Der Umgangston war zeitweise harsch, anonyme Drohanrufe sind keine Art und manche Spitze hätte man sich sparen können. Aber die Emotionen kochten eben hoch in der Auseinandersetzung um das Hochregallager bei Eyrichshof. Dabei ging es nie um ein Pro oder Contra Firma Uniwell und leistungsstarkes Gewerbe. Fraglich war vielmehr, welchen Preis man für deren Entwicklung zu zahlen bereit ist. Eine Güterabwägung, die vor der eigenen Haustür natürlich dramatischer wirkt, als drei Kilometer entfernt in Unterpreppach oder Fierst. Die Wahlbeteiligung und die Ergebnisse der einzelnen Wahllokale bestätigen dies.

Jetzt heißt es zur Tagesordnung überzugehen; das Ergebnis ist eindeutig: Die Mehrheit der Bürger steht hinter dem Beschluss des Stadtrates; das Gewerbegebiet wird um ein Bauprojekt von in Ebern bislang nicht gekannter Größe wachsen, die Eyrichshöfer müssen die optische Einschränkung und eine Verkehrszunahme in Kauf nehmen. Die Bürgerinitiative, ganz fairer Verlierer, hat dies ohne Wenn und Aber anerkannt.

Festzustellen bleibt aber auch: Ebern beweist Streitkultur, immerhin war es der erste Bürgerentscheid überhaupt in der Stadt. Die Ansage lautet: "Wir lassen uns nicht alles bieten, sind gegebenenfalls zu heftigem Widerstand bereit, um unsere Interessen durchzusetzen." Ähnlich verhielt es sich vor eineinhalb Jahren, als es um den Standort eines Produktionsbetriebs für "Fleisch in Flaschen" (das Projekt ist übrigens inzwischen komplett gestorben) auf dem Kasernengelände ging. Gut, dass die Bürger damals Einhalt geboten.

Beide Fälle stehen für gelebte Demokratie und für Bürgerengagement, das sich alle merken sollten. Erst recht die politisch Verantwortlichen. Diese ihrerseits sind nicht irgendeiner Willkür oder rücksichtslosem Machtstreben gefolgt, sondern der Überzeugung, der Stadt und ihrer Zukunft Gutes zu tun. Sie hätten sich angreifbar gemacht, wenn sie nicht ihrem Gewissen, sondern lautstarker Kritik gefolgt wären. So gehört es jetzt auch dazu, weder die Vertreter der Bürgerinitiative als Querulanten und Miesmacher abzutun, noch die Befürworter des Projektes in Stadtrat und Verwaltung als rigorose Durchpeitscher zu stempeln. Alle haben ihre Überzeugung vertreten und zuletzt hat Volkes Mehrheit entschieden. Grund, sich die Hände zu reichen.

Das Hochregallager wird eines Tages zum Stadtbild gehören, wie das Verwaltungsgebäude, der Grauturm, das LMV-Gebäude von FTE/Valeo, die Kaserne, das Gymnasium oder der Neubau der Landesbaudirektion. Wandel gehört dazu. Ebern beweist Offenheit für Neues und der Bürgerentscheid signalisiert nach außen: Gewerbebetriebe sind hier willkommen.

e.kiesewetter@infranken.de