Stephan Herbert Fuchs

Der lang anhaltende Lockdown verleitet junge Leute offenbar verstärkt zum Drogenkonsum. Das wurde im Fall eines 19-jährigen Mannes vor dem Jugendrichter deutlich.

Der junge Kulmbacher war noch im vergangenen Jahr mit einem Joint in der Forstlahmer Straße erwischt worden. Bei der anschließenden Wohnungsdurchsuchung fanden die Beamten zusätzlich noch deutlich über ein Gramm Marihuana. Wegen unerlaubten Drogenbesitzes muss der 19-Jährige jetzt 40 gemeinnützigen Arbeitsstunden leisten.

"Die Lage ist schwierig und belastet uns alle", sagte Amtsgerichtsdirektor und Jugendrichter Christoph Berner. Doch Suchtmittel seien in keinem Fall die richtige Lösung. Der Angeklagte gab vor Gericht an, auf soziale Kontakte angewiesen zu sein. "Ich brauche das Miteinander", sagte er.

Am Tag vor dem Geburtstag

Erschwerend hinzu kam in seinem Fall, dass kurz zuvor auch noch seine Freundin mit ihm Schluss gemacht hatte. "Das hat mir dann endgültig den Boden unter den Füßen weggezogen", so der 19-Jährige. Einen Tag vor seinem Geburtstag aus dem nichts heraus, das sei dann wirklich zu viel gewesen. Vor Gericht beteuerte der Angeklagte, dass er daraus gelernt und seit dem Vorfall keine Drogen mehr konsumiert habe.

Stefan Fürst von der Jugendgerichtshilfe des Kulmbacher Landratsamts bezeichnete den Angeklagten als von Selbstzweifeln und Resignation geprägt. Zwei Ausbildungen seien bereits gescheitert, ohne dass der 19-Jährige wirklich etwas dafür könne, Praktika würden derzeit wegen Corona nicht angeboten, so dass dem jungen Mann nur die Teilnahme an einer Berufsbildungsmaßnahme bleibe.

Die letztlich auch verhängten 40 Arbeitsstunden hatte bereits Staatsanwalt Alexander Böhmer in seinem Plädoyer gefordert. Der Anklagevertreter sprach sich dabei aufgrund von deutlichen Reifeverzögerungen bei dem 19-Jährigen für die Anwendung des deutlich milderen Jugendstrafrechtes aus, bei dem nicht der Straf-, sondern der Erziehungsgedanke im Vordergrund steht.

"Relativ kleine Menge"

Es habe sich nur um eine "relativ kleine Menge" einer "relativ weichen Droge" gehandelt, sagte der Staatsanwalt. Allerdings hatte der Angeklagte bereits eine Vorstrafe wegen Sachbeschädigung, was ihm schon einmal 25 Arbeitsstunden einbrachte. Wenn Jugendrichter Berner diesmal ebenfalls auf 40 Stunden urteilte, so widersprach er doch in einem Punkt dem Anklagevertreter: Marihuana sei genauso gefährlich wie alle anderen Drogen auch, sagte Berner. Auch Marihuana könne am Beginn der schweren Drogenkarriere stehen.

Als Weisung gab das Gericht dem Angeklagten mit auf dem Weg, weiterhin an der begonnen Berufsbildungsmaßnahme teilzunehmen und selbst keinen Grund für deren Abbruch zu geben. So habe der Angeklagte wenigstens einen strukturierten Tagesablauf.

Hintergrund ist, dass aus Corona-Gründen derzeit so gut wie keine Sozialstunden angeboten werden. Ob die Arbeitsstunden deshalb auch wirklich innerhalb der kommenden sechs Monate abgeleistet werden können, sei deshalb mehr als fraglich. Auch hier bremst Corona derzeit alles aus.