Eins stellt Hans-Heinrich Eidt, Jurist, gleich von vornherein klar: Es sei das gute Recht des Freistaats Bayern, Maßnahmen zu ergreifen, um eine Ausbreitung des Corona-Virus verhindern. Aber: Die Verhältnismäßigkeit müsse gewahrt bleiben. Und das sei spätestens seit Freitag, als auch Tennisspielen oder das Training fester Tanzpaare in Hallen verboten wurde, nicht mehr der Fall.

Am Freitag hatte der Freistaat das schon geltende Verbot für Sport in Hallen ausgedehnt. Anlass war ein Urteil des Verwaltungsgerichtshof, dass die Schließung von Fitness-Studios den Gleichheitsgrundsatz verletze, wenn andere Indoor-Sportarten weiterhin möglich seien. Nun geht gar nichts mehr außer Schul- und Profisport. Eidt bezeichnet das in einem Schreiben an den 20. Senat des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs in Ansbach als "kindische Trotzreaktion auf eine berechtigte Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs" und bezeichnet die Maßnahmen als "reine Verwaltungswillkür", die auch "verständige Bürger zum zivilen Ungehorsam veranlassen werden".

Dieses Schreiben sandte Eidt am Samstag ab, nachdem die fragliche Entscheidung der Staatsregierung veröffentlicht worden war. Seine eigentliche Klage hatte Eidt aber schon zuvor eingereicht: Er will die Erlaubnis, dass bis zu sieben Reiter gleichzeitig die Halle der Reitgemeinschaft bei Schloss Rosenau nutzen können.

Anfang November hatte Eidt versucht, den Reitbetrieb in der Halle vom Landratsamt genehmigen zu lassen. Sah das Landratsamt zunächst noch die Möglichkeit, dass Reitunterricht in der Halle stattfinden könne, musste es sich am 3. November korrigieren: Reitunterricht sei nur alleine, zu zweit oder mit den Angehörigen eines Hausstandes möglich.

Eidt wandte sich daraufhin ans Verwaltungsgericht Bayreuth, um eine einstweilige Anordnung zu erreichen, dass bis zu sieben Reiter in die Halle dürfen. Das Gericht erklärte sich jedoch für nicht zuständig: Letztlich gehe das Verbot vom Freistaat aus, also müsse sich Eidt an den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof wenden.

Eidt argumentiert in seinem Antrag an den Verwaltungsgerichtshof, dass Grundrechte nur dann eingeschränkt werden dürfen, wenn es zwingend erforderlich ist, zum Beispiel für Gesundheit und Wohlfahrt. Das Hygienekonzept und die weiteren Regelungen der Reitsportvereinigung würden dem Gesundheitsschutz Rechnung tragen. Bei sieben Reitern auf 1400 Quadratmetern bestehe kaum eine Ansteckungsgefahr; außerdem sei die Halle belüftet, schreibt Eidt. Abgesehen davon, so Eidt, habe die Reitgemeinschaft ein sehr strenges Hygienekonzept im Stall etabliert, weil eines der Pferde Druse gehabt habe, eine hoch ansteckende bakterielle Infektion. Dieses Konzept mit Desinfektionswannen und Maskenpflicht im Stall behalte man immer noch bei, bis auf die Ganzkörper-Schutzausrüstung bei der Pferdepflege. Außerdem seien alle Gemeinschaftsräume und die Tribüne der Reithalle gesperrt.

Angesichts dessen sei die Beschränkung der Reithallennutzung auf höchstens zwei Personen "unangemessen". Auch sei das Tierwohl nicht gewährleistet: In den Ställen der Reitvereinigung stehen 46 Pferde. Die müssten bei schlechtem Wetter in der Halle bewegt, das heißt trainiert werden können, schreibt Eidt.

Rückendeckung erhält der Jurist, der für die FDP im Coburger Stadtrat sitzt, vom FDP-Kreisvorsitzenden Michael Zimmermann, ebenfalls Stadtratsmitglied: "Wenn zwei Spieler in einer riesigen Tennishalle unter Wahrung der Hygienerichtlinien Tennis spielen kann ich beim besten Willen keine Infektionsgefahr erkennen. Ich sehe dies ebenfalls als staatliche Willkür an", schreibt der Mediziner.