Dem Trainer der HSG Wetzlar, Kai Wandschneider, nervt die derzeitige Lage: "Ich glaube, wir können im Augenblick alle mit dem Kopf nicht voll bei der Sache sein. Wir alle sind Väter, Kinder, Ehemänner, das Coronavirus ist einfach nicht auszublenden. Es hat alles verändert."

Er denkt mit Graus an sein erstes Geisterspiel gegen Melsungen: "Das war furchtbar. An diese Situation muss man sich erst gewöhnen. Außerdem zittert man nun doppelt, wenn die Nationalspieler auf Reisen waren. Sonst hoffte man, dass sie unverletzt zurückkommen, jetzt kommt noch das Virus hinzu."

Bei ihm kann Torwart Till Klimpke derzeit nicht mittrainieren. Nach dem positiven Corona-Fall im Kreise der Nationalmannschaft (Torwart-Partner Johannes Bitter aus Stuttgart) wurde Klimpke bereits einmal negativ getestet, am Mittwoch folgt ein zweiter Test, der dann am Donnerstag darüber entscheidet, ob er gegen den HSC mitwirken darf.

"Aufgrund des Zuschauerverbotes ist es egal, ob du gegen Balingen oder Barcelona, Kiel oder Coburg spielst. Es ist gut, dass wir präsent sind und spielen können, aber die Fans und die Stimmung fehlen, sogar wenn man auswärts spielt". Sportlich sieht er sein Team mit 6:6 Punkten absolut im Soll: "Aufgrund des schweren Auftaktprogramms hatten wir auch schon mit 0:12 Punkten gerechnet, bestenfalls mit 3:9, weil wir immer Außenseiter waren. Gegen Coburg sind wir Favorit und müssen die Rolle annehmen."

Respekt hat er aber vor dem HSC: "Sie sind besser aufgestellt als vor vier Jahren. Da merkt man die Handschrift von Jan Gorr. Erst als Trainer mit unglaublichen taktischen Variabilitäten und jetzt als Geschäftsführer. Und mit "Loisel", der in Wetzlar mein Spieler war, hat er den richtigen Mann." Wandschneider ist es auch nicht entgangen, dass "Coburg nur gegen Flensburg chancenlos war. Hannover stand am Rande einer Niederlage, auch Magdeburg. Ärgerlich war für Coburg der Spielverlust gegen Nordhorn. Doch das kenne ich. Da lastet ein gehöriger Druck auf der Mannschaft, weil das eben Punkte sind, die eingeplant waren."

Hinsichtlich seiner Zukunft macht er sich Gedanken: "Die Corona-Zeit macht es nicht einfacher, weil kein Verein Planungssicherheit hat. Ich lasse es auf mich zukommen. Alles ist möglich, auch ein Engagement im Ausland. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, ein Jahr zu pausieren, mich weiterzubilden und dann durchzustarten." rbi