Nach diesem Derby darbten Denksportfreunde am Obermain eine Dekade lang: Erstmals seit Auflösung ihrer Spielgemeinschaft traten eine Michelauer und eine Seubelsdorfer Mannschaft zum Kampf um den Anschluss an die Tabellenspitze in der Schach-Bezirksoberliga und um einen eventuellen Aufstieg in die Regionalliga gegeneinander an.


Bezirksoberliga

SK Michelau -
SV Seubelsdorf 2,5:5,5

Die beiden Teams schenkten sich nichts: Nur eine von acht Partien endete unentschieden. Bei aller Freundschaft zwischen beiden Vereinen gestaltete sich das Match teilweise dramatisch. So unterliefen zwei versierten Verbandsspielern aus Seubelsdorfer Sicht fatale Fingerfehler: An Brett 6 verlor Marko Hofmann frühzeitig drei Bauern an Bernd Stammberger, wehrte sich zwar noch bis ins Endspiel hinein, musste sich aber schließlich der Übermacht geschlagen geben. Noch schlimmer erging es Ivan Adamovic am zweiten Brett gegen Edgar Schaller: Was als Qualitätsopfer das gegnerische Zentrum sprengen sollte, beendete prompt die Partie als Damenverlust, da Adamovic übersehen hatte, dass ein keck vorgedrungener gegnerischer Springer ebenfalls seine mächtigste Figur bedrohte.
Den ersten Punkt erzielten die Seubelsdorfer am Spitzenbrett in einem Duell zweier amtierender oberfränkischer Meister: Jürgen Gegenfurtner entfaltete so starken Druck am Königsflügel, dass Klaus Beier zur Besänftigung entscheidendes Material einbüßen musste.
Der Seubelsdorfer Kapitän Kilian Mager kam am achten Brett gegen Alfons Schüpferling nicht über ein Remis hinaus. Markus Häggberg, der an Brett 5 für Michelau spielte, hatte demgegenüber durch Remisangebote seinen Friedenswillen erkennen lassen - jedoch vergeblich. Auf beiden Flügeln überspielt, glaubte er zuletzt, durch ein Zwischenschach eine Figur zu gewinnen. Doch auch in diese Grube fiel ihr Gräber selbst hinein: Just als Häggberg das Material einstrich, konterte Christian Gebhardt mit einem eigenen raffinierten Schachgebot, das ihn auf die Siegerstraße brachte.
An Brett 7 engte der Seubelsdorfer Uwe Voigt die Position von Benjamin Zerr schrittweise ein, bis diesem noch acht legale Züge zur Verfügung standen, die aber alle den sofortigen Untergang bedeuteten. Taktische und strategische Scharmützel wechselten sich am dritten Brett ab. In einem Schaukampf der Schwerfiguren war dabei zuletzt die Herrschaft über die offene Linie und die siebte Reihe ausschlaggebend, die Matthias Bergmann für Seubelsdorf gegen Andreas Schüpferling erzielt hatte.
Ein zähes Ringen am vierten Brett beendete die Begegnung: Der Michelauer Gert Grünert hatte eine Figur gegen drei Bauern gegeben, um am Königsflügel und im Zentrum zu attackieren. Durch besonnene Verteidigungszüge wendete Harald Schulze das Blatt indessen langsam, aber sicher zu seinen Gunsten. Härter erkämpft, als die nackten Zahlen es verraten, lässt dieser 5,5:2,5-Sieg Seubelsdorf auf einen mit Michelau geteilten vierten Tabellenplatz vorrücken, von dem aus in der abschließenden Runde noch einiges möglich sein könnte. uv