So langsam hat man seine vier Wände gesehen. Die Bücher im Regal wurden bereits dreimal neu sortiert, bei Scrabble ist man als neuer Verlierer der Familie auserkoren worden. Ja, auch die Programme im Fernsehen geben einem nicht mehr das, was man braucht. Das Nichtstun und diese erzwungene Entspannung hat man gehörig satt. So wagt man sich dann doch an die frische Luft - trotz Corona.

Und siehe da, für diesen Moment im Park hat es sich gelohnt: Eine Frau joggt durch Bamberg, ihr Mann fährt mit dem Fahrrad voraus. Neben der Straße liegen viele kanadische Wildgänse auf dem Gras, die sich der Sonne erfreuen und fröhlich schnattern. Ein schöner Anblick. "Drei Gäns' im Haberstroh saßen da und waren froh..." Die Frau beginnt zu singen, gutgelaunt und aus voller Kehle. Soll ja bekanntlich gut für die Gesundheit sein!

Da fährt ein Radler an ihr vorbei und schaut etwas verblüfft. Als sie ihn sieht, röten sich ihre Wangen und sie entschuldigt sich verlegen. Er reagiert nicht, sondern fährt weiter bis er auf Augenhöhe ihres Mannes ist und sagt: "Fahren Sie mal etwas langsamer. Ihre Frau dahinten singt schon!" Ein Moment, der allen Beteiligten die Lachtränen in die Augen treibt. Und ein Moment, der zeigt, dass sich menschliche Nähe und Einhalten der räumlichen Distanz nicht ausschließen müssen.