Am Mittwoch fanden sich die Mitglieder des Umwelt- und Bauausschusses der Stadt Ebern zur Sitzung zusammen. Der wohl von allen am meisten mit Spannung erwartete Beschluss betraf den bisherigen Gasthof "Post" in Ebern. Viele Eberner können sich schwer vorstellen, dass es dieses Gebäude bald nicht mehr geben wird. Hintergrund ist, dass die Landesbaudirektion Bayern dort ein neues Domizil bekommen soll.

Öffentliche Auslegung

Die Öffentlichkeit hatte im Zeitraum vom 6. Juni bis 10. Juli die Möglichkeit, ihre Stellungnahme abzugeben. Obwohl das Thema "Gasthof Post" in Ebern und in den digitalen Medien stets heiß diskutiert wurde, kam nur eine einzige Stellungnahme.

Ein Privatmann aus Ebern schrieb in seiner Stellungnahme: "Wie in der textlichen Festsetzung geschrieben wurde, sollte im stadtbildprägenden Bereich ... sich die Fassaden- und Dachgestaltung der Gebäude an der Umgebungsbebauung orientieren. Jedoch wurde im Planentwurf hierfür kein Bereich definiert. Da für den gesamten Bereich des zu ändernden Bebauungsplans keine Vorgaben hinsichtlich Dachform, Dachneigung und Eindeckung sowie Fensterformen (fränkisches Format) und sonstiger Fassadengestaltung gemacht wurden und in oben zitiertem Auszug nur eine ,Sollte'-Regelung verwendet wurde, wird sich kaum ein Architekt verpflichtet fühlen, sich daran zu halten", argumentiert er. Kurz nach der Angerbach-Brücke in der Kapellenstraße werde jedem, der umbauen oder renovieren will, Fensterformat und Aufteilung, Dach, Fassadengestaltung etc. durch die Altstadtsatzung bis ins Kleinste vorgegeben. Weiter heißt es in der Stellungnahme: "Meiner Meinung nach müssen hier zumindest für den Bereich des ehemaligen Gasthofs ,Post' genauere Vorgaben gemacht werden, um einen Stahl-, Glas-, Beton-,Verwaltungskubus' an der Fassadenfront Richtung Bahnhofstraße und Kapellenstraße zu verhindern." Zusammen mit der gegenüberliegenden denkmalgeschützten Jugendstilvilla gehöre der Gasthof ,Post' noch zum historischen Eberner Stadtensemble. Deshalb sollte ein möglicher Neubau in Form und Kubatur dem Bestand angepasst werden, fordert der Einwender. "Konkrete Gestaltungsvorgaben seitens der Stadt sollten zum jetzigen Zeitpunkt festgelegt werden, da in einem späteren Architektenwettbewerb seitens der Stadt wenig Einflussnahme möglich ist." Soweit die Stellungnahme des Privatmanns.

Stellungnahme zu Stellungnahme

Der Bau- und Umweltausschuss des Stadtrates Ebern nahm hierzu wie folgt Stellung: "Es wird festgestellt, dass bereits im bestehenden Bauleitplan in der Fassung der vierten Änderung zur Dachform keine Festsetzung formuliert ist. Unter Würdigung aller Umstände und der nachfolgend beschriebenen beteiligten Fachbehörden am Staatlichen Bauamt wird daher festgestellt, dass sich im Bereich der Bahnhofstraße/Coburger Straße kein einheitlich homogenes Stadtbild abzeichnet. Der städtebauliche Umgriff des Plangebietes ist geprägt durch eine heterogene Sammlung unterschiedlicher gebäudlicher Entstehungszeiten in guter und weniger guter baulich umgesetzter Qualität. Dachformen wie auch Gebäudehöhen weisen ein sehr differenziertes Bild auf. Die vorhandene Bebauung bildet daher keine verbindliche Rechtssicherheit ab. Gestaltungsvarianten sind differenziert zu betrachten und bleiben der subjektiven Meinung eines jeden Betrachters und seiner Vorstellung vorbehalten. Aus diesem Grund schlägt die Verwaltung vor, Vorschriften zur Gestaltung nicht detailliert weiter zu verfolgen. Man hat sich daher bewusst dazu entschieden, nicht in allen Bereichen regulativ zu planen, sondern der Vielfalt der nachhaltigen baulichen Möglichkeit neuen Gestaltungsraum zu verleihen und außerdem der architektonischen Vielfalt Gehör zu verschaffen ... Auf Gestaltungsvorgaben wird daher verzichtet.

Nach aktualisierten Aussagen der staatlichen Behörden werde es wohl nicht zu einem Architektenwettbewerb kommen. Stattdessen soll ein Verfahren mit Leistungsbeschreibung und Leistungsprogramm gewählt werden. Dazu werde ein Verfahren nach Vergabeverordnung (VGV) zur Auswahl eines Architekten für den Vorentwurf durchgeführt. Die Stadt Ebern werde an dem jeweiligen Vergabeverfahren beteiligt und könne somit ihre Belange einbringen. Ohne Diskussion und einstimmig billigte der Bauausschuss diese Vorgehensweise der Stadt.

Eine Anfrage gab es in der Sitzung des städtischen Gremiums zum Artenschutz. Denn an dem Gasthof befinden sich zahlreiche Schwalbennester. Was passiert damit, wenn Abriss und Neubau kommen? Dazu hieß es, dass eine Art Schwalbenwand errichtet werden soll, und zwar an einem "geeigneten Standort".

Weitere Tagesordnungspunkte

Weitere Themen im Bauausschuss waren der Neubau einer Lagerhalle auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände und die Errichtung einer weiteren Lagerhalle im Stadtteil Eyrichshof. Der Bauausschuss der Stadt befürwortete die beiden gewerblichen Bauvorhaben.