Die vielen kritischen Stimmen gegen ein krass umweltschädliches und unverantwortbar teures Straßenbauprojekt kann ich nur unterstützen. Die Menschen, die sich gegen den Bau dieser gigantischen Straßenbaumaßnahme stellen, sind gewiss keine "Wendehälse, Besserwisser oder Egoisten". Nein, es sind mutige und verantwortungsvoll denkende Mitmenschen, die sich trauen, die Gedanken öffentlich auszusprechen, die eine leider schweigsame Mehrheit in sich trägt. Konstruktive Kritik ist in einer Demokratie unentbehrlich und auch ein gutes Vorbild für eine mitdenkende Jugend! Noch sind die Bauaufträge nicht vergeben, noch wurde mit dem Bau nicht begonnen.

Wie wird diese gewaltige Baumaßnahme das Landschaftsbild des Maintals verändern? Das bittere Erwachen wird leider erst dann kommen, wenn wir statt auf bewaldete Talhänge entsetzt auf die vielen neu gebauten zusätzlichen Straßen und Brücken und riesige Betonmauern blicken werden. Oder dann, wenn wir nicht wissen, wie und von wem der riesige Berg öffentlicher Schulden abgetragen werden soll.

Wird der Kauerndorfer Hang halten? An der gewaltigen A70-Baustelle bei Thurnau verdeutlicht sich unsere Fragestellung: Hätte man damals bei der Planung der A 70 die Stimmen ernst genommen, die vor dem Abrutschen des Hanges gewarnt haben, müsste heute nicht für weitere 70 Millionen Euro in einer gewaltigen Baumaßnahme die Trasse verlegt werden.

Der Hang oberhalb der Ortschaft Kauerndorf, der für den Tunnelbau untergraben werden soll, gilt in geologischer Hinsicht ebenfalls als instabil. Was passiert, wenn auch der im Zuge der Baumaßnahme ins Rutschen kommt? Welche Schäden werden die oberhalb oder seitlich neben dem Tunnel gelegenen Wohnhäuser erleiden? Was wird das kosten?

Wird der Tunnel den Verkehrsstau für die Berufspendler vermeiden? Nein, die Bundesstraße könnte sogar zur Autobahn ausgebaut werden; die Rückstaus vor Kulmbach wären die gleichen.

Der Engpass ist nicht die nach Kulmbach führende Straße, sondern die begrenzte Verkehrsaufnahmefähigkeit der Stadt Kulmbach. Die Vielzahl der Fahrzeuge lässt sich einfach nicht in einer halben Stunde Rushhour innerhalb Kulmbachs verteilen.

Lassen sich in der heutigen Zeit eine Bausumme von fast 100 Millionen Euro und jährliche Unterhaltskosten von einer Million Euro noch vertreten? Gibt es nicht Bereiche, in denen das Geld dringender gebraucht wird? Wir alle wollen und müssen Energie einsparen. Können wir z. B. den sicher notwendigen Einbau gewaltiger "stromfressender" Tunnel-Belüftungsanlagen noch verantworten?

Zu viele Probleme sind ungeklärt. Nutzen wir aktiv die uns noch verbleibende Zeit und stellen wir uns endlich ergebnisoffen den kritischen Argumenten.

Franziska Bartels

Neudrossenfeld