Heike Beudert

"Mensch, die Zeit rennt". Das sagt Hubert Mangold, als er auf seinen 80. Geburtstag am heutigen Freitag (15. Juli) angesprochen wird. Auch an diesem besonderen Tag wird er in seinem Lokal stehen, Bier ausschenken und die Lottozettel in der angeschlossenen Annahmestelle annehmen. Einziger Unterschied zu normalen Arbeitstagen werden die Gratulationen von Stammgästen sein, die er entgegennehmen kann.

Ein bisschen gefeiert wird dann aber schon noch irgendwann in den nächsten Tagen. Geplant ist ein Geburtstagsausflug mit seinen beiden Kindern.

Lange Familientradition

Hubert Mangold ist Wirt aus Leidenschaft und Überzeugung. "Ich bin es gerne", betont er. Langweilig sei es ihm nie geworden, erklärt er. Das liegt wohl auch daran, dass Hubert Mangolds Welt schon immer die urige Kneipe war, die er von seinen Eltern übernommen hat. Die hatten sie 1927 gekauft, samt angeschlossener Bäckerei. Schon von Kindheit an waren der Verkaufs- und der Gastraum sein Zuhause.

Nach dem frühen Tod des älteren Bruders war klar, dass Hubert Mangold in die Fußstapfen des Vaters tritt und eine Bäckerlehre macht, um auch die Bäckerei zu übernehmen. Doch es kam anders. Hubert Mangold entwickelte die sogenannte Bäckerkrankheit, eine Allergie, die ihn zum Aufhören zwang. Sein Brot verdiente er fortan 32 Jahre lang in der Münnerstädter Gewehrfabrik. Wirt ist er dennoch geblieben. Die Bäckerei gab es zwar irgendwann nicht mehr, aber am Nachmittag, nach Werksschluss, stellte sich Hubert Mangold Tag für Tag hinter den Tresen und führte die Gastwirtschaft weiter - und das bis zum heutigen Tag.

Ferien gibt es nicht

Sein einziger Urlaub liegt schon eine ganze Weile zurück. Er ging 1985 in die USA, vier Wochen lang. Mehr Auszeiten von seinem Lokal hat er nicht gebraucht. Ganz gelegentlich gab es einen Wochenendausflug nach München. Das war´s mit den Ferien. "Ich habe Urlaub auch nicht vermisst", gesteht der Münnerstädter.

Vom Aufhören spricht er trotz seiner 80 Jahre nicht. "Es macht noch Spaß". Am Wirtsein gefällt ihm die Geselligkeit. Sein Lokal wird von vielen Stammgästen besucht. Die Liedertafel hält dort ihre Proben. Am späten Nachmittag und Abend kommen Stammtische und Kartrunden zusammen. "Da hat man seinen Zeitvertreib", sagt Hubert Mangold.

Wenn er Bier zapft oder die Gäste bedient, hat Hubert Mangold immer auch viel politische Prominenz im Blick, aktive wie verstorbene. "Da hängen die ganzen Schwarzen", lacht er und zeigt auf die Wand mit den Foto-Autogrammen - von Markus Söder bis Angela Merkel. Im Laufe der Jahrzehnte sind einige Autogramme zusammen gekommen. "Auch zwei Rote sind dabei", ergänzt Mangold, Herbert Wehner und Sabine Dittmar. Und Münnerstadts Altbürgermeister Eugen Albert hat als Freier Wähler auch einen Platz in dieser Galerie.

Warten auf Markus Söder

Den Ministerpräsidenten Markus Söder hätte Hubert Mangold vor zweieinhalb Jahren gerne persönlich in seiner Kneipe begrüßt. Fast hätte es auch geklappt. Als Söder beim Neujahrsempfang 2020 in Münnerstadt Ehrengast war, hatten sich sogar schon Polizisten in Zivil im Lokal umgeschaut, ob eine Stippvisite sicherheitstechnisch möglich wäre. Damit hätte es keine Probleme gegeben, erinnert sich Mangold.

Aber der enge Zeitplan des Ministerpräsidenten und eine nicht geplante Demo von Landwirten aus der Region vor der Alten Aula durchkreuzten die Pläne des Münnerstädter Gastronoms in letzter Minute. Der Besuch des Landesvaters blieb aus. So muss Mangold weiterhin mit dem Foto-Portrait des Ministerpräsidenten Vorlieb nehmen.