Nicole Julien-Mann Die jungen Künstler vom Duo "Clariphin" setzten im Eröffnungskonzert des VHS-Musikrings im Kronacher Kreiskulturraum höchste Standards.

Die Laufbahn junger Musiker beginnt meist sehr mühsam mit unzähligen Vorspielen vor strengen Gremien an den Hochschulen und Akademien. Wenige Minuten entscheiden darüber, wohin der Daumen zeigt. In kurzer Zeit sollten die Anwärter möglichst alle Finessen in puncto Klang und Virtuosität zeigen. Claude Debussy komponierte seine Premiere "Rhapsodie for Clarinet and Piano" für genau diesen Zweck.

Das Duo "Clariphin" beendete am Freitag im Kreiskulturraum sein Konzert mit diesem Stück. Das Publikum allerdings war bis dahin längst überzeugt und eingenommen von der Musik der beiden Künstler. Es durfte sich daher entspannt über diese Abschlussparade freuen: Sensibel am Flügel begleitet von Clara Isabella Siegle, ließ Seraphin Maurice Lutz seine Klarinette noch einmal in allen Facetten schillern.

Oder in fast allen. Denn welche Töne Klarinette und Klavier über den schönen Wohlklang hinaus erzeugen können, das bildete den eigentlichen Höhepunkt des Abends. "Fünf Bruchstücke" nannte der zeitgenössische Klarinettist Jörg Widmann seine Komposition. Ein Klangexperiment, bei dem beide Instrumente in ihrer Gesamtheit eingesetzt werden, von der Oberfläche bis zu den Eingeweiden sozusagen.

Experimentalcharakter

Das sind dann Klappengeräusche, tonloses Blasen mit Dynamik - wie ein Windstoß, der an- und abschwillt -, das sind Multiphonics-Effekte auf dem Flügel, bei dem die Saiten abgedämpft oder gezupft werden, bei dem Pianissimo und Fortissimo an die äußerten Grenzen getrieben werden. Um das Klangspektrum zu beschreiben, könnte man alle Verben heranziehen, die mit Geräuschen zu assoziieren sind: dröhnen, kieksen, donnern, grollen, jammern, knacken, perlen - um nur einige zu nennen.

Seraphin Maurice Lutz und Clara Isabella Siegle hatten das Publikum auf diesen industriellen Experimentalcharakter gut vorbereitet mit Stücken aus der Romantik von Robert Schumann ("Fantasiestücke für Klarinette und Klavier", Op. 73) und Carl Maria von Weber ("Grand Duo Concertant", Op. 48). Damit rahmten sie geschickt die "Vier Stücke" (Op. 5) von Alban Berg ein.

Wer sich auf diese Musik einlässt, dem erschließt sich eine ganz eigene Klangschönheit, hörbar jenseits vordergründiger Melodieführung. Die Lücke im Bogen von Komponisten aus der frühen Romantik bis in die Gegenwart schlossen die "Dance Preludes" von Witold Lutoslawski aus dem Jahr 1954.

Die jungen Künstler des Duos "Clariphin" sind beide mehrfach preisgekrönt. Bei den einschlägigen Wettbewerben sind sie sich immer wieder über den Weg gelaufen und haben dann eines Tages beschlossen, als Duo zusammen zu musizieren.

Eine überaus gute Idee, wie sich herausstellte, denn schon kurz nach ihrem Debüt wurden sie in die renommierte Yehudi-Menuhi-Stiftung aufgenommen. Lutz studiert derzeit in Berlin und München, Siegle in London. Die beiden spielen sensibel und wunderbar aufeinander abgestimmt zusammen. Im ständigen Kontakt antizipieren sie den Verlauf der Stücke und lassen die Instrumente in den Dialog treten.

Weil sich die Künstler selbst völlig uneitel präsentieren, geben sie ihren Instrumenten und der Musik die Bühne. Nobel in der Geste, nobel im Klang - so macht Kammermusik Spaß.