Wegen vier Betrugsverfahren, die sich alle um ein und dasselbe Fahrzeug drehen, musste sich ein 41-jähriger Mann aus dem Landkreis vor dem Kulmbacher Amtsgericht verantworten. Am Ende schickte ihn Richterin Sieglinde Tettmann für ein Jahr hinter Gitter.

Grund dafür war unter anderem, dass er 15 Eintragungen in seinem Vorstrafenregister hatte, die Betrügereien während einer offenen Bewährung in anderer Sache begangen und dabei eine hohe kriminelle Rückfallgeschwindigkeit an den Tag gelegt hatte.

Hafterfahrung hat der Betreiber eines Hausmeisterservices bereits. Zum einen musste er bereits mehrere Freiheitsstrafen verbüßen, zum anderen wurde er in Fußfesseln aus der Justizvollzugsanstalt vorgeführt, weil gerade eine weitere Ersatzfreiheitsstrafe vollstreckt wird.

Der Angeklagte hatte "unter Vortäuschung seiner Zahlungsfähigkeit und Zahlungswilligkeit", bei einem Privatmann einen BMW für 5000 Euro erworben. Für die Anzahlung von 300 Euro und eine erste Rate von gut 400 Euro reichte es gerade noch, auf den Restbetrag wartet der Verkäufer noch heute.

Im Pfandhaus versetzt

Dann schloss der Angeklagte per Internet eine Haftpflichtversicherung ab, erhielt auch gleich eine vorläufige Deckungszusage, doch konnte er nicht einmal die Erstprämie in Höhe von 450 Euro begleichen.

Doch damit noch lange nicht genug. Vier Wochen später fuhr er mit dem Wagen bei einem Pfandleihhaus in Nürnberg vor, versetzte das Auto, das ihm ja gar nicht gehörte, und mietete es gleichzeitig gegen eine monatliche Gebühr zurück. Auf der Miete in Höhe von knapp 150 Euro pro Monat blieb das Pfandleihhaus mehrere Monate lang sitzen.

Zu allem Überfluss wurde kurz darauf auch noch eine größere Reparatur fällig, weil eine Bremse und ein Radlager erneuert werden mussten und die hintere Achse eine Beschädigung aufwies. Auf die gut 3000 Euro wartet das Autohaus in Naila vergebens.

Allerdings hat das Autohaus das Fahrzeug kurzerhand einkassiert und unter Verschluss gestellt.

In der Hauptverhandlung blieb dem Angeklagten nichts anderes übrig, als alles zuzugeben. Er habe das Auto damals gebraucht, um zur Arbeit zu kommen, erklärte er. So habe er sich einfach nicht anders zu helfen gewusst. Natürlich sei ihm klar gewesen, dass er ein Auto, das ihm gar nicht gehört, nicht so einfach versetzen darf.

"Er hatte angegeben, dass er das Fahrzeug geerbt hat", erinnerte sich der Filialleiter des Nürnberger Autohauses. Im Kaufvertrag habe er versichert, dass ihm das Auto gehört. Der Servicemeister des Nailaer Autohauses gab an, dass Barbezahlung bei Abholung vereinbart gewesen sei. Nun stehe das Auto auf dem Werksgelände und niemand sei dafür zuständig.

"Hätte ich ihn gekannt, dann hätte ich mich nicht auf eine Ratenzahlung eingelassen", sagte der Verkäufer des Wagens, ein 32-jähriger Mechaniker aus Ahornberg.

Der Mann hat inzwischen auch eine Rechtsanwältin eingeschaltet, um vielleicht doch noch an sein Geld zu kommen. Die Chancen dafür stehen schlecht, denn der Angeklagte hatte bereits die eidesstattliche Versicherung abgelegt. Wenn er jetzt seine Gefängnisstrafe absitzt, wird er die offenen Rechnungen kaum begleichen können. Eine mit einem Jahr und zwei Monaten noch höhere Gefängnisstrafe hatte der Vertreter der Staatsanwaltschaft in seinem Plädoyer beantragt. "So viele Vorstrafen, immer wieder neue Straftaten und nicht einmal eine offene Bewährung diente dem Angeklagten als Warnschuss", zeigte sich der Vertreter der Anklagebehörde fassungslos.

Verteidiger Werner Brandl sah dagegen eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten als ausreichend an. Sein Mandant arbeite daran, seine finanziellen Verhältnisse in Ordnung zu bringen und sei jetzt selbstständig tätig, erklärte der Anwalt.

Nicht persönlich bereichert

Richterin Tettmann konnte dem nicht beipflichten. Unter anderem sprächen die vielen Vorstrafen und der hohe Schaden eindeutig dagegen. "Ein Auto, das einem nicht gehört, kann man nicht verkaufen", erläuterte sie noch einmal. Deshalb sei eine Gefängnisstrafe unumgänglich. Dabei hielt sie dem Angeklagten aber auch zugute, dass er sich nicht persönlich bereichern wollte, sondern, dass es ihm lediglich darum ging, über die Runden zu kommen.