Michelau — Am Sonntag steht für den Michelauer Triathleten Andreas Dreitz der wichtigste Wettkampf des Jahres bevor. Im kanadischen Mont-Tremblant kämpft der 25-Jährige um die Weltmeisterschaft im Triathlon in der Ironman-Halbdistanz 70.3.
1,8 km Schwimmen, 90 km Radfahren und ein Halbmarathon (21 km) ergeben zusammen 70,3 Meilen (1,2/56/13,1) Meilen, woraus sich die Namensgebung des Wettbewerbs vom amerikanischen Veranstalter, der World Triathlon Corporation (WTC), ergibt.
Titelverteidiger bei der 70.3-WM ist der Deutsche Sebastian Kienle aus Mühlacker, der bereits 2012 die Meisterschaft gewonnen hatte. Er zählt neben der internationalen Konkurrenz sicher wieder zu den Favoriten. Doch auch Andreas Dreitz vom Team Erdinger-alkoholfrei steht auf der Liste der Athleten, die Titelchancen haben und auf alle Fälle im Vorderfeld erwartet werden. Dreitz gewann über die Ironman-Halbdistanz in diesem Jahr bereits die Rennen auf Fuerteventura, Mallorca und Heilbronn und stand im norwegischen Haugesund als Zweiter auf dem Treppchen. In Heilbronn wies Dreitz bei seinem Sieg Kienle in die Schranken. Die Vorbereitung auf die WM beim Timberman-70.3-Wettkampf in Gilford (USA) ging allerdings in die Hose. Ein Plattfuß stoppte Dreitz in aussichtsreicher Position liegend. Was er am Wochenende beim WM-Rennen in der kanadischen Provinz Quebec erwartet, darüber unterhielten wir uns mit dem Kraftpaket aus Michelau.

Sie gelten als der Shootingstar in der Triathlon-Szene Deutschlands. Wie schätzen Sie sich selbst in der Konkurrenz bundesweit ein? Andreas Dreitz: Ich glaube, ich hab mit meinen diesjährigen Rennen gezeigt, dass ich mich vor niemandem mehr verstecken muss und werde auch in Kanada versuchen, den Rennausgang mitzubestimmen.

Was sagen Sie demjenigen, der ihren Namen nennt, wenn er nach einem WM-Favoriten gefragt wird?
Das muss wohl ein Europäer sein, denn die Amis haben mich hier noch gar nicht auf dem Schirm, da kann ich noch den Überraschungseffekt ausnutzen.

Wen zählen sie denn zu den Favoriten?
Sicherlich die beiden Ex-Olympiasieger, bzw. -Weltmeister der Kurzdistanz, Jan Frodeno und Javier Gomez, aber auch der Kanadier Brent McMahon, der Vorjahreszweite Terenzo Bozzone und der Brite Tim Don. Das Rennen mitbestimmen können auf jeden Fall der auf dem Rad starke US-Amerikaner Andrew Starykowicz und Josh Amberger. Aus deutscher Sicht sehe ich neben Jan Frodeno den Titelverteidiger Sebastian Kienle und auch Nils Frommhold mit Siegchancen.

Sie haben ein fantastisches Jahr gehabt mit tollen Eregebnissen?
Danke - ich bin überaus zufrieden mit meiner bisherigen Saison und habe meine hochgesteckten Ziele bereits übertroffen.
Worauf führen Sie Ihre Leistungen zurück?
Meine Leistungsentwicklung hat sich dieses Jahr nochmal fortgesetzt und ich bin noch lange nicht am Ende. Am meisten gebracht hat mir sicherlich die Arbeit im athletischen Bereich, die engere Zusammenarbeit mit meinem Trainer Rainer Skutschik, die dazugewonnene Erfahrung und das Mehr an Zeit für Training und auch Regeneration.

Der Radkurs bei der WM ist ziemlich bergig. 900 Höhenmeter geht es insgesamt rauf. Ein Kurs der Ihnen als Radspezialisten liegen dürfte.
Ich freue mich schon sehr auf die hügelige Strecke und auf eine atemberaubende Landschaft. Ich werde mir die Strecke vorher genau anschauen und dann meine Chancen im Rennen nutzen.

Sie treten bei den Wettkämpfen als Profi an. Werden Sie auch schon so bezahlt, dass Sie davon leben können?
Triathlon ist sicher kein Sport, um das große Geld zu verdienen, aber Dank meiner überragenden bisherigen Saison und Dank meiner Sponsoren hab ich zumindest immer genug zum Essen auf dem Tisch.

Unter den Profis bei der WM werden unter den Frauen und Männern 250 000 Dollar Preisgeld ausgeschüttet. Wieviel erhält der Sieger und was rechnen Sie sich aus?
Ich glaub der Sieger erhält 40 000 US-Dollar und es wird bis Platz 10 ausgezahlt. Um die Reisekosten zu decken, reicht ein zehnter Platz noch nicht aus - daher sind meine Ziele höher gesteckt.

Ärgern Sie sich noch über den Plattfuß in Gilford und das fehlende Repararturset?
Den Timberman habe ich inzwischen abgehakt - der Blick geht voraus und meine Ziele bei der WM haben sich dadurch nicht geändert - im Gegenteil: Ich bin wieder richtig hungrig!

Haben Sie sich zu sehr auf die Technik verlassen oder war das nur ein "Anfängerfehler"?
Man kann es als Anfängerfehler oder als Risiko bezeichnen. Jeder Athlet sollte einen Platten beheben können. Ich bin das Risiko eingegangen und hatte kein Reparaturset dabei. Letztendlich zeichnet einen Profi aus, jegliches Risiko zu minimieren. Das habe ich in dem Fall nicht getan.

Das Gespräch führte
Udo Schilling