Die pastorale Neuordnung gleicht einer kirchlichen Gebietsreform mit dem Ziel, größere Verwaltungseinheiten zu bilden. Sicher ein Schritt, den dringend erforderlichen Reformprozess der Kirche voranzubringen. Doch wichtiger, als die Fläche, die Gemeinden und die Verantwortlichkeiten neu aufzuteilen, ist es, die Menschen mitzunehmen. Einen Ansatz dazu leistet das Programm "Gemeinsam Kirche sein - Pastoral der Zukunft", indem es Dekanatsräte und Seelsorgekonferenzen einbezog und sich deren Segen holte.

Doch die Zustimmung war bis zuletzt mit Vorbehalten befrachtet. Wesentliche Fragen sind ungeklärt, auch wenn jetzt die geografische Karte des Bistums neu eingeteilt wird.

Was geschieht mit den bisherigen Dekanaten? Bleibt nicht der Priestermangel ein wesentliches Problem, vor allem in den für Neuanstellungen weniger beliebten ländlichen Randzonen des Bistums? Wie lässt sich das Machtbewusstsein mancher Vertreter der Geistlichkeit mit dem Bild eines kompromissbereiten Teamplayers vereinbaren? "Gemeinsam Kirche sein", lautet der Appell. Wäre nicht mehr als die Flurneuordnung der innere Ruck gefragt, der Laienarbeit und Frauen in der Kirche endlich die verdiente Anerkennung ermöglicht? Warum nicht Pfründe abschaffen und beispielsweise die profanen Aufgaben in der Pfarrei zeitgemäß weltlichen Verwaltungsfachleuten anvertrauen?

Die größte Herausforderung steht auch nach fünf Programm-Jahren aus: die Katholiken im Bistum davon zu überzeugen, dass es nicht bei administrativer Neuordnung bleibt. Es wird darum gehen, die neue Struktur auch mit Leben zu erfüllen. Kirchenaustritte sind jeweils Individualentscheidungen, und doch geht in der Masse "Gemeinde" verloren. Etliche Pfarreiengemeinschaften beweisen, dass die Menschen bereit sind, christliches Miteinander, Gemeinschaftsgefühl und Nachbarschaftshilfe auch jenseits der eigenen Pfarrei zu praktizieren.

Kirchturm-Denken muss von Scheuklappen befreit werden - auf allen Ebenen.

e.kiesewetter@infranken.de