von unserem Redaktionsmitglied 
Andreas Lösch

Ebern — Dass im Internet gerne mal die verbale Keule rausgeholt wird, ist im Grunde genommen nichts Ungewöhnliches. Aber das rechtfertigt in den Augen von Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) noch lange nicht diese Praxis. "Namenlos kommentieren? Das halte ich für einen Witz hoch drei", sagt der 50-Jährige.
Weil in Ebern ab September bis zu 70 Asylbewerber auf dem Gelände der ehemaligen Bundeswehrkaserne aufgenommen werden sollen, gab es verschiedene Reaktionen auf die Berichte im Netz. Auf dem Internetportal des Fränkischen Tags unter www.infranken.de finden sich Kommentare wie "Ich habe keinen Bock, dass weiter ungebremst mittelalterliche Weltanschauungen im großen Stil nach Deutschland importiert werden" oder "Da ist wieder eine Einrichtung, die uns die Kreisstadt ans Bein gebunden hat". Sie zeugen zum Teil von einer großen Angst der Kommentierenden vor dem Ungewissen oder aber auch von banaler Unwissenheit. Dass die Kreisstadt den Ebernern ein Asylbewerberheim "ans Bein gebunden hat", ist Unfug: "Die Stadt Ebern hat aus humanitären Gründen gesagt: Wir haben ein Gelände. Und dieses haben wir dann angeboten", sagt Hennemann. Noch dazu hat die Kreisstadt Haßfurt damit nichts zu tun, sondern der Freistaat Bayern: Er nämlich ist zuständig für die Asyl-Politik. Die Stadt Ebern hat das als Unterkunft vorgesehene Haus auf dem Kasernengelände hergerichtet und auf fünf Jahre an den Freistaat vermietet. Die Investitionskosten sind laut Hennemann durch die Miete mit abgedeckt.
Wenn der Bürgermeister die Kommentare im Internet liest, kritisiert er vor allem die Feigheit, die hinter all den Vorwürfen steckt. "Dieses Anonyme stößt mir auf. Dann lieber von Angesicht zu Angesicht." Dazu wäre er auch bereit: Eine Diskussion mit den Menschen zu führen, die Bedenken gegen das Asylbewerberheim haben. Wobei er glaubt, dass die meisten Eberner offen eingestellt sind gegenüber der Einrichtung. Auch im Internet finde man schließlich Kommentare, die der vorurteilbehafteten Darstellung widersprechen.

Schrittweiser Bezug

Freilich, konkret kann er auch nicht sagen, was genau die Stadt Ebern erwartet. "Das Problem ist, wir wissen noch nicht, wann wer kommt." Allerdings findet er Voreingenommenheit fehl am Platz. Die 70 Asylbewerber werden schrittweise einziehen, also nicht alle auf einmal kommen. Und er fordert, ihnen so viel Unterstützung wie möglich zu geben. "Wir müssen weltoffen und hilfsbereit gegenüber Menschen sein, die in einer schwierigen Situation sind, die vor Krieg und Tod flüchten. Wir haben auch eine moralische Verpflichtung. Das sind keine Wirtschaftsflüchtlinge", betont der Bürgermeister.
Privat will sich Hennemann deswegen im Asylbewerber-Hilfskreis der Volkshochschule (vhs) engagieren, den Franz Josef Zeheter leitet. Der 68-Jährige Eberner will erreichen, dass die Asylbewerber eine echte Chance bekommen. "Es geht nicht darum, etwas zu spenden. Wir brauchen eine Willkommenskultur", sagt er. Dass nicht immer alles rund laufen wird, ist ihm bewusst, "weil eine Massenunterkunft Probleme mit sich bringt." Es komme dann auf die Zusammensetzung der Bewohner an.
Der Hilfskreis will zur Stelle sein, wenn die Asylbewerber Unterstützung brauchen. Deswegen sucht der Hilfskreis engen Kontakt etwa zur Caritas (Kreisverband Haßberge), die für die Sozialarbeit in dem Asylbewerberheim zuständig ist.