Die kritische Bilanz der Umsetzung des Volksbegehrens zur Artenvielfalt war das Thema der Jahreshauptversammlung des Bundes Naturschutz Bamberg. Diese fand im Bootshaus im Hain statt.

Auf einen Vortrag von Marion Ruppaner, der Landwirtschaftsreferentin des Bundes Naturschutz Bayern, folgte die Ehrung langjähriger Mitglieder, der Jahresbericht des Vorstands sowie die Verleihung des Bamberger Naturschutzpreises.

Corona verdrängt Klimadebatte

In seinem Grußwort an die Versammlung bedauerte Bambergs Zweiter Bürgermeister Jonas Glüsenkamp (Grüne), dass die Corona-Pandemie zwischen die zuvor noch hitzig gelieferten Klimadebatten gekommen sei.

Es sei wichtig, alle vorhandenen Krisen ernst zu nehmen, und hierbei sei der Naturschutz ebenfalls ein zentrales Thema. "Ich hoffe, dass die gleiche Energie, mit der momentan der Kampf gegen das Virus geführt wird, eingesetzt wird, um einen Kipppunkt in Sachen Klimaschutz zu bewirken. Jetzt kommt die Zeit derjenigen, die bereits seit langem hinter diesen Themen stehen", sagte Glüsenkamp.

Er wolle Mut machen, weiter laut für diese Ziele einzutreten und sich trotz Pandemie einzubringen. Denn Politik könne nur so handlungsfähig sein, wie Unterstützung vonseiten der Gesellschaft komme.

Besonders hervorgehoben wurde an diesem Abend das Engagement der Projektgruppe "Insektenfreundliches Litzendorf", in der hauptsächlich Mitglieder des Bundes Naturschutz aktiv sind. Martin Bücker, Vorsitzender des Bundes Naturschutz Bamberg, verlieh ihr den Bamberger Naturschutzpreis. Diese mit 500 Euro dotierte Auszeichnung wurde bereits zum vierzehnten Mal vergeben.

Vor zwei Jahren gegründet, setzt sich die Gruppe seither eifrig dafür ein, dass mehr naturnahe Flächen im Ort angelegt werden. Stolz erzählen die Mitglieder von ihrer Entschlossenheit, mit der sie in der Gemeinde vorgehen. So haben sie unter anderem erreicht, dass öffentliche Flächen später und seltener gemäht werden. Zusätzlich macht sich die Ortsgruppe für das Pflanzen von Obstbäumen stark und bietet dafür auch Patenschaften an.

Dies alles geschieht natürlich zum Schutz von Insekten, die von vielfältigen blühenden Wiesen abhängig sind. "Über solch aktive Bürger, die mit unzähligen Stunden ehrenamtlicher Arbeit zum Erhalt von natürlichen Lebensräumen beitragen, müsste jede Gemeinde glücklich sein", würdigte Martin Bücker das Engagement der Projektgruppe.

Wie relevant ein derartiger Einsatz für die Bewahrung unserer Umwelt ist, wird im Vortrag von Marion Ruppaner, der Ansprechpartnerin für Landwirtschaft des Bundes Naturschutz Bayern, klar. In ihrem Referat zur bisherigen Umsetzung des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" stellte sie Erfolge wie auch erhebliche Defizite fest.

Gezielte Umsetzung fehlt

So sei der neue Gesetzestext zum Schutz von Dauergrünland zwar akzeptabel, allerdings fehle es an einer gezielten Kontrolle der Umsetzung. "Ein großes Potenzial sehe ich in der Landschaftspflege. Sie kann viel zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen und bietet gleichzeitig ein sicheres Zusatzeinkommen für Landwirte", so Ruppaner.

Ein wichtiger Knackpunkt bei der Umsetzung des Volksbegehrens sei das Ziel, den Anteil der Biolandwirtschaft auf bayernweit 30 Prozent zu heben. Es gebe aktuell viele Landwirte, die bereit sind, umzustellen und auch bei der Förderung schaue es gut aus. Leider steige die Nachfrage aufseiten der Konsumenten nicht im gleichen Maß.

Ruppaner appellierte, wann immer möglich Biolebensmittel zu kaufen und auch im Familien- und Freundeskreis dazu zu animieren. "Eine wichtige Vorbildfunktion haben hier öffentliche Einrichtungen. Kantinen, Krankenhausküchen, Schul- oder Kitaverpflegung. Hier sind auch die Kommunen gefragt" wandte sich die Referentin direkt an Bambergs grünen Bürgermeister. Im privaten Bereich sei bei vielen Bürgern bereits ein Wandel sichtbar. Viele denken zum Beispiel darüber nach, im eigenen Garten weniger zu mähen und Blumenwiesen statt Rasen anzulegen. Es sei aber wichtig, weiter kontinuierlich Aufklärung zu schaffen.

Dass der Bund Naturschutz Bamberg sehr aktiv ist, wurde beim Jahresbericht deutlich, den der Zweite Vorsitzende Erich Spranger vorstellte. "Ob das Projekt ,Vom Acker auf den Teller', die Artenkenner-Seminare, der Einsatz für die Ausweisung des Naturschutzgebietes auf dem Sonderlandeplatz Breitenau oder für den Nationalpark Steigerwald. Unser Engagement ist breit aufgestellt, um die Artenvielfalt und die natürlichen Lebensgrundlagen in unserer Region zu erhalten", fasste er zusammen. Julia Deininger