Es blüht wunderschön rund um Kasendorf, und das trotz der Trockenheit. Die natürlichen und artenreichen Blumenwiesen sind einer der Gründe, warum dieser Bereich als Teil des FFH-Gebiets "Alptraufhänge zwischen Görau und Thurnau" unter Schutz gestellt wurde. Diesen faszinierenden Bereich erkundeten kürzlich etwa 40 Interessierte mit Pedro Gerstberger, ehemals Botaniker an der Universität Bayreuth.

Erstes Ziel war der Reuther Berg, an dem sich der kleinräumige Strukturreichtum beispielhaft an drei Ahornarten zeigte.

Zurück zur Urform

Das unterschiedliche Mikroklima führt dazu, dass Berg- und Spitzahorn, die eher im kühleren und feuchteren Waldbereich vorkommen, sowie der Feldahorn, eine eher wärmeliebende Baumart, nahe beisammen wachsen.

Revierförster Fabian Kowollik erläuterte, dass der früher weiter verbreitete Niederwald, in dem Bäume immer wieder abgesägt werden, um dann neu auszutreiben, die Urform der heutigen Kurzumtriebsplantagen ist. Kristina Schröter von der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Kulmbach verdeutlichte die naturschutzfachliche Wertigkeit dieser Nutzung, da im Stockbereich sogenannte Mulmhöhlen entstehen, die seltenen Insektenarten wie dem Hirschkäfer oder dem Eremiten als Kinderstube dienen.

Die Vermehrung und Blütenbewegung der Türkenbundlilie erläuterte Gerstberger auf dem Weg zum Steinbruch. Die Blüte der Lilie ist nach unten geneigt, die Samenkapsel richtet sich später jedoch auf. Im hängenden Zustand werden nur Hummeln und Schwärmer als Blütenbesucher zugelassen; beim Aufrichten der Kapseln fallen die Samen später nicht alle aus den Fächern heraus, sondern werden einzeln ausgeschüttelt, so der Botaniker.

Gartenlilien werden jedoch durch die Teilung der Schuppenzwiebeln vermehrt. Zahlreiche weitere Arten wurden am Wegesrand Richtung Prelitz entdeckt. Neben Rotem und Schwarzem Holunder fiel auch die Knollenplatterbse auf, die gerade Besuch von der imposanten Blauen Holzbiene bekam. Angekommen am Prelitz erläuterten die Experten die Notwendigkeit der dort durchgeführten Landschaftspflegemaßnahmen.

Entbuscht und gemäht

Teilbereiche wurden im Herbst von Schlehen entbuscht, von lange nicht gemähten Wiesen wurde das Altgras entfernt, Fichten entnommen und Obstbäume alter Kulturarten gepflanzt. Neu auf der Mulchfläche fand sich ein gutes Dutzend der seltenen Sommer-Adonis-röschen. Ihre Samen haben offenbar Jahre bis Jahrzehnte im Boden ausgeharrt und auf günstige Bedingungen gewartet. Die Flächen sollen dieses Jahr erstmals wieder vom Wanderschäfer beweidet werden. Dadurch werden die artenreichen mageren Wiesen weiter in ihrer Diversität gefördert, so Schröter.

Zur Realisierung des Projekts hat das Landratsamt zahlreiche Flächen angekauft, um dieses einzigartige Mosaik aus Streuobstwiesen, extensiven Blumenwiesen, Hecken und Laubwaldstrukturen langfristig zu erhalten. Hier ziehen in Kasendorf alle an einem Strang: Naturschutzbehörden, FFH-Managementteam, Gemeindeverwaltung, Bürgermeister Bernd Steinhäuser und sein Stellvertreter Klaus Amschler, Jäger, Förster und Schafberatung. "Am wichtigsten jedoch ist die Unterstützung durch die Kasendorfer selbst", so Gerstberger. Nur so konnte dieses Projekt "Prelitz" in so kurzer Zeit so weit gebracht werden.

Revierförster Kowollik erklärte darüber hinaus die Probleme des Waldumbaus in Zeiten des Klimawandels. Hier muss in Betracht gezogen werden, auch fremde, an die Trockenheit angepasste Baumarten zu pflanzen. Jedoch nicht in FFH- oder anderen Naturschutzgebieten - hier soll der heimischen Flora und Fauna Lebensraum geboten werden.

Daher wird als eine Maßnahme versucht, Robinien durch teilweises Entfernen der Rinde bis ins Holz absterben zu lassen. Zuletzt wies der Kompasslattich, der seine Blätter meist in Nord-Süd-Richtung ausrichtet, den Weg zurück zum Kasendorfer Rathaus. Eine weitere Exkursion soll 2020 folgen. red