Das dreigeschossige Gebäude, welches im Max-Böhme-Ring 13 auf der Bertelsdorfer Höhe entsteht, ist etwas ganz Besonderes. Die Elterninitiative "Neues Wohnen Coburg e.V. - Selbstbestimmtes Leben für Menschen mit Handicap" suchte nach einer Lösung für ambulant betreutes Wohnen für junge Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung. Mit diesem modernen Gebäude ist jetzt eine Lösung gefunden.

Bisher gab es für Jugendliche mit ihren ganz besonderen Behinderungen keinerlei adäquates Wohnangebot in der Region, denn ab dem 18. Lebensjahr können sie nicht mehr in den Internaten wohnen. Zum Richtfest waren deshalb auch viele der künftigen Bewohnerinnen und Bewohner mit ihren Familien gekommen und ließen zur Freude bunte Luftballons in den Himmel steigen.

Bis der Bau konkrete Formen angenommen hat, galt es mehrere Hürden zu überwinden. Für das Vorzeigeprojekt, welches Gisela Raab, Geschäftsführerin der gleichnamigen Baufirma, mit der Elterninitiative entwickelt hat, wurde eigens die "Raab Vision" als Vermögens-GmbH & Co KG gegründet.

Große Dankbarkeit

Investor dieses Wohnprojekts ist die Familie Raab. "Es ist heute für mich ein tief bewegendes Ereignis, mit ihnen dieses Richtfest feiern zu können", betonte Gisela Raab. Sie erinnerte an das erste Gespräch mit Drittem Bürgermeister Thomas Nowak und den Anfängen des partnerschaftlichen Miteinanders mit der Elterninitiative. Damals hatte sie wenig Hoffnung, dass nach der ersten Kalkulation ein machbares Ergebnis herauskommt. Es schien einfach nicht möglich, bei fünf Euro Miete im sozialen Wohnungsbau und den hohen Anforderungen an rollstuhlgerechte Wohnungen für schutz- und pflegebedürftige Menschen das Projekt zu verwirklichen. Nach und nach taten sich jedoch Möglichkeiten auf.

So wird der stattliche Neubau auf einem von der Stadt verkauften Grundstück errichtet. Die 24 rollstuhlgerechten Appartements für Menschen mit Behinderung entstehen mit EOF (einkommensorientierte Förderung) im Sozialen Wohnungsbau, nachdem die Regierung von Oberfranken das Projekt als geeignet sah. Durch die Fördermittelzusage für den sozialen Wohnungsbau sind den Bewohnern langfristig die Finanzierbarkeit der Mietkosten und die Realisierung der Wohnform des "ambulant betreuten Wohnens" gesichert. Wichtige Voraussetzung ist die 24-Stunden-Betreuung durch geschultes Pflegepersonal, das zur Verfügung steht. Neben der Mietförderung kann auch ein Darlehen über die Landesbotenkreditanstalt in Höhe von 3,8 Millionen Euro und ein weiterer Zuschuss von 360 000 Euro beansprucht werden. Außerdem wurde das Projekt im Social Impact Banking der HypoVereinsbank ausgewählt und damit der Zins reduziert. Schließlich erhöhte sich noch unerwartet der KfW-Tilgungszuschuss von fünf auf 15 Prozent, was Raab als "Geschenk des Himmels" bezeichnete. Diese 145 000 Euro werden zwar nicht ausbezahlt, reduzieren aber die Darlehenslaufzeit. Durch den gemeinnützigen Verein sind zudem Förderungen für Anschaffungen möglich. So konnte dieses besondere Projekt schließlich realisiert werden. "Dieses Bauprojekt soll nicht nur für unsere Bewohner ein Paradies werden, sondern soll ein besonderes Zeichen der Hoffnung auf eine bessere, eine wunderbare Welt sein, die möglich wird, wenn wir alle zusammenhelfen", hofft Gisela Raab.

"Das Projekt passt in unsere soziale Landschaft der Stadt und der Region Coburg", betonte Thomas Nowak. Von Beginn an hätten die Initiatoren "höchste Professionalität" bewiesen. Er dankte insbesondere Gisela Raab und deren Familie.

Vorsitzender Stefan Lehnert erinnerte an das Jahr 2014, als sich die Elterninitiative erstmals mit dem Gedanken des Auszugs ihrer meist körperlich und geistig schwer behinderten Kinder aus dem gewohnten familiären Umfeld auseinandersetzte. Unter Mithilfe von Vertretern, die in der Behindertenarbeit verwurzelt sind, wurden erste Wünsche und Vorstellungen formuliert. Einen Dank sagte er Thomas Nowak. Durch ihn kam es zu einem erfolgreichen Gespräch mit Gisela Raab. Er freut sich, dass die Hürden überwunden werden konnten und nun ein Projekt realisiert wird, welches einzigartig in Oberfranken ist.