Tobias Kindermann

Noch liegen die Teile wie ein großes Puzzle auf dem Hallenboden verteilt. Förderbänder, Blechprofile, Montagematerial - und in Folie verpackt die großen, blauen Trockner. Im Anbau der Wäscherei Grete Rommel nimmt die neue Wäschereianlage Form an.
Es ist die mit Abstand größte Investition, die das Familienunternehmen jemals getätigt hat. "Wir werden hier am Ende rund 6,5 Millionen Euro ausgegeben haben", sagt Geschäftsführer Dieter Steinert.
Auf dem Firmengelände ist eine neue Halle mit 900 Quadratmeter Grundfläche und zwei Etagen entstanden. Sie gliedert sich nahtlos an das bestehende Betriebsgebäude an, das erst 2010 für etwa 3,5 Millionen erweitert worden war. Damals ging es darum, die Kapazität im Bereich OP-Kleidung auszubauen, ein Spezialbereich der Bad Staffelsteiner Firma.


Betrieb läuft weiter

Diesmal ist der Eingriff weit umfassender. Unter laufender Produktion wird eine komplett neue Wäschereistraße installiert. Sie ist hochautomatisiert, spart Energie - was bei einem so stark auf Gas und Strom angewiesenen Unternehmen wichtig ist - und vergrößert die Kapazität.
Bislang konnte die Wäscherei Grete Rommel bis zu 30 Tonnen Wäsche in zehn Stunden reinigen, künftig können es bis zu 50 Tonnen sein. "Bis jetzt sind wir eher noch ein Handwerksbetrieb gewesen, dann sind wir Industrie 4.0", beschreibt Steinert die Änderungen. Im Untergeschoss werden die Container mit schmutziger Wäsche ausgeladen und in ein Fördersystem gehängt, das sie zu den Reinigungs- und Trockenstationen bringt. Dabei wird jede Wäscheladung mit maschinell auslesbaren Codes versehen, so dass sie automatisch richtig behandelt werden kann.
Für die Installation der neuen Technik werden auch die beiden alten Hallen innen umgebaut, teilweise Zwischenböden eingezogen. Im Oktober soll die Anlage laufen. "Im Augenblick wird an sieben Tagen in der Woche daran gearbeitet", sagt Steinert.
"Grete Rommel, Bad Staffelstein" steht auf weißen Din-A4-Zetteln, die an vielen Stellen der Bauteile hängen. Das klingt - bei aller Technik um die es geht - fast etwas vertraulich. Damit liegt man auch nicht falsch: Lieferant der Anlage ist die Firma Kannegießer aus Vloto, ebenfalls ein Familienunternehmen, und Weltmarktführer im Bereich Großwäschereitechnik. Beide Firmen verbindet eine lange Geschäftsbeziehung. Sie wurden im selben Jahr gegründet, 1948. Die Wäscherei Grete Rommel besitzt dort die Kundennummer 6.
Muss moderner auch immer größer bedeuten? Für Dieter Steinert gibt es keine Alternative zum Wachstum. Der Markt sei hart umkämpft, der Druck auf die Preise groß - und die Kunden würden immer größere Kapazitäten nachfragen. "Früher hat man vielleicht ein Krankenhaus beliefern können, doch heute gibt es Klinikverbünde. Ein Unternehmen wie die Sozialstiftung Bamberg etwa liefert täglich sieben Tonnen auf einen Schlag, Regiomed sogar zehn Tonnen. Welcher kleine Betrieb kann da noch mit mithalten?" Mit dem Neu- und Umbau wolle man die Firma zukunftsfest machen. "Mindestens für die kommenden zehn Jahre."


Neue Arbeitsplätze entstehen

Aktuell beschäftigt Grete Rommel 150 Mitarbeiter. Die Zahl der Arbeitsplätze werde sich weiter erhöhen, die neue Technik führe nicht dazu, dass man künftig weniger Arbeitskräfte benötige.
Aber auch hier erlebt die Firma einen Wandel. Es wird immer schwerer, Mitarbeiter in der Region zu finden. Das sind die problematischen Seiten des wirtschaftlichen Aufschwungs, mit denen etwa auch die Firma Baur zu kämpfen hat.
Inzwischen beschäftigt Dieter Steinert zu rund 50 Prozent Arbeiter aus Litauen, Ungarn und Rumänien. "Das ist eine Entwicklung, die vor etwa drei Jahren eingesetzt hat", sagt er - und wird dann auch etwas grundsätzlich. "Die großen Unternehmen zahlen oft kaum noch Steuern, locken oft mit sehr guten Gehältern. So nehmen sie anderen Betrieben nach unten hin die Arbeiter weg - und das bemerkt kaum einer." Auch Abgaben zum Aufbau alternativer Energien belasteten einen Betrieb wie seinen stark und Dinge wie die Maut für Lastwagen würden es immer problematischer machen, neue Kunden mit der Flotte von zehn firmeneigenen Lastwagen anzufahren.
"Im nächsten Jahr kommt auch die Maut für Bundesstraßen, da verdoppeln sich unsere Kosten von aktuell 60 000 Euro noch einmal."