Ohne seine Randale wäre der Drogenbesitz eines Michelauer Produktionshelfers nicht offenkundig geworden. So aber fiel der Mann am 22. August 2015 auf einem Dorffest bei Michelau unangenehm auf, wurde fixiert und der Polizei übergeben und von ihr gefilzt. Am Dienstag hatte er am Amtsgericht Verhandlung wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln.


Das nackte Gesäß gezeigt

29,6 Gramm Haschisch - diese Menge hatte der 29-Jährige in seiner Hosentasche bei sich, auf dem Gehweg liegend, als er während des Dorffestes vom Security-Dienst zur Eigensicherung fixiert wurde. In der Rückschau auf diesen Abend erinnerte sich eine 25-jährige Polizeibeamtin in ihrer Zeugenaussage auf die aggressive Wirkung, die bei ihrem Eintreffen von dem Mann ausgegangen sein soll. Immerhin, auch das kam zur Sprache, hatte dieser Mann auch schon einmal für eine Anekdote in der Lichtenfelser Innenstadt gesorgt, als er nächtens an ein Café pinkelte und auf Nachfrage, was das solle, dem Fragesteller das entblößte Gesäß zeigte.
Bevor er nach dem Dorffestvorfall eine Nacht in der Ausnüchterungszelle zubringen sollte, hatte die Polizei Gelegenheit, sich in dessen Wohnung umzusehen. Dabei sei ein Tetra Pak aufgefallen, der provisorisch zu einem Bong, einer Rauchgerätschaft für Haschisch also, umfunktioniert worden war. Eine Durchsuchung der Hosentaschen des Mannes förderten die knapp 30 Gramm zutage. "Das ist ja jetzt nicht ganz wenig", kommentierte Richterin Bianca Fischer, eine Stellungnahme des vor ihr Sitzenden einfordernd.
In anwaltlicher Obhut durch Jochen Kaller erklärte der Mann, dass er einen "Rückfall" erlitten habe, der einmalig blieb. Der nach eigenen Aussagen und laut Befund an Schizophrenie leidende Mann habe 2013 eine Therapie begonnen und wurde mit Medikamenten behandelt. Sein Zustand soll sich stabilisiert haben, heute ist er berufstätig und sei abstinent. Allerdings hat der Beschuldigte eine einschlägige Drogenvergangenheit hinter sich gebracht. Fünf Anklagen wegen Handels mit Betäubungsmitteln stehen zu Buche, zudem unerlaubte Einfuhren und ein Diebstahl in Zusammenhang mit Betäubungsmitteln. Eben wegen all der Vorgänge hielt Staatsanwältin Carolin Schellhorn eine bloße Geldstrafe nicht mehr für ausreichend. Mehr noch: In ihrer Forderung nach einer fünfmonatigen Haftstrafe, mochte sie auch keine Bewährung dulden. "Ich kann Ihrem Antrag nicht ansatzweise folgen", hielt Kaller dem in seinem Plädoyer entgegen. Schließlich habe sich sein Mandant von Crystal Speed gelöst, stehe im Berufsleben und sei kein regelmäßiger Konsument. Eine Geldstrafe in Höhe von 3500 Euro sei darum völlig ausreichend. Diesen Weg beschritt Richterin Bianca Franke nicht. Aber auch nicht den von der Staatsanwaltschaft geforderten. Zwar verhängte sie einen viermonatige Haftstrafe, aber diese eben auf Bewährung. Mit einer Menge Auflagen. 3000 Euro wird der Verurteilte zu zahlen haben, zudem drei Jahre unter Bewährungshilfe stehen. Für die Dauer von einem Jahr wird er sich alle zwei Monate zum Nachweis seiner Abstinenz auch einer Urinkontrolle auf eigene Kosten zu stellen haben.