Es ist einer der spektakulärsten Aussichtspunkte im Landkreis Bamberg: die südöstliche Hangkante an der Friesener Warte. Von dort aus weitet sich der Blick von den Kalkfelsen der Fränkischen Schweiz über das Regnitztal, die ehrwürdige Bischofsstadt Bamberg, den Steigerwald, das Maintal und die Haßberge. Bei besonders gutem Wetter kann man am westlichen Horizont sogar die Höhenzüge der Rhön ausmachen. Nicht nur bei den unmittelbar benachbarten Hirschaidern ist ihr Hausberg ein beliebtes Naherholungsziel für Wander-, Kletter- und Skitouren, auch Gäste aus nah und fern nutzen den 560 Meter hohen Berg als Ort der Erholung und der sportlichen Aktivitäten. Dabei hat die Friesener Warte viel zu erzählen, denn seit mehr als 2000 Jahren ist sie ein Schauplatz der Geschichte.

Refugium keltischer Siedler

Archäologische Ausgrabungen beweisen es: Auf dem exponierten Bergrücken befand sich in der Spätlatènezeit, also in den ersten beiden vorchristlichen Jahrhunderten, eine keltische Befestigung. Die Bewohner der nahen Siedlung, die in Altendorf nachgewiesen wurde, konnten sich bei drohenden Gefahren auf den Berg zurückziehen, wo sie durch die schroff abfallende Hangkante auf der einen und eine Anlage aus einer rund zwei Meter hohen Pfostenschlitzmauer mit vorgelagertem Graben auf der anderen Seite geschützt waren. Durch ein Zangentor, das gut bewacht werden konnte, gelangten die Siedler und Besucher in ihr Refugium, Angreifer konnten effizient abgewehrt werden. Heute sind von der Befestigung leider nur geringe Reste erhalten, ebenso von einer kleinen frühmittelalterlichen Burganlage. Bei der Anlage des Segelfluggeländes, für das die Warte bis heute weithin bekannt ist, wurden die Reste der historischen Anlagen weitestgehend eingeebnet und zerstört.

Paradies für Luftsportler

1927 gründeten der Nürnberger Max Wimmer und sein Freund Paul Beck, zwei ehemalige Kampfflieger des Ersten Weltkrieges, einen Segelflugsportverein. Auf der Friesener Warte fanden sie ideale Bedingungen für ihr Hobby vor. 1929 unternahmen die Flugsportfreunde die ersten bescheidenen Sprünge mit einem selbstgebauten Schulgleiter. Rückschläge blieben jedoch nicht aus. Am Ostermontag 1933 kam Paul Beck bei einem tragischen Absturz auf der Warte ums Leben.

In der Zeit des Nationalsozialismus diente das Segelfluggelände der vormilitärischen Ausbildung. Bis zu 25 jugendliche Flugschüler nahmen an den Lehrgängen teil, welche die Machthaber auf der Warte durchführten. 1942 wurde eine neue, größere Flugzeughalle errichtet. Zum geplanten Ausbau des Geländes zur Reichssegelflugschule kam es jedoch nicht mehr.

Absturz eines alliierten Bombers

In der Nacht vom 30. auf den 31. März 1944 wurde eine Halifax-Maschine auf dem Weg zum Beschuss Nürnbergs von der deutschen Luftabwehr abgeschossen und zerschellte im Wald auf der Friesener Warte. Fünf der acht Besatzungsmitglieder starben, die drei Überlebenden gerieten in Gefangenschaft. Im Jahr 2010 waren Angehörige der ums Leben gekommenen britischen und kanadischen Soldaten nach Hirschaid gereist, um die Absturzstelle zu besichtigen und mit Zeitzeugen Erinnerungen auszutauschen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ruhte der Segelflugbetrieb auf der Warte für einige Jahre. Erst am 10. Oktober 1950 fanden sich 14 Flugsportfreunde in der Gaststätte Friedel in Hirschaid zusammen, um den Luftsportverein Hirschaid (seit 1961 Luftsportverein Friesener Warte e.V.) aus der Taufe zu heben.

Etwa 500 Meter vom früheren Start- und Landeplatz entfernt, im Südwesten der Warte, legte der junge Verein ein neues Fluggelände an. Heute zählt das Fluggelände auf der Warte zu den schönsten seiner Art in der Region und zieht an sonnigen Tagen und bei Flugfesten zahlreiche Besucher aus nah und fern an.

Skisprungschanze

Seit Beginn der 1950er Jahre tummelten sich in der kalten Jahreszeit verstärkt auch Wintersportler an den Hängen der Warte. Vor allem im Nordosten des Berges, an den so genannten "Kälberer Berg Rangen", waren über viele Jahrzehnte alpine und nordische Skisportler aktiv. Um 1950 errichteten Mitglieder der Ski- und Wanderabteilung des TSV Hirschaid eine hölzerne Sprungschanze, welche an der Stelle einer älteren Anlage entstand und ihrerseits in den 1960er Jahren durch eine stabilere Metallkonstruktion ersetzt wurde.

Um 1960 wurde eine Abfahrtspiste angelegt, die so genannte Quellenabfahrt. 1963 fanden auf Initiative von Sepp Krapp und Hanno Romig die ersten alpinen und nordischen Meisterschaften an der Warte statt, 1970 führte hier erstmals der Kreisjugendring Bamberg-Land seine Skimeisterschaften durch. Die Veranstalter zählten 158 Teilnehmer aus 18 Gemeinden.

Bei späteren Meisterschaften gingen sogar bis zu 381 Teilnehmer an den Start. Aufgrund der zunehmend unsicheren Schneeverhältnisse fanden jedoch seit 1987 keine Skimeisterschaften des KJR mehr statt. Die Sprungschanze ist mittlerweile stillgelegt, wurde aber im Jahr 2016 von Ehrenamtlichen des TSV Hirschaid umfassend renoviert.

Kostbares Gut: Quellwasser

Für die Versorgung der Marktgemeinde Hirschaid mit frischem Trinkwasser ist die Friesener Warte unersetzlich, denn die Hirschaider Einwohner beziehen einen Großteil ihres Wassers aus Quellen an den Hängen des Berges. Davon zeugen das 1931 gebaute Pumpenhäuschen auf dem Elmberg und die seit 1957 schrittweise erweiterten Tiefbrunnen. Alte hölzerne Leitungsrohre, die im Zuge der Dorferneuerung in Seigendorf gefunden wurden, weisen aber darauf hin, dass die Quellen schon wesentlich länger zur Wasserversorgung genutzt wurden.

Die Friesener Warte ist also nicht nur eine weithin sichtbare Landmarke im Regnitztal, sondern ein Berg mit langer Geschichte und großer Bedeutung für die Bewohner seiner Hänge.