Ehrenamtliche Helfer, Interessierte und Betroffene konnten sich am vergangenen Montagabend erneut im Rahmen der Vortragsreihe "Chancenoptimierer" im Landratsamt Kulmbach informieren und austauschen. Dieses Mal referierte Hans-Peter Ströbel von der Zentralen Ausländerbehörde (ZAB) aus Bayreuth über Zuständigkeiten und Abläufe im Asylverfahren, ein auf den ersten Blick sachliches Thema, das allerdings doch einige Emotionen bei den Zuhörern weckte. Seit gut einem Jahr kümmern sich in der ZAB 35 Mitarbeiter um die Belange von Asylbewerbern und führen die Anordnungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) aus. "Die Arbeit ist oft nicht leicht", sagte Hans-Peter Ströbel, "wir sind an die Entscheidungen des BAMF gebunden." Das bedeutet, dass wenn das BAMF den Asylstatus einmal festgelegt hat, die Mitarbeiter in der ZAB daran auch kaum etwas rütteln können. "Es gibt natürlich individuelle Bedürfnisse, die berücksichtigt werden sollten, aber die rechtlichen Beschränkungen geben uns die Grenzen vor." Verständlich, dass es bei Ehrenamtlichen, die sich mit Herzblut engagieren, oft auf Unverständnis stößt, wenn nicht Integration, kulturelle Anpassung und Spracherwerb bei der Entscheidung über einen Asylantrag oder eine Arbeitserlaubnis eine vorrangige Rolle spielen, sondern ausschließlich Sachentscheidungsgründe und Bleibewahrscheinlichkeit. "Für Personen aus sicheren Herkunftsländern gibt es daher zunächst auch ein Beschäftigungsverbot", erklärte Hans-Peter Ströbel. Und weshalb dürfen Asylbewerber nicht gleich von Anfang an arbeiten, will jemand aus dem Publikum wissen? "Ich komme doch nach Deutschland in erster Linie, weil ich geflüchtet bin, und nicht um zu arbeiten. Ansonsten müsste ich ein Visum beantragen", sagte der Mitarbeiter der ZAB.


Aufenthaltserlaubnis für ein Jahr

Die meisten Flüchtlinge, die momentan im Kulmbacher Landkreis einen Asylantrag gestellt haben, erhalten zunächst eine Aufenthaltserlaubnis für ein Jahr, was dem subsidiären Schutz entspricht. "Wir haben das deutsche Asylrecht und den internationalen Schutzstatus, dieser ist wiederum aufgeteilt in die Kategorie ,Flüchtling' und ,subsidiärer Schutz'", erklärte David Schröder, ebenfalls Mitarbeiter der ZAB. Subsidiärer Schutz wird etwa bei Drohung von Todesstrafe oder Folter, ernsthaftem körperlichem Schaden oder Verfolgung seitens des Staates gewährt. "Da viele syrische Flüchtlinge beispielsweise aus sicheren Lagern in der Türkei kommen, erhalten sie den subsidiären Schutz", erklärte Isabella Burger, Ansprechpartnerin für Asylfragen im Kulmbacher Landratsamt, "und nicht den Flüchtlingsstatus, was ein anfängliches Aufenthaltsrecht von drei Jahren mit sich führen würde."


Welches Land ist sicher?

Was ein sicheres Herkunftsland sei, werde wiederum vom BAMF festgelegt. Da zeigte sich insbesondere in Hinblick auf Afghanistan Unverständnis unter den rund 50 Zuhörern im Saal des Landratsamtes, denn einerseits gelten Teile Afghanistans als so sicher, dass man Asylbewerber dorthin zurückschickt, andererseits ist es aber kein sicheres Herkunftsland - die Bürokratie macht es möglich. Die UNHCR - das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen - äußerte bereits seine Überraschung über diese Entscheidung des BAMF, denn auch die angeblich sicheren Gebiete in Afghanistan, welche die Bundesregierung im Übrigen bislang noch nicht benannt hat, seien für die Flüchtlinge gar nicht erreichbar.


In Arbeit vermittelt

Für Flüchtlinge mit entsprechender Bleibeperspektive und gewährtem Asylstatus sieht die Situation in Deutschland anders aus. Im Landkreis Kulmbach konnten bereits erste Asylbewerber nach erfolgreichem Abschluss eines Sprachkurses in Arbeitsstellen vermittelt werden, etwa ein junger Mann in ein Friseurgeschäft oder ein Stuckateur in eine Kulmbacher Firma, weitere Vermittlungen stehen in Aussicht.
Conny Gehringer und Regine Moser vom Kulmbacher Jobcenter referierten über die Erfolgsaussichten der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. "Derzeit sind 251 Flüchtlinge im Jobcenter gemeldet", sagte Regine Moser, "und alle werden von uns so intensiv wie möglich und nötig betreut." Nach einem Erstgespräch werden die Asylbewerber zunächst in einen sechs bis neun Monate dauernden Integrationskurs vermittelt, der 600 Stunden Sprachkurs und 100 Stunden Orientierung umfasst. Ein Problem ist die Wartezeit von bis zu zwei Monaten auf einen solchen Kurs. "Oft haben die Asylbewerber auch Probleme, zu dem Kurs hinzukommen", sagte Regine Moser.