Er ist ganz konzentriert beim Erzählen, ernst, in sich gekehrt. Heinz Bauer, der pensionierte Lehrer aus Altdrossenfeld, der sonst immer einen Scherz auf den Lippen hat, hinterlässt diesmal im Gespräch mit der Bayerischen Rundschau über seinen Besuch in der Ukraine Ratlosigkeit und große Sorgen. So hat er "sein" Land, das er seit 30 Jahren von Lwiw bis in den Osten des Donbass und bis hinunter nach Odessa am Schwarzen Meer bereist, nie kennengelernt.

Der 73-Jährige schüttelt immer wieder den Kopf, wenn er die Woche im April im äußersten Westen der Republik Revue passieren lässt. Denn er kennt die Region aus vielen Aufenthalten als ein Stück Heimat mit vielen Künstlern, die er zu umjubelten Auftritten nach Oberfranken brachte. Und nun ist alles anders. Schon die 70 Kilometer Landstraße vom polnischen Grenzübergang bis nach Lwiw schienen ihm irreal: "Ich sah keine Menschen, eine seltsame lähmende Leere füllte die Weite, es war äußerst bedrückend". Und die 700.000-Einwohner-Stadt selbst bot ein ungewohntes Bild. Zwar saßen die Leute in und vor den Cafés, gingen einkaufen vergnügten sich ein wenig, um den Krieg zu vergessen. Aber alles wirkte für ihn wie die Ruhe vor dem Sturm.

"Ich habe Angst, dass die Weltkulturerbe-Stadt untergeht, wenn Putin kein Einsehen hat. Denn ich hörte jeden Tag mehrmals täglich die Alarmsirenen, wenn die Raketen in den Himmel stiegen und die Leute Zuflucht in den Kellern suchten. Schwarz aufsteigender Rauch in der Peripherie kündete die Einschläge an". Sonst viel Gewusel in den Straßen, ein ganzes Heer von Flüchtlingen aus dem Osten der Ukraine,um die man sich fürsorglich kümmert, bevölkert Lwiw. "Überall auf den Wegen stehen Kartons mit Kleidung aus Hilfstransporten. Selbst in der Philharmonie, wo ein Jazzkonzert stattfand, lagen unzählige Hilfspakete für die kämpfenden Soldaten auf den Sitzplätzen, nur von der Empore aus konnte man das Geschehen auf der Bühne verfolgen". Und immer wieder spürte man draußen eine angespannte Atmosphäre vor einer drohenden Bombardierung. Daher sind eine Unmenge von Sandsäcken gelagert, die wertvolle historische Monumente schützen sollen. Bauer ist nicht ohne Geschenke nach Lwiw gekommen, hat im Auto Nahrungsmittel gestapelt und von der Bayreuther Rathaus-Apotheke gespendete Medikamente dabei, darunter vor allem Antidepressiva.

Bewunderung für den Mut

Bauer traf viele Bekannte, darunter den ukrainischen Banduraspieler Roman Antonjuk, "der schon viele Konzerte bei uns in der Region gegeben hat. Und der jetzt das Instrument zur Seite legt und das Gewehr in die Hand nimmt. Ich bewundere den Mut der Ukrainer und bin stolz auf meine Freunde, die in vielfältiger Weise für ihr Land kämpfen und ihr Leben riskieren". Eine klare Meinung vertritt der Ukraine-Kenner zur Denkweise dieses Volkes: "Es wird auf keinen Fall aufgeben und die Russen in Partisanenkämpfe verwickeln."

Schon bald will Heinz Bauer wieder nach Lwiw fahren.