Stephan Herbert Fuchs Weil sie einer Bekannten eine sogenannte Line (fünf bis 30 Gramm) Speed zum Konsum überlassen hatte, ist eine junge Frau aus dem Landkreis Kulmbach zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu jeweils 15 Euro (900 Euro) verurteilt worden. Dabei hatte die 26-Jährige noch Glück, denn ursprünglich war sie zusammen mit ihrem mittlerweile getrennt lebenden Mann unter anderem wegen der Abgabe von Crystal angeklagt.

Das konnte aber nicht bewiesen werden. Der 46-Jährige gab an, keine konkrete Erinnerung mehr an den Vorgang zu haben. Es sei schon möglich, er könne es aber weder bestätigen noch bestreiten.

Ähnlich lautete die Einlassung der 26 Jahre alten Frau. Sie habe ebenfalls keine Erinnerung mehr an den Vorfall. Das kann auch durchaus möglich sein, denn beide konsumierten damals regelmäßig Rauschmittel, darunter auch harte Drogen wie Crystal. Mittlerweile haben beide ihre Sucht wieder im Griff, der Mann wartet auf eine Therapie, die Frau hat ihre Berufstätigkeit wieder aufgenommen.

Also blieb dem Gericht nur die 27-jährige Zeugin übrig, die mit ihrem Verlobten bei dem damaligen Ehepaar eine Party gefeiert und dabei die Line bekommen haben soll. Ihr Verlobter nahm damals Drogen, da habe sie halt auch mitreden wollen und "mal was probiert".

Von wem der beiden Angeklagten sie den Stoff erhalten hatte und was es genau war, daran konnte sie sich aber ebenfalls nicht mehr erinnern. "Das Zeug lag einfach so da." Sie sei mit der Frau im Schlafzimmer gewesen und habe sich die Line in die Nase gezogen. Sicher wusste sie noch, dass ihr der Stoff "relativ gut" bekommen sei.

"Ein G'schmäckle"

Während dem angeklagten Mann nach dieser Aussage gar nichts mehr nachgewiesen werden konnte, änderte die Frau ihr Aussageverhalten und gab an, dass Speed durchaus im Bereich des Möglichen sei, keinesfalls aber Crystal. Nachdem sich der Mann ohnehin wegen einer anderen Drogengeschichte noch vor Gericht verantworten muss, stellte Richterin Sieglinde Tettmann das Verfahren gegen ihn ohne Auflagen ein. Die bei einer weiteren Aufklärung zu erwartende Strafe falle wegen der anderen Sache nicht mehr beträchtlich ins Gewicht.

Anders bei der mitangeklagten Ehefrau. Sie hatte bereits eine Vorstrafe wegen einer anderen Drogengeschichte. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft sagte in seinem Plädoyer, "dass die ganze Geschichte schon ein G'schmäckle hat" Zumindest in einem Fall sei der Tatnachweis sicher zu führen, so dass die Frau wegen der Abgabe von Betäubungsmitteln zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu jeweils 20 Euro (1400 Euro) zu verurteilen sei. Nachdem die Frau derzeit nur einen Minijob hat, blieb das Gericht unter dieser Forderung und urteilte auf 60 Tagessätze zu je 15 Euro (900 Euro). Nach dem Besitz sei die Abgabe die mildeste Form von Drogenkriminalität, sagte Richterin Tettmann.

Ob Crystal oder Speed, das spiele auch keine so große Rolle, da es sich lediglich um eine Line und damit um eine ganz geringe Menge gehandelt habe.

Verteidiger Jürgen Koch hatte zuvor eine ähnliche Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 15 Euro (750 Euro) beantragt.