Märchen zu spielen macht einfach Spaß, sagen Nadine Panjas, Benjamin Bochmann, Martin Habermeyer und Felix Pielmeier einmütig. Die vier Schauspieler der Theaterwerkstatt Haßfurt führen als Weihnachtsmärchen für Kinder ab fünf Jahren "Die Abenteuer des starken Wanja" von Otfried Preußler unter der Regie von Nina Lorenz auf.
Otfried Preußler, der berühmte Erfinder so bekannter Geschichten wie "Die kleine Hexe" oder "Das kleine Gespenst" hat das russische Märchen "Die Abenteuer des starken Wanja" für Kinder aufbereitet. Die Regisseurin Nina Lorenz wiederum hat die Geschichte für jüngere Kinder umgeschrieben und mit den Schauspielern einstudiert. "Das russische Märchen begleitet mich zum einen seit meiner Kindheit und begeistert mich durch und durch", erzählte sie bei den Proben. "Zum anderen ist es schön, damit einmal einen ganz anderen Kulturkreis zu zeigen, da die Erzählung von Wanja ganz andere Figuren, eine andere Musik und andere Farben in den Kostümen auf die Bühne bringt."
Erzählt wird die spannende Abenteuergeschichte vom Bauernsohn Wanja, der einmal Zar werden soll. Wanja hat es nicht leicht, denn er wird für den größten Faulpelz weit und breit gehalten. Von seinen Brüdern wird er verspottet und alle Welt schimpft auf ihn. Dabei ist er nicht faul, sondern er liebt es, tagträumerisch die Welt mit seinen eigenen Augen und Empfindungen wahrzunehmen.
Eines Tages kommt ein blinder Alter des Wegs und prophezeit ihm, dass er einst Zar werden würde. Doch dafür muss Wanja sieben Jahre auf dem Ofen sitzen, Sonnenblumenkerne essen und schweigen. Erst dann ist er bereit für das, was ihm prophezeit wird. Wanja staunt nicht schlecht, doch er tut, wie ihm geheißen - faulenzen kann er schließlich hervorragend. Er schweigt, als seine Tante Akulina sich Sorgen macht, er schweigt auch über die vielen Pöbeleien seiner Brüder, doch als sie ihn schließlich vom Ofen holen wollen, da hebt Wanja das Dach der Hütte hoch: Er ist nicht mehr länger der faule Wanja, jetzt ist er der starke Wanja!
So bricht er auf, um den Zarenthron zu besteigen. Auf seinem Weg muss er gegen den grünen Och, die Baba Jaga und schließlich gegen Foma Drachensohn, den steinernen Ritter, kämpfen. Und nicht zuletzt befreit er die schöne Wassilissa.
Wanja lernt auf seinem Abenteuerweg, auf sich zu hören und sich zu vertrauen. Sein mitfühlendes Wesen und seine Klugheit helfen ihm ebenso wie die Freundschaften mit seinen Weggefährten und nicht zuletzt steht ihm auch die schöne Wassilissa bei.
Martin Habermeyer hat die Rolle des Wanja übernommen. "Das Schöne daran ist, wie der faule Kerl zum Helden wird: Er darf und muss sich dem Alltag entziehen und kann dadurch seine Kräfte sammeln, um Gefahren zu bestehen", betont der Schauspieler. "So kann man diese Faulheit positiv sehen. Als Möglichkeit, sich dem Alltag zu entziehen, die Fantasie auszuleben und einen tiefen Blick auf die Welt zu bekommen."
Für Felix Pielmeier, der in fünf verschiedene Rollen schlüpft, ist besonders der Part des grünen Och eine Herausforderung. Er hat dem ungestümen Wunderwesen eine eigene Biografie gegeben und erklärt, dass er damit dem Stück "mit Vehemenz" dienen und den Genuss am Absurden bei den Zuschauern bedienen wolle.
Benjamin Bochmann wiederum, der gleich sechs unterschiedliche Figuren darstellt, berichtet: "Es ist sehr interessant, für jeden eine neue Geschichte zu finden und ihm eine andere Körperhaltung und eine ganz bestimmte Sprache zu geben." Gerade wenn die Kinder nicht bemerkten, dass ein Schauspieler mehrere Rollen spiele, sei das ganz wunderbar. Außerdem sei es für die Zuschauer ein Mehrwert zu sehen, wie wandlungsfähig ein Darsteller sei.


Innerer Prozess

Nadine Panjas freut sich besonders auf die Rolle der Wassilissa, die sich mit Wanja auf den Weg nach Hause macht. "Sowohl der innere Prozess, den sie durchleben muss, als auch der ganz reale Weg in ihre Heimat sind sehr spannend. Sie darf etwas erleben und sich in der Begegnung mit anderen selbst entdecken", erzählt die Schauspielerin. "Märchen sind immer schön, weil sie sehr bunt sind und naiv und absurd sein dürfen."
Letztlich, so meinen alle Akteure, seien die Produktionen der Theaterwerkstatt "ein gefundenes Fressen" für jeden Schauspieler, weil die Rollen nicht vorgefertigt seien. "Wir können in die Figuren eintauchen, selbst einbauen, worauf wir Lust haben, und ihnen eine Seele geben." Aufführungen für Kinder wiederum seien etwas ganz Besonderes. "Die Stille von Kindern ist nicht vergleichbar mit der Stille von Erwachsenen. Denn sie geht weitaus tiefer. Es ist einfach schön, wenn sie zuhören und sich begeistern lassen, und man merkt sofort, ob es ihnen gefällt, weil sie keine Scheu haben, Emotionen zu zeigen."