Noch als Heranwachsender hatte ein Landkreisbewohner nachweislich in zwei Fällen als Zwischenhändler Drogen im Gesamtwert von 400 Euro verkauft. Erst jetzt stand der inzwischen 21-Jährige wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln vor dem Bad Kissinger Amtsgericht und wurde nach Erwachsenenstrafrecht zu einer Geldstrafe von 2250 Euro, zum Wertersatz von 400 Euro und zur Zahlung der Gerichtskosten verurteilt.

"Auf einem guten Weg"

Ruhig und freundlich lächelnd saß der junge Mann neben seinem Verteidiger im Gerichtssaal. Noch in Kasachstan geboren, war er allerdings schon als Kleinkind mit seiner alleinerziehenden Mutter nach Deutschland umgesiedelt. Seinen Hauptschulabschluss schaffte er erst nach Wiederholung des letzten Schuljahres, berichtete die Vertreterin des Jugendamtes dem Gericht, die anschließende Ausbildung habe er dann bald abgebrochen. Momentan sei er in einer Ausbildung zum Sozialbetreuer und kümmere sich in einer Einrichtung um Migrantenkinder. "Er ist also auf einem guten Weg."

Allerdings war dieser Weg in früheren Jahren etwas holprig. Schon seit seinem 14. Lebensjahr habe er selbst Drogen konsumiert, erzählte der Angeklagte auf Nachfrage. Zweimal stand er deshalb schon vor Gericht. "Wir kennen uns doch", meinte die Richterin, einen Vorgang aus dem Jahr 2016 vor Augen. Zwei Jahre später hatte der Angeklagte, der Kontakte zu "langjährigen Freunden" in der hiesigen Drogenszene hat, in mindestens zwei Fällen jeweils mindestens 50 Gramm Haschisch im Gesamtwert von 400 Euro als Zwischenhändler verkauft, weshalb er nun erneut vor ihr saß. "Haben Sie sich denn bei dem Handel keine Gedanken gemacht?", fragte ihn die Richterin. "Irgendwie schon", antwortete der Angeklagte freundlich lächelnd.

Der Staatsanwalt sah nach nur kurzer Verhandlung und aufgrund des "glaubhaften Geständnisses" des Angeklagten den Sachverhalt als erwiesen an. Der Drogendeal sei keine Jugendverfehlung gewesen, weshalb das Erwachsenenstrafrecht angewandt werden müsse. Er forderte eine Strafe von 75 Tagessätzen zu jeweils 35 Euro, die Zahlung eines Wertersatzes von 400 Euro sowie die Übernahme der Gerichtskosten.

Der Verteidiger stritt den Sachverhalt nicht ab, wies allerdings darauf hin, dass inzwischen fast drei Jahre vergangen seien, sein Mandant sich weiterentwickelt habe und seitdem nicht mehr aufgefallen sei. "Es war eine einmalige Geschichte." Deshalb könne sehr wohl das Jugendstrafrecht angewandt werden. Der holprige Schulabschluss und der Abbruch der ersten Ausbildung seien Zeichen von Unreife. Auch in der Verhandlung habe sich der Angeklagte doch recht flapsig gegeben. "Er war sich der Tragweite seines Vergehens wohl nicht bewusst." Deshalb sah der Verteidiger eine Geldauflage von 1000 Euro als angemessen an. "Damit ist die Sache dann erledigt."

Die Richterin konnte allerdings beim Angeklagten "keine Reifehemmung" erkennen, außerdem sei er "sozial voll integriert", weshalb sie das Erwachsenenstrafrecht anwandte. Vielleicht sei der Handel mit Drogen für den damals 19-Jährigen "ein faszinierendes Erlebnis und eine nette Einnahmequelle nebenher" gewesen. Sie verurteilte ihn zu 75 Tagessätzen von 30 Euro, wobei sie die jeweils 50 Tagessätze pro Fall in eine Gesamtstrafe zusammenfasste. "Da haben Sie noch einen großen Rabatt bekommen."

Der zu zahlende Wertersatz wurde auf 400 Euro festgelegt, obwohl der Angeklagte als Zwischenhändler nur einen Prozentanteil des Warenwerts verdient hatte. "Das Recht fragt nicht nach dem Gewinn, sondern nach dem Bruttoertrag", klärte ihn die Richterin auf.