von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Lichtenfels — Das Blut war offensichtlich und die 1,2 Promille waren unbestreitbar. Aber fielen wirklich Beleidigungen gegen die drei Polizeibeamten? Und Tritte noch dazu? Zu einem Verfahren um Beleidigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und vorsätzlicher Körperverletzung kam es am Dienstag auf dem Amtsgericht.
"Was bedeutet Hulenso?", fragte der 49-jährige Lichtenfelser Angeklagte den Zeugen. Was er erntete, war ein müdes Lächeln des 30-jährigen Polizisten. Der gab an, am 12. November 2014 sehr gut das Wort "Hurensohn" vernommen zu haben. Jener Novembertag mag allen drei Polizisten noch lange in Erinnerung bleiben. Vor allem das Nachspiel ihres Hausbesuchs, das sich auf der Wache zugetragen haben soll. Es begann mit der Anklageverlesung durch Staatsanwalt Timm Hain. Der trug vor, dass der Angeklagte am 12. November 2014 kurz vor 22 Uhr in seiner Lichtenfelser Wohnung randaliert hätte. Dabei sei auch ein Messer zum Einsatz gekommen. Dieser Umstand wurde von allen drei aussagenden Polizisten erwähnt und es hieß, dass sich schon Blut auf der Schürze der die Polizisten empfangenden Ehefrau des Angeklagten befunden hätte. Blut, welches vom leicht verletzten Sohn gestammt haben soll. Der nur gebrochen Deutsch sprechende Angeschuldigte, der nicht immer den Eindruck erweckte, als ob er alles Gesprochene auch verstünde, soll an jenem Novemberabend nach dem Eintreffen der Polizei so lange ruhig geblieben sein, bis er gebeten wurde, auf die Wache mitzukommen. Ab da habe es Beleidigungen gehagelt; anzügliche Bemerkungen über die Mütter der Polizisten und darüber, was er sonst noch von ihnen halte.


Zu Fußtritt nicht in der Lage

Der Angeklagte bestritt die unflätigen Bemerkungen. Noch mehr bestritt er aber die Fußtritte, die er ausgeteilt haben soll. Wegen einer zehn Jahre zurückliegenden Operation könne er gar nicht in der Lage gewesen sein, einen Polizisten gegen den Kopf zu treten. Jedoch soll der 49-Jährige dabei auch gelegen haben, denn die Polizisten versuchten, ihm, der eine Nacht in der Zelle verbringen sollte, die Hose auszuziehen.
"Er ist belehrt worden, dass sich in der Vergangenheit Leute schon aufgehängt hatten an ihren Hosen - das war zur Sicherheit", so einer der Beamten. Gezielte Fußstöße gegen den Kopf, wenngleich dort nicht eintreffend, habe er losgetreten. Da waren sich die Beamten sicher. Derjenige, dem die Tritte galten, wollte sich noch daran erinnert haben, wie ihm der Wütende die Jacke über den Kopf zog.
Als "Schutzbehauptung" wertete Staatsanwalt Hain die Angaben des Beschuldigten, wonach dieser keine Tritte austeilen könne. "Seit Jahren arbeitet er als Handwerker, da muss er fit sein", schloss Hain, der sich für den bislang nicht vorbestraften Mann eine Geldstrafe in Höhe von 2250 Euro vorstellte. Im Schuldspruch durch Stefan Hoffmann wurden 2100 Euro festgesetzt.