der E.T.A.-Hoffmann-Stadt nicht: Im E.T.A.-Hoffmann-Theater am E.T.A.-Hoffmann-Platz mit der Büste des Romantikers vor der Pforte, seine zum Museum umgebaute Behausung in Sichtweite wurde am Mittwochabend dem Vorsitzenden der Hoffmann-Gesellschaft, Prof. Dr. Bernhard Schemmel, der E.T.A.-Hoffmann-Preis der Stadt Bamberg verliehen.
Selten auch dürfte der Name der Auszeichnung, eine der höchsten der Stadt, wie Oberbürgermeister Andreas Starke anmerkte, so sehr zu dem Ausgezeichneten passen wie in diesem Fall. Denn Schemmel, Bibliotheksdirektor a. D., kümmerte und kümmert sich wie kaum ein anderer um das Gedenken an den weltliterarisch bedeutenden Künstler Hoffmann, der in Bamberg zwar Lehr-, aber auch Leidensjahre durchlebte.
Der Geehrte, 1940 in Schlesien geboren, kam nach einer Universitätsausbildung (Fächer Germanistik, Anglistik, Volkskunde, später Bibliothekswissenschaft) in Würzburg 1975 an die Bamberger Staatsbibliothek und war, wie er sagt, "ab der ersten Minute mit dem Nachlass Hoffmanns beschäftigt" - dessen Werk er bis dahin nicht kannte. Beherbergt die Bibliothek doch eine der umfangreichsten Sammlungen von Hoffmanniana überhaupt und auch diejenigen der E.T.A.-Hoffmann-Gesellschaft, der Schemmel seit 1998 vorsitzt.
Mit Person und Werk Hoffmanns sozusagen an vorderster Front beschäftigt war er dann als Bibliotheksdirektor von 1984 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2005. Von da an warf er sich erst recht mit vollem Elan, immer unterstützt von seiner Lebensgefährtin Hiltrud Huhn, auf die Pflege des Hoffmann-Andenkens. Den Vorsitz der literarischen Gesellschaft, international vernetzt, erwähnten die Laudatoren Starke und Nora Gomringer, Direktorin des Künstlerhauses Villa Concordia. Der Umbau eines anderen Hauses, des Wohnhauses E.T.A. Hoffmanns in seiner Bamberger Zeit, früher Zinkenwörth 50, heute Schillerplatz, zu einer modernen museumsdidaktischen Ansprüchen genügenden Gedenkstätte, geht maßgeblich auf sein Konto, ebenso wie die Organisation der Feiern zum 200. Jahrestag des Hoffmann-Einzugs in die Stadt 2008. Schemmel initiierte das Spiegelkabinett Wolfgang Clausnitzers, sorgte für ein Pianoforte aus der Hoffmann-Zeit im Poetenstübchen des Hauses, für alternierende Ausstellungen, Vorträge und Lesungen und gar für einen Zaubergarten wie den des Archivarius Lindhorst aus dem "Goldnen Topf". Dies alles trug Gomringer vor, die ihre Preisrede "In Hoffmanno!" benamst hatte, der Gruß der Hoffmann-Jünger.

"In Hoffmanno!"

Genauso heißt auch das von Schemmel verfasste Buch, in dem er vor zwei Jahren minutiös die Geschichte des Häuschens und der E.T.A.-Hoffmann-Gesellschaft dokumentierte. Nach wie vor unermüdlich kümmert er sich um Haus und Werk, reist nach Kaliningrad, die Geburtsstadt Hoffmanns, und pflegt wissenschaftliche Kontakte. Und die 6000 Euro, mit denen der Preis dotiert ist, will er für Vorhaben der Gesellschaft einsetzen, sagte der Preisträger, den jeder, der ihn kennt, wegen seiner Bescheidenheit schätzt.
Natürlich ging es vor 200 Jahren in Bamberger Bürgerhäusern nicht gerade zu: Schauspieler und Rezitator Andreas Ulich las aus den stark autobiografisch geprägten "Musikalischen Leiden" des "Kapellmeisters Johannes Kreisler", in denen das Alter Ego des Romantikers ätzend seine Erlebnisse als Musiklehrer untalentierter Töchter karikiert. Mit großer Virtuosität dagegen spielte Natalia Solotych, ein Drittel des "Trios Aureum", einen Hammerflügel des Bamberger Instrumentenbauers Christoph Ehrlich aus der Hoffmann-Zeit. Auch die Kompositionen passten, etwa ein "Rondeau turc" von Ferdinand Hérold, bei dem ein sogenannter Janitscharenzug zum Einzug kam. Ein hoffmannesker Akzent in der gut besuchten Veranstaltung.