Das ehrenamtliche Engagement bei der Diakonie Kulmbach, etwa in der Aktion "Zeit haben" oder bei den Schlaganfallhelfern, ist vielfältig

und erfüllend. Dass das Ehrenamt auch in Zeiten der Corona-Krise funktioniert und sich offene Menschen mit und ohne Vorkenntnisse einbringen können, zeigt das Beispiel der Offenen Behindertenarbeit.

"Ehrenamt ist nicht Arbeit, die nicht bezahlt wird, sondern Arbeit die nicht bezahlt werden kann." Diese Worte könnten auch von Pia Schmidt, Leiterin der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit (Kasa) der Diakonie, stammen. Sie organisiert auch die circa 50 ehrenamtlich tätigen Frauen und Männer in vielen verschiedenen Projekten. "Ohne sie würde es nicht funktionieren. Als hauptamtliche Kraft könnte man diese Aktionen gar nicht abdecken."

Wegen des derzeit wachsenden Infektionsgeschehen müssten sich viele Kontakte derzeit wieder auf das Telefon beschränken. "Aber das umso mehr! Gerade in solchen Zeiten sind Aufmerksamkeit und Unterstützung wichtiger denn je", weiß Pia Schmidt, die stetig auf der Suche nach neuen Ehrenamtlichen ist.

Vielfalt gefragt

Im Rahmen des ehrenamtlichen Besuchsdienstes "Zeit haben" hat Gerhard Herold aus Kulmbach etwa acht Jahre lang regelmäßig einen älteren Mann besucht. Einmal in der Woche kam der pensionierte Pfarrer zu dem zuletzt 90-Jährigen nach Hause, führte viele Gespräche mit ihm oder las ihm vor. Dabei verständigten sie sich auch über gemeinsame Interessen - in diesem Fall: die klassische Musik.

Von Berufswegen war Herold Besuche von Senioren gewohnt, die sich jedoch oft abwechselten, berichtet er. In seiner neuen Aufgabe war eine größere Vielfalt gefragt. "Ich habe mich auf die Gespräche vorbereitet, das war eine Herausforderung", erzählt der pensionierte Pfarrer. Im Frühjahr ist der Mann verstorben. Gerhard Herold war bei der Trauerfeier zugegen. "Es geht darum, sich um jemanden zu kümmern - auch, wenn es nur kurz ist. Das kann sehr wertvoll sein." Er selbst habe auch viel gelernt in dieser Zeit. "Als Pfarrer im Ruhestand wollte ich noch eine Kleinigkeit machen", blickt

Herold zurück. Zwar könne er sich auch eine ehrenamtliche Arbeit mit Kindern vorstellen, als Kontrast sozusagen, nur organisieren möchte er während seiner Tätigkeit nichts.

Die insgesamt zwölf Ehrenamtlichen im Projekt "Zeit haben" sind zumeist Frauen, doch finden sich auch einige Männer unter ihnen. Einmal im Monat tauschen sie sich normalerweise bei einem Treffen über ihre Erfahrungen aus. Derzeit hält Pia Schmitt den Kontakt corona-bedingt über Telefongespräche.

Eine spezifischere Unterstützung bieten die Schlaganfallhelfer der Diakonie. Sie geben Hilfen im Alltag und tragen zur Entlastung der Angehörigen bei. Viele von ihnen besitzen eigene oder nahe Erfahrungen mit einem Schlaganfall-Patienten, so auch Gisela und Josef Günther. Vor circa zwei Jahren erlitt der Mann im Urlaub einen Schlaganfall, erholte sich bis heute jedoch relativ gut, nur kleine Einschränkungen blieben. Gisela Günther hat sich damals mit ihren Fragen zunächst alleine gefühlt: Wie soll es weitergehen? Wer hilft mir? Wen kann ich fragen? Im Bekanntenkreis hatte niemand Erfahrung, da hätte sie sich eine Gruppe wie heute gewünscht. "Die Patienten werden zum Glück meist in den Kliniken und auf Reha gut betreut, aber für die Angehörigen müsste man mehr machen."

Im Frühjahr 2019 hat das Ehepaar Günther deshalb den Kurs zum Schlaganfallhelfer bei der Diakonie absolviert. In diesem wurden nicht nur das Grundwissen, die Prävention und die Rettungskette rund um einen Schlaganfall behandelt, sondern vor allem auch Themen wie Sozialrecht, Rehabilitation, Nachsorge und psychische Aspekte besprochen.

"Auch die Gesprächsführung und Kommunikation bei Betroffenen und Angehörigen ist wichtig", weiß das Ehepaar. "Oft ist die Angst vor einem Gespräch größer als das Gespräch selbst", weiß Josef Günther. Interessierte sollten soziales Engagement mitbringen und die Fähigkeit, auf Menschen zuzugehen. "Dafür hat man die Kasa im Rücken, die immer ein offenes Ohr für einen hat, und die einen Raum zum gemeinsamen Austausch bietet", lobt Josef Günther. Auch die zwölf Schlaganfallhelfer pflegen untereinander einen engen Kontakt.

Ersatz für die Großfamilie

"Ehrenamt ist heute wichtiger denn ja, weil es keine klassischen Großfamilien mehr gibt, in denen man sich hilft und austauscht", weiß Pia Schmidt. Interessierte könnten sich gerne bei ihr unter Telefon 09221/ 60577-73 melden.

Derzeit sucht auch die Offene Behindertenarbeit der Diakonie Kulmbach nach ehrenamtlichen

Helfern. Ob beim Bowling, Wandern oder Basteln in der Gruppe mit erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung - oder in der Einzelbetreuung im Rahmen einer Alpakawanderung, eines Stadtbummels oder eines Museumsbesuchs.

Weitere Informationen hierzu gibt es online unter www.diakonie-kulmbach.de. red