Stephan Herbert Fuchs

Wer einmal in den Drogensumpf hineingeraten ist, kommt nur schwerlich wieder heraus. Das hat jetzt schmerzlich ein 26-jähriger Mann erfahren, der sich wegen einer Vielzahl von Fällen vor Gericht verantworten musste und der jetzt den Gang ins Gefängnis antreten muss.

Die Richterin Sieglinde Tettmann verurteilte den Kulmbacher wegen des Erwerbs und des Besitzes von Betäubungsmitteln in 16 Fällen zu neun Monaten Haft ohne Bewährung.

Keine Arbeit, keine Wohnung

Keine Arbeit, keine Wohnung, Schicksalsschläge, Krankheiten und die falschen Freunde, davon ist das Leben des Mannes geprägt. Kein Wunder, dass er nicht mehr den rechten Weg fand. Zwischen Februar und Juni 2020 hatte er von einem anderweitig von den Strafbehörden Verfolgten in mindestens 16 Fällen jeweils zehn Gramm Heroin erworben.

Bei einer Razzia in seiner damaligen Wohnung wurden am 17. Juni 2020 außerdem eine geringe Menge Haschisch, eine größere Menge Marihuana und zwei Ecstasy-Tabletten gefunden. Keine zwei Wochen später wurde er vor der Obdachlosenunterkunft in Kulmbach erneut mit einer kleineren Menge Marihuana im Rucksack angetroffen.

Größtes Problem für den jungen Mann war, dass er Ende 2017 schon einmal wegen verschiedener Drogengeschichten verurteilt worden war. Damals hatte er einen regen Handel betrieben und unter anderem auch an Minderjährige verkauft. Deshalb wurde er, ebenfalls in Kulmbach, zu zwei Jahren verurteilt, die Strafe wurde teilweise auf Bewährung ausgesetzt, weil er gleichzeitig eine Therapie machen konnte.

Therapie zunächst erfolgreich

Diese Therapie war zunächst auch erfolgreich. Doch als ihm seine Wohnung gekündigt wurde, er in die Obdachlosenunterkunft umzog und seine Freundin mit ihm Schluss machte, ging der Drogenkonsum erneut von vorne los. Dazu kam, dass ihm sein damaliger Lieferant immer wieder bedrohte, weil er gegen den Mann ausgesagt hatte.

Die Folgen waren wiederkehrende Angstzustände und Panikattacken bis hin zum kompletten Zusammenbruch in einer Diskothek. Damals lag der Angeklagte zwei Tage lang im Koma.

"In Extremsituationen gab es immer wieder Rückfälle", sagte der Angeklagte. Sein Verteidiger Ralph Pittroff aus Kulmbach erklärte, dass die Panikattacken zuletzt der Hauptgrund für den Drogenkonsum gewesen seien. Tatsächlich gab es auch nach Auskunft des ermittelnden Kripobeamten keinerlei Hinweise darauf, dass der von Hartz IV lebende Angeklagte mit Drogen gehandelt hätte.

Der Verteidiger Pittroff forderte in seinem Plädoyer sechs Monate mit Bewährung. Sein Mandant habe reinen Tisch gemacht. Aufgrund der Lebensumstände und zahlreicher persönlicher Beeinträchtigungen seien die Drogen für den Mandanten mit der Zeit zu einer Art Medikament geworden.

Das sah der Vertreter der Staatsanwaltschaft anders. Der Angeklagte habe ein völlig ungelöstes Drogenproblem, sagte er und plädierte auf die letztlich auch verhängten neun Monate ohne Bewährung. Sie sehe keine günstige Prognose, begründete Tettmann ihr Urteil. Der Angeklagte besitze keine Stabilität, was ein erneuter Rückfall erst im März dieses Jahres zeige. Daneben habe der Mann unter einschlägiger Bewährung gestanden und trotz engmaschiger Hilfe durch Bewährungshelferin, Betreuer und Jobcenter eine Vielzahl von Taten begangen.