Zum FT-Artikel "Eberns Problem sind die Flächen" vom Mittwoch, 20. Juni:

Dem Zeitungsbeitrag liegt augenscheinlich eine von Herrn Hennemann verfasste, bzw. in Auftrag gegebene, Pressemitteilung zugrunde. Unser Erster Bürgermeister unterscheidet hier zwischen Gewerbegebieten, die der Stadt Ebern gehören und solchen in Privatbesitz. Bei den Formulierungen klingt mit, dass Gewerbegebiete im Eigentum der Stadt "wertvoller" seien, weil die Stadt bei Anfrage "schnell reagieren kann und ausgewiesene Flächen auch verkauft werden können".
Eine solche Sicht der Dinge und Herangehensweise erstaunt, da es bei seinem Vorgänger, Altbürgermeister Robert Herrmann, keine derart eigentumsgebundene Unterscheidung in der Stadtverwaltung gab. Bei Anfragen von Unternehmern nach Gewerbeflächen verwiesen Herrmann bzw. die Verwaltung früher zunächst auf eine Liste von Privateigentümern mit der Bitte, dort nachzufragen.
Ich bin selbst Eigentümer von Gewerbeflächen (auch für größere Ansiedlungen) und kenne einige Eberner, die solche Flächen besitzen und grundsätzlich gerne verkaufen würden. Es ist wirklich überraschend, wenn behauptet wird, ein Privatmann würde grundsätzlich langsamer als eine Kommune auf Anfragen reagieren und hätte in der Praxis mehr Probleme, diesbezüglich eine Verkaufsentscheidung zu treffen.
Das Gegenteil ist - wie zumeist in der freien Wirtschaft - der Fall: Die Entscheidungswege sind kurz, ein Anruf genügt und man kann verhandeln.
Die Formulierung betreffend das Gewerbegebiet Eyrichshof - "weitere Flächen sind in Privatbesitz" - führt den Leser zu der Schlussfolgerung, dass diese Flächen für Investoren nicht verfügbar seien. Dies ist, gelinde gesagt, Blödsinn. Vorschlag: Telefonhörer in die Hand nehmen und beim Eigentümer anrufen.
Tatsächlich sind private Eigentümer von erschlossenen Baugrundstücken für Gewerbe deutlich motivierter, diese auch wieder zu veräußern, haben sie doch einen erheblichen Teil der städtischen Gewerbeflächen privat im Voraus finanziert.
Kommt es nachfolgend zu keinen Verkäufen, tut dies im Ergebnis sehr weh.
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die erlittene Niederlage bei der Ansiedelung des angeblich "wertvollen" "Trink-Wurst"-Herstellers in der Kaserne zu verbalem Aktionismus in Form der Pressemitteilung zum Thema Gewerbegrundstücke geführt hat. Es geht aber um ein grundsätzliches Problem. Je mehr man sich mit der Thematik befasst, umso mehr taucht eine Frage auf: Hat unser Bürgermeister ein prinzipielles, persönliches Problem mit Baugrundstücken in privater Hand?
Zum Vorschlag von Herrn Hennemann: Warum soll ein Aufkauf von privaten Flächen durch die Stadt als "Zwischenhändler" nötig sein, um sie dann an einen Investor weiter zu verkaufen? Möchte die Stadt hier als "Investor" auftreten?
Mein Vorschlag geht dahin, die vorhandenen Gewerbegebiete, auch dann, wenn sie sich - oh je - in privater Hand befinden, vollständig zu nutzen.
Wozu sind Gewerbegebiete einmal ausgewiesen und mit sehr viel städtischem und privatem Geld erschlossen worden? Sollen wir für neue Arbeitsplätze mehr Natur als notwendig aufgeben, und sollen wir abgesegnete Bauplanungen aufgeben?
Dem Bürgermeister ist zugute zu halten, dass durchaus Fälle bekannt sind, wo Privateigentümer bei Vorgesprächen nicht hilfreich waren, weil sie entweder deutlich überhöhte, nicht marktgerechte Preise aufrufen, oder sich passiv verhalten haben.
Für ein Stadtoberhaupt und uns Eberner sollte ein Ziel im Vordergrund stehen: neues Gewerbe bei uns anzusiedeln, um neue, wertvolle Arbeitsplätze zu schaffen, unabhängig, wer Grundstückseigentümer ist.
Was können wir verbessern? Die Stadtverwaltung sollte versuchen, ein "aktives Flächenmanagement" zu den verfügbaren Gewerbeflächen aufzubauen und zu pflegen. Bei Anfragen durch einen Interessenten würde sie als Koordinator agieren, wie das in der Vergangenheit immer wieder geschah.
Allerdings sollte man versuchen, die Internetpräsenz auf der Seite www.ebern.dediesbezüglich zu verbessern, so dass Informationen über verfügbare Gewerbegebiete, freie Flächen, digitale Karten und Kontakte der Eigentümer digital, per E-Mail u.a. sofort verfügbar sind.
Ziel sollte sein, eine aktive Kommunikation zwischen Interessent, Stadtverwaltung und Grundstückseigentümer herzustellen und zu pflegen.

Hermann Freiherr von Rotenhan
Ebern-Eyrichshof