Eine ungewöhnliche Freveltat beschäftigte im Jahr 1888 die Herzogenauracher. Aus einer handschriftlichen Aufzeichnung:

"Im Jahre 1827 wurde der Friedhof, der bisher um die Stadtkirche Herzogenaurach gelegen war, außerhalb der Stadt an die Straße von Herzogenaurach nach Niederndorf verlegt. Ein Leichenwagen wurde daher zur Beförderung der Leichen dorthin angeschafft. Dieser wurde in vielen Jahren seines Gebrauchs höchst unmodern und für die hiesige Stadt eine Schande. Der hiesige Stadtmagistrat lehnte die Anschaffung eines neuen modernen Wagens ab. Nur Bürgermeister Joseph Seitz und Stadtmagistrat Georg Sieber waren für einen neuen Wagen. Beide baten im Geheimen den jüngeren Karl Hüttinger, er möge mit seinen Kameraden den Leichenwagen beseitigen.

Der Wagen stand in einer Bretterhalle am Siechhaus (Anmerkung: Erlanger Straße gegenüber dem heutige Liebfrauenhaus). Schneidermeister Karl Hüttinger und seine Kameraden Staudigel Philipp, Ploner Martin, Roppelt Philipp, Reiter Kunner, Herbig Peter und Freudenberger Andreas fuhren den Wagen die Eichemühlgasse entlang bis zur Mitte der Eichel- und Heinrichsmühle und warfen ihn an der tiefsten Stelle in die Aurach, so dass man nichts mehr von ihm sah. Die jungen Leute beschlossen die größte Verschwiegenheit, so dass man bis heute nicht die Namen der Täter kennt.

Dem Stadtrat blieb nun nichts anderes übrig, einen neuen Wagen anzuschaffen, da der alte nicht mehr zum Vorschein kam. Der erste, der mit dem neuen Wagen zum Friedhof gefahren wurde, war Bürgermeister Seitz (verstorben 26. 12. 1890). Zur damaligen Zeit bestand noch kein Leichenhaus und es mussten die Toten in ihrer Wohnung aufgebahrt, unsere Häuser von dem Geistlichen eingesegnet und die Leiche im Wagen zum Friedhof zur Beerdigung gebracht werden."