von unserer Mitarbeiterin Uschi Prawitz

Kulmbach — Mit einer Schulungsreihe für ehrenamtlich Tätige will der Landkreis Kulmbach Vereinsaktive unterstützen. Den Auftakt der Veranstaltungsreihe machte ein Vortrag über "Vereine - Auslaufmodell oder Motor für Engagement und Ehrenamt?"
Gut besucht war die Schulungs- und Informationsveranstaltung, die das Koordinierungszentrum Bürgerschaftliches Engagement ("Kobe") des Kulmbacher Landratsamts unter der Leitung von Heike Söllner organisiert hatte. Referentin Aline Liebenberg aus Nürnberg ist Projektmitarbeiterin des Landesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement.
"Wir brauchen unsere Vereine", sagte Landrat Klaus Peter Söllner (FW). "Wir müssen sie stark machen, weil sie unsere Kinder stark machen." Besonders jetzt während der Flüchtlingskrise mache sich das ehrenamtliche Engagement in Kulmbach besonders bemerkbar.


Über 50 Prozent engagieren sich

Und in Sachen Ehrenamtsquote könne sich der Landkreis Kulmbach wirklich sehen lassen - sie liegt bei über 50 Prozent. "Dabei darf man aber nicht vergessen, dass ein Großteil der Ehrenamtlichen auch Mehrfachfunktionen ausfüllen", relativierte Klaus Peter Söllner, "aber die Ehrenamtsquote ist bei uns immer noch sehr hoch".
Das ist nicht selbstverständlich. Ist doch landesweit die Zahl der Freiwilligen in Ehrenamtsfunktionen von 1999 mit noch 38 Prozent zehn Jahre später auf 32 Prozent zurückgegangen. "Für 2014 liegen noch keine Zahlen vor, aber ich gehe davon aus, dass sie noch weiter gesunken sind", sagte Aline Liebenberg.
Dabei ging der Anteil von Männern in Ehrenamtsfunktionen doppelt so stark zurück wie der der Frauen. "Das bringt natürlich Probleme insbesondere bei der Vorstandsbesetzung mit sich", sagte die Referentin, wenn man bedenke, dass sich der "klassische Vorstand" traditionell aus Männern zwischen 40 und 60 Jahren zusammensetze.


Es liegt an der Bürokratie

Doch auch die Vereinsaktiven hatten bei der Schulung des Landkreises so manche Erklärung dafür, weshalb es so schwierig ist, Vorstände gut und neu zu besetzen. Ein großes Problem sehen sie in der wachsenden Bürokratie.
"Wenn ich einen kleinen Festumzug in einem 1500-Seelen-Dorf organisiere und dafür vom Amt eine Verordnung mit 34 Seiten in die Hand gedrückt bekomme, da hat doch niemand mehr Lust", sagte ein Teilnehmer und alle pflichteten ihm nachdrücklich bei.
Abgaben an Künstlersozialkasse, Gema & Co würden ebenso viele am Ehrenamt Interessierte abschrecken wie langjährige Prüfungen oder sonstige Auflagen bei Vereinsfesten. Dabei ist das Landratsamt hier auch nur ausführendes Organ und nicht von der Vorgehensweise überzeugt. "Mit der aktuellen Gesetzgebung, dass jeder in der Jugendarbeit ein polizeiliches Führungszeugnis vorweisen muss, verprellen wir viele engagierte Menschen", sagte der Landrat. Viele sagen dann lieber "dann mache ich halt nichts".
Kein einzelner Verein kann gegen diese Bürokratie etwas ausrichten, sehr wohl stehen ihm aber viele Wege und Mittel offen, seinen Verein zu gestalten und die Vorstandsarbeit zu erleichtern und attraktiv zu machen.
Gerade in Sportvereinen seien auch die Eltern von Kindern gefragt, sich im Verein zu engagieren und "ihn nicht nur als Beschäftigungstherapie für ihre Kinder zu sehen", sagte Aline Liebenberg.
Ebenso müssten die Vereine die gesellschaftlichen Veränderungen wahrnehmen und versuchen, darauf zu reagieren. Wie das am Besten zu schaffen sei, dafür hatte die Referentin Tipps: "Engagement braucht Leadership" lautet der Titel des Projekts der Robert-Bosch-Stiftung. Das ist als Leitfaden unter www.bosch-stiftung.de/content/language1/html/33875.asp abrufbar.


Mehr Fortbildungen

Mehr Infos über "Kobe" und die Ehrenamtsbörse des Landratsamts Kulmbach gibt es bei Heike Söllner im Landratsamt. Dort erfahren Interessierte auch mehr über die geplanten Fortbildungen unter dem Motto "Fit fürs Ehrenamt", die für die Teilnehmer kostenfrei sind.