Bamberg  — Nikola wird dieses Jahr eingeschult und wirkt wie ein normaler, gesunder Junge. Doch das war nicht immer so.

Als Nikola vor sechs Jahren geboren wurde, fiel gleich auf, dass er außergewöhnlich blass war. Vom Geburtshaus wurde er sofort ins Klinikum gefahren. Auf der Frühchen-Intensivstation stellten die Ärzte fest, dass Nikola bei der Geburt zwei Drittel seines Blutes verloren hatte.

Bei großem Blutverlust in kurzer Zeit nach der Geburt, also Sekunden bis wenigen Minuten, treten mehrere Effekte ein: Das Baby hat keinen Blutdruck mehr, die Durchblutung der Organe ist gestört und der Körper ist im Schockzustand. Dieser kann bis zum Tod führen.

Nikola bekam eine Bluttransfusion, wurde künstlich beatmet und erhielt Medikamente für den Kreislauf. Daraufhin wurde er sediert, das heißt in ein künstliches Koma versetzt. "Das ist eine Art Dauernarkose, um den Körper zu schonen: Er muss nichts tun, nicht atmen, sondern ist wie im Tiefschlaf", erklärt Dr. Meinhard Schatz, Kinderarzt im Klinikum, der Nikola damals behandelte.

Alexandra Stefanovic, Nikolas Mutter, erinnert sich gut an diesen Tag. Sie konnte erst zwei Stunden nach der Geburt ins Klinikum fahren: "Ich habe ihn kurz gesehen, wurde dann aber rausgeschickt. In der Zeit danach habe ich einfach funktioniert. Ich habe noch eine Tochter, Mila, und ich wusste, ich muss auch für sie da sein." Jeden Tag fuhren die Eltern drei Mal zum Klinikum. "Ich habe mich nicht hilflos gefühlt, weil ich auf die Ärzte vertraut habe. Ich wusste: Er schafft es. Wir sind in guten Händen", erzählt die Mutter.

Aufatmen nach drei Tagen

Nach etwa drei Tagen wussten dann die Ärzte, dass Stefanovic recht hatte: Nikola würde überleben - und das ohne Folgeschäden. Nach 14 Tagen konnten die Eltern ihren Sohn mit nach Hause nehmen. "Das hat uns als Familie geprägt und stärker gemacht", sagt Stefanovic.

Die Familie mit mittlerweile drei Kindern schaut sich jedes Jahr das Fotoalbum an, in dem Nikola mit Pflaster und Beatmungsgerät abgebildet ist. Zu seinem Geburtstag im Februar bringen sie der Station jedes Jahr kleine Geschenke, um sich zu bedanken. Dieses Jahr hat Nikola Donuts vorbeigebracht, die er vorher selbst mitgestaltet hat: "Wir wollen unsere Freude teilen und den Ärzten und Schwestern zeigen: Wir nehmen eure Arbeit nicht für selbstverständlich. Dank euch ist Nikola jetzt da. Für uns war es ein Wunder."

Jedes Jahr werden im Klinikum in Bamberg etwa 2000 Kinder geboren. Laut Dr. Schatz käme es im Jahr zu ein bis drei Fällen, bei denen Säuglinge bei der Geburt stark Blut verlören. Fälle wie von Nikola gibt es aber nicht oft: "Selten haben Kinder solch extreme Säurewerte im Blut, das heißt so starken Sauerstoffmangel wie Nikola. Und noch seltener überleben das die Kinder ohne Schäden." Er zögert kurz, aber sagt dann auch: "Das war schon ein kleines Wunder."