Über 130 Jugendliche von Forchheim bis Wunsiedel kamen im Saal der Kronacher Sparkasse zusammen. Ihre Mission: Wertvolle Informationen rund um die neuen Medien sammeln, um ihren Mitschülern als ausgebildete Medien-Experten kompetent zur Seite zu stehen.
Mit dabei waren erstmalig auch Medienscouts aus Forchheim. Die Informationen für ihre verantwortungsvolle Aufgabe erhielten die Schüler desEhrenbürg-Gymnasiums dabei von renommierten Medienexperten. Ermöglicht hatte die Veranstaltung die Opferhilfe Oberfranken (OHO) mit ihrem Vorsitzenden Alfons Hrubesch. Dieser begleitet zusammen mit seinem Team aus ehrenamtlichen Helfern seit einigen Jahren die Ausbildung von Medienscouts in Oberfranken.


Das Schweigen beenden

Die von der OHO geschulten Medien-Experten sorgen vor Ort dafür, dass im Umgang mit den neuen Medien Unwissenheit und Schweigen potenziellen Tätern nicht länger in die Hände spielen. "Durch das Ansprechen von Problemen und möglichen Gefahren können viele Konflikte aus der Welt geschafft werden, bevor sie überhaupt entstehen", erläuterte auch Peter Bürgin, zweiter Vorsitzender der OHO. Die Lichtenfelser Pfarrerin Anne Salzbrenner brachte als Schirmherrin des Ausbildungstages die gesellschaftliche Bedeutung der Medienscouts auf den Punkt: "Ich betrachte dieMedienscouts als eine der wichtigsten Errungenschaften unserer Zeit, weil ihr als sensibilisierte Multiplikatoren viel Verantwortung übernehmt und gerade in diesem Themenbereich die besseren Vermittler seid."
Da die OHO beim Thema der"Gefahren der digitalen Medien" mittlerweile sehr gut vernetzt ist, erhielten die Medienscouts Informationen von anerkannten Experten. Stargast in Kronach war Julia von Weiler. Die Vorsitzende von "Innocence in Danger", einem Verein, der sich gegen densexuellen Missbrauch von Kindern einsetzt, ist eine häufig gesehene Expertin in Talk-Show-Runden.
In Kronach sensibilisierte sie die "Generation Selfie" unter anderem für einen verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Sexualität. "Wir leben im Zeitalter des digitalen Exhibitionismus. Und bei Phänomenen wie Cybersex, Sexting & Co stellt sich auch für euch Jugendliche die Frage nach der eigenen Sicherheit", so von Weiler. Dabei ist es der Psychologin wichtig, Jugendliche nicht dafür zuverurteilen, wenn sie intime Fotos von sich über das Smartphone verschicken.


Verhaltensänderung

"Die Schuld an der ungewollten Weiterverbreitung solcher Fotos liegt nicht beiden Opfern, sondern vielmehr bei denjenigen, die die Fotos unkontrolliert weiterteilen", so von Weiler, die zugleich betonte, dass "Sexting" - also das Versenden intimer Fotos - neuesten Umfragen nach auch von über 60 Prozent der Erwachsenen ausgeübt wird.
"Es ist demnach falsch, wenn man eure Generation für solche Taten verurteilt. Die Technologie verändert das Verhalten aller", so von Weiler gegenüber den Medienscouts. 
Welche zivilrechtlichenFolgen das unerlaubte Versenden von fremdem Fotomaterial nach sich zieht, erläuterte Rechtsanwältin Gesa Stückmann direkt aus Rostock. Deutschlands bekannteste Anwältin beim Thema"Cyber-Mobbing" stand den Medienscouts per Webinar, alsov irtuell und über das Internet zugeschaltet, zur Verfügung.
Anhand zahlreicher konkreter Beispiele aus ihrem beruflichen Alltag erläuterte Stückmann eindringlich die Gefahren und Folgen des Cybermobbings - und dies sowohl für das Opfer als auch für die Täter. "Unwissenheit schützt nicht vor Strafe" laute auch hier die Grundsatz - auch entgegen der weitläufigen Meinung, dass Jugendliche erst ab 14 Jahren für Straftaten wie Verleumdung,Volksverhetzung oder Gewaltdarstellung rechtlich belangt werden könnten.
"Wenn ein Zwölfjähriger das peinliche Partybild eines Anderen ohne dessen Einverständnis in eine WhatsApp-Gruppe stellt, dann bekommt er vom Anwalt des Opfers eine Abmahnung zugeschickt."
"Und die kann mit Schmerzensgeld und Anwaltskosten ganz schnell Kosten in Höhe von mehreren Tausend Euro nach sich ziehen", warnte die Rostockerin vor den Folgen eines unbedachten Klicks mit dem Smartphone.
 In genau dieselbe Richtung, allerdings aus Sicht der Polizei, zielte der Vortrag von Katrin Schamel vom Polizeipräsidium Oberfranken.
Sie machte auf die neuesten Trends der Cyberkriminalität aufmerksam und warb hier vor allem für einen sorgsamen Umgang mit Facebook, das immer wieder von Tätern genutzt wird, um die Privatsphäre der Nutzer auszuspionieren. red