von unserem Mitarbeiter 
Martin Wohlgetan

Bamberg — Die Studienzeit ist bekanntermaßen für die allermeisten Studenten die Zeit der Freiheit, des flexiblen Wanderns, die Suche nach der eigenen Persönlichkeit, der Ausbildung von Interessen und Kompetenzen. Ist das erreicht, steht der Wechsel ins Berufsleben an, dann die Familienplanung.
Doch wie damit umgehen, wenn dieser wohl durchdachte Lebensplan durcheinander kommt? Zum Beispiel, wenn man schon während oder gar vor dem Studium das Glück hat Eltern zu werden? "Ich hatte immer schon das Ziel zu studieren", sagt Sarah Lerche, und sie strahlt dabei die Überzeugung aus, dass nie etwas anderes in Frage kam. Sarah Lerche ist 23 Jahre alt und macht gerade an der Uni Bamberg ihren Bachelor in Wirtschaftsinformatik. Sarah Lerche ist aber auch alleinerziehende Mutter des fünfjährigen Max. "Das überrascht grundsätzlich alle, wenn sie mich kennenlernen", berichtet sie mit einem verschmitzten Lächeln.
Vielleicht weil sie weiß, dass sie zu einer sehr, sehr kleinen Klientel gehört. Gerade mal sieben Prozent aller bundesweit Studierender unter 23 Jahren waren bei der letzten Erhebung (2012) des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bereits Vater oder Mutter. Dass es so wenige sind, liegt an den eingangs erwähnten üblichen Verläufen. Und daran, dass das Studium eben auch Party, Kontakte knüpfen, spontan und weitestgehend verpflichtungsfrei zu sein bedeutet. Fehlt ihr das manchmal? "Klar, Snowboarden, Wandern, was trinken gehen - geht alles nicht. Also vor allem meine Hobbies und die sozialen Aktivitäten." Allerdings sorgen ihre Freunde dafür, dass sie trotzdem ab und zu auf die Piste kann, springen als Babysitter ein, auch weil Sarahs Eltern nicht gerade um die Ecke wohnen. "Meistens lasse ich mich aber besuchen, dass ist am einfachsten."

Frühstück mit Max

Der übliche Tagesablauf der alleinerziehenden Mutter beginnt mit dem gemeinsamen Frühstück mit Max. Dann geht er in den Kindergarten, sie in die Uni, um zu studieren oder arbeitet als HiWi. Die Bamberger Universität kommt als familienfreundliche Institution in solchen Fällen ihren Studierenden mit der eigenen Kita "Krabbelmonster" und dem Kindergarten "Kindervilla" entgegen, Sarah Lerche lobt vor allem auch das Eltern-Service-Büro. Sie bringt Max allerdings in den Awo-Kindergarten in Gaustadt, "weil wir dort wohnen und mein Institut auf der Erba-Insel liegt. Da wäre die Markusstraße etwas umständlich." Zusätzlich braucht sie aber auch eine Tagesmutter, "das ist flexibler, auch weil ich nicht den ganzen Tag in Betreuung lassen will, sondern nur halbtags, weil ich doch ab und zu auch mal abends Termine habe oder länger arbeiten muss".

Doppelfunktion hat auch Vorteile

Die Doppelfunktion als Mutter und Studentin hat aber auch Vorteile: "Man lernt sich gut zu organisieren und effizient zu arbeiten und zu planen." Und Sarah Lerche tritt noch einen weiteren Beweis an, dass selbst ein Studium mit Kind Möglichkeiten zulässt, die man anfangs so nicht vermutet: Zusammen mit ihrem Sohn absolvierte sie 2012 ein Erasmus-Jahr, lebt und studierte zehn Monate auf Malta. "Anstrengend war vor allem die Organisation von Max' Betreuung, zumal wir sie nach den ersten Wochen wechseln mussten, weil Max sich nicht wohl gefühlt hat. Ansonsten haben wir nur Gutes mitgenommen: Max hat Englisch gelernt und ich habe die Erfahrung gemacht, gut im studentischen Leben dort integriert worden zu sein." Max tritt somit auch früh in die Fussstapfen seiner Mutter und wächst - zumindest teilweise - zweisprachig auf. Sarah selbst ist nämlich in Ecuador geboren und in Bolivien aufgewachsen, weil ihr Vater dort jeweils als Entwicklungshelfer arbeitete. Erst mit 19 Jahren kam sie nach Deutschland und begann Betriebswirtschaft zu studieren.
Die Affinität zur Mehrsprachigkeit ist geblieben (sie lernt gerade auch noch italienisch), die aus der Kindheit stammende Liebe zu Pferden aber einem etwas anderen Interessengebiet gewichen: den Computern. "Ich war unzufrieden mit BWL und habe mich nach Alternativen umgesehen und bin so auf Wirtschaftsinformatik gestoßen. Mit meinem Bruder, der Mechatronik studiert, habe ich mich dann über die Computerinhalte ausgetauscht und er hat mich quasi bestätigt, dass es eine gute Entscheidung war." Es folgt eine Fachsimpelei über Betriebssysteme und Geräteverknüpfungen, und es wird schnell klar, dass für Sarah Lerche die Kombination aus Wirtschaft und Informatik die wohl richtige ist, auch wegen der Berufsaussichten: "Software-Entwickler oder IT-Betreuer werden immer gesucht, und Berater auch". In jedem Fall wollen Sarah und Max vorläufig in Bamberg bleiben, sie haben sich prächtig akklimatisiert: "Uns gefällt es hier sehr und das mit der Zeit aufgebaute Netzwerk aus Freunden und Kinderbetreuung ist sehr gut."

Weg vom Schreibtisch

Bevor es an den Master geht, möchte Sarah jedoch abermals ins Ausland: "Weg vom Schreibtisch!" Dass so etwas als alleinerziehende Mutter mit Mehraufwand und Einschränkungen verbunden ist, ist klar. Aber es klappt. Und kann für tolle Erfahrungen sorgen.