Das Museum des Heimatvereins Weisendorf hat am Sonntag, 20. September, geöffnet. Der Themenschwerpunkt gilt religiösem Wandschmuck wie Haussegen und Patendankbriefen.

Besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war es zunächst in den protestantischen Gegenden Frankens üblich, dass die Konfirmanden ihren Paten kurz vor der Konfirmation als Dank für die Übernahme der Patenschaft einen geschriebenen oder gedruckten Text überreichten, aber auch aufsagten. In gemischtkonfessionellen Regionen nahmen Katholiken diesen Brauch zur Erstkommunion (seltener zur Firmung) auf, teils weil das Kind bzw. der Jugendliche selbst einer gemischtkonfessionellen Familie angehörte, teils weil sich hier die beiden Glaubensgemeinschaften gegenseitig befruchteten. Die Patendankbriefe sind sich dabei häufig so ähnlich, dass sie sich nur unter Einbeziehung des familiären Hintergrundes einer Konfession zuordnen lassen.

Patendankbriefe sind bildhafte Objekte der Erinnerung an eine religiöse Mündigkeitszeremonie, sei es die Konfirmation oder die Erstkommunion. Für die Paten war es eine Selbstverständlichkeit, den gerahmten Patendank aufzuhängen und damit ständig vor Augen zu haben. Sie waren stolz darauf, denn der landläufigen Überzeugung nach machte man mit der Übernahme dieses Ehrenamtes einen Schritt auf dem Weg in den Himmel. Eine Patenschaft lehnte man daher nicht ab, auch wenn sie vielfältige Verpflichtungen mit sich brachte.

Gestaltung im Wandel

Ab dem frühen 20. Jahrhundert nahmen sich verstärkt Handwerker und Händler auf professionelle Weise der Herstellung und des Vertriebs an. Wie die erhaltenen Objekte belegen, stieß dieses Angebot in der Bevölkerung auf breite Akzeptanz. Auch Texte wurden auf diese Weise über einen langen Zeitraum hinweg tradiert. Auffallend ist, dass eine ehemals angestrebte Schlussreimform mit der Zeit immer mehr zugunsten eines stimmigen Schriftbildes aufgegeben wurde.

Und schließlich rückte der eigentlich wichtigste Teil, nämlich der Text der Abbitte, sogar so weit in den Hintergrund, dass er auf die Rückseite verbannt wurde, um auf der Vorderseite mehr Platz für schmückendes Beiwerk zu gewinnen. Bei einigen späten Patendankbriefen fehlt der Text sogar gänzlich.

Die NS-Diktatur und der Zweite Weltkrieg bedeuteten einen tiefen Einschnitt für die Tradition des Patendanks. Das nationalsozialistische Regime stand kirchlichen Bräuchen kritisch gegenüber und versuchte sie durch ideologische Einbindung der Kinder und Jugendlichen in eigene staatliche Strukturen und Organisationen zum Erliegen zu bringen. Hin und wieder werden überlieferte Exemplare auf Flohmärkten angeboten, andere befinden sich weiterhin in Familienbesitz oder werden in Museen wie dem Weisendorfer Heimatmuseum aufbewahrt.