von unserem Mitarbeiter  Yannick Seiler

Bamberg — Etwas magisch wirkt der nette ältere Herr schon, als er seinen Zauberstab, ohne ihn mit einem Finger zu berühren, in seiner Handfläche nach oben steigen lässt. Auch mit 90 Jahren führt Klemens Söldner, der vielen als Zauberer Clementino besser bekannt ist, seine Tricks noch in Perfektion vor und zieht seine Zuschauer in den Bann der Illusion.
Heute feiert er seinen 90. Geburtstag - und blickt zurück auf ein erfülltes Leben.
"So eine Marke hat man nicht jeden Tag vor sich", erklärte er. Was er mit Marke meint, wird dann deutlicher, als er beginnt, über sein Leben zu erzählen. Als einer der letzten Zeitzeugen hat er noch die Weimarer Republik, Naziherrschaft, Krieg, Gefangenschaft, den Wiederaufbau und die Vereinigung Deutschlands miterlebt. Gemeinsam mit seiner Familie eröffnete er das Weinhaus Zeis am Obstmarkt und etablierte es im Stadtbild. Dort brachte er sich auch die Klavierspiele bei, ohne selbst jemals eine Note gelernt zu haben.
Kindern ist Klemens Söldner vor allem als Zauberer Clementino im bunten Zauberumhang bekannt. Bei seinem letzten Auftritt vor zwei Wochen brachte der die Jüngsten der Kindergärten St. Urban und St. Elisabeth zum Staunen.

Berufliche Karriere

Auch beruflich kann Klemens Söldner auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken. Als Volksschüler begann der gelernte Kaufmann und Betriebswirt als Aushilfe und arbeitete sich zum Beamtenanwärter hoch, besuchte eine Verwaltungsakademie und arbeitete selbst als Referent für Verwaltungsvollstreckung an der bayerischen Beamtenfachhochschule und Verwaltungsschule. In dieser Tätigkeit war er nicht nur bis weit über das Rentenalter hinaus tätig, sondern ist auch Autor von Fachbüchern, die bis heute die Grundlage der Lehre künftiger Verwaltungsbeamter sind.
Nach der Wiedervereinigung eröffnete sich ihm eine neue Möglichkeit als Referent in den neuen Bundesländern. So brachte der Oberamtsrat sein Wissen bis zu seinem 80. Lebensjahr angehenden Beamten in Weimar, Dresden, Chemnitz, Erfurt und Bad Blankenburg näher.
40 Jahre arbeitete er bei der Stadt Bamberg und war in letzter Funktion Leiter der Stadtkasse und stellvertretender Landesvorsitzender der bayerischen Kassenverwalter.
Neben seinem Talent als Zauberer, machte er sich als Klavier und Schifferklaviervirtuose, als begnadeter Rock'n'Roll-Tänzer und Straßenmusikant einen Namen in Bamberg.
Auch der heutige Rosenmontagsball geht auf seine Initiative zurück, denn er entwickelte sich aus dem 1951 von ihm gegründeten "Ball der Stadt Bamberg".
Von 1956 bis 1966 betreute er eine Ferienaktion für insgesamt rund 2000 Berliner Stadtkinder und ermöglichte ihnen einen Urlaub auf dem Land. Aber auch der Sport kam in seinem Leben nicht zu kurz. Viele Jahre war er als Judokämpfer aktiv und seine sportlichen Gene erlauben ihm ein nahezu beschwerdefreies Leben auch in seinem hohen Alter. Seit 66 Jahren ist Klemens Söldner CSU-Mitglied und gehört weiteren 21 Vereinen an.
Gemeinsam mit seiner Frau Aja kümmerte er sich ein viertel Jahrhundert um eine Schafherde im Teufelsgraben. Erst kürzlich haben die beiden zwei Lamas in ihrem Stall aufgenommen, nachdem ihr Stall bei St. Josef abgebrannt war.
Bei seiner heutigen Feier wird er sicherlich auch wieder mit seinen zahlreichen Talenten aufwarten. Sein Lieblingslied "Alle Vöglein sind schon da" darf da natürlich nicht fehlen. "Als Clementino muss man ein bisschen verrückt sein - positiv verrückt", sagt er. Anders wäre so ein langes und erfülltes Leben wohl nicht zu erklären.