Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges musste auch die Marktgemeinde Mitwitz schwere Zeiten durchleben. Bis heute sind insbesondere die Tage 14. Februar, 8. April, 12. April sowie Freitag, der 13. April 1945, fest im Gedächtnis zumindest der älteren Mitwitzer verankert.

14. Februar: Bomben auf Mitwitz

Der Leiter der damals in Mitwitz ausgelagerten Frankfurter Bibliotheken, Friedrich Knorr, erinnert sich: "Am 14. Februar geschah schließlich das, was niemand für möglich gehalten hatte. Aus einem am hellen Tag aus Osten kommenden größeren Bomberpulk scherten eine Reihe von Flugzeugen aus, setzten Rauchzeichen und warfen kurz darauf eine Bombenreihe auf das friedliche Mitwitz und seine Umgebung."

Alfons Greiter, der im Haus Jakobsberg 17 wohnte, berichtete vor einigen Jahren Folgendes: "An meinem Arbeitsplatz in Sonnefeld beobachtete ich Bomberverbände, die aus östlicher Richtung kommend, auf dem Heimflug waren. Plötzlich waren Rauchzeichen zu sehen. Kurze Zeit darauf kam ein Anruf, ich solle sofort heim nach Mitwitz fahren. Es sei etwas passiert. Sogleich machte ich mich mit meinem Fahrrad auf nach Mitwitz. Dort standen viele Leute an den Straßen, viele ,pilgerten' hinauf zum Jakobsberg, wo unser Haus stand. Im Vorbeifahren hörte ich Stimmen: ,Der arme Junge!' Als ich dann bei uns angekommen war, musste ich mit großem Schrecken ansehen, dass eine Haushälfte in einem Bombentrichter hing. Wie durch ein Wunder war niemand verletzt worden. Ohne Dach über dem Kopf kamen wir vorerst bei Nachbarn unter."

In der Mitwitzer Chronik findet sich dazu der folgende Eintrag: "Am 14. Februar 1945 wurden acht Bomben von feindlichen Fliegern auf Mitwitz abgeworfen. Die Häuser Jung (heute: Jakobsberg 20) und Greiter (heute: Jakobsberg 17) am Berg sind zerstört. Es gab jedoch keine Verletzten. Eine Bombe fällt in die Nähe des Hauses von Friseur Dötschel (heute: Am Grünen Tal 4). Sie wirft einen 80 Pfund schweren Stein durch das Dach von Zeitlers Haus (heute: Am Grünen Tal 9), der die Decke des Schlafzimmers und das Bett durchschlägt und unter dem Bett, ohne größeren Schaden angerichtet zu haben, liegen bleibt."

8. April: Große Gefahr, zwei Tote

Nachmittags gab es einen überraschenden, sehr langen und gründlichen Tieffliegerangriff auf Mitwitz mit vielen Bomben. Die dicht beieinander stehenden Häuser bzw. Scheunen an der Ecke Kronacher Straße/Kirchstraße brannten und wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Besonders schlimm war das Schicksal von zwei Evakuierten, die sich wohl zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt auf der Hauptstraße in der Ortsmitte von Mitwitz aufgehalten hatten.

So heißt es in der Mitwitzer Chronik: "Große Gefahr! Ein Toter liegt auf der Straße bei Bernhard Stieß (Kronacher Straße), ein Mädchen wird schwer verwundet und stirbt."

Dem Kirchenbuch des evangelischen Pfarramtes Mitwitz kann man entnehmen: "Der 69-jährige Paul Walter aus Freiburg in Schlesien, zur Zeit wohnhaft in Mitwitz Haus Nr. 221, stirbt am 8. April um 16:30 Uhr. Tod durch Fliegerangriff (Luftdruck). Die neunjährige Friseuerstochter Christa Wähner aus Freiburg in Schlesien, zur Zeit wohnhaft in Mitwitz Haus Nr. 54, wird am 8. April 1945 durch einen Rückenschuss tödlich verwundet. Die Beerdigung der beiden Getöteten auf dem Friedhof fand zwei Tage später unter Pfarrer Hans Löhe statt, wegen Fliegergefahr aber erst abends um 8 Uhr."

12. April: Mitwitz unter Beschuss

Eine Abteilung junger Offiziersanwärter der Wehrmacht und der Waffen-SS befand sich im Raum Mitwitz, die Männer suchten Schutz vor Tieffliegern und verschanzten sich am Mitwitzer Berg. Sie besetzten zudem die Straßenausgänge und sollten Mitwitz verteidigen. Dabei wurde ein amerikanisches Spähauto am Ortseingang aus Richtung Neustadt kommend auf der heutigen Sonneberger Straße mit Handgranaten in Brand gesetzt. Zwei amerikanische Offiziere wurden aus dem Hinterhalt erschossen.

Nachmittags kam es zu einem Tieffliegerangriff mit Bomben und Bord-MG auf die erwähnten Stellungen am Mitwitzer Bäckenberg. Dabei wurde der Fahnenjunker Günter Schlötz aus Cottbus tödlich getroffen.

Eine schwere Verwundung erlitt der Offiziersanwärter Heinz Strobel aus Nürnberg. Er berichtet: "Am Ortsrand entdecken wir auch die ersten amerikanischen Sherman-Panzer, die von Coburg her vorstoßen. Plötzlich ein Schmerz im rechten Ellenbogen! Ein Bordwaffengeschoss hatte meinen Arm getroffen. Ein Kamerad brachte mich zum Verbandsplatz (im heutigen Mitwitzer Rathaus). Ein Sanitätsunteroffizier legte mir einen Verband an, der sofort durchblutet war. Plötzlich stand Sanitätsrat Dr. Fritz Erbse vor mir. Inzwischen war mein Arm stark verdickt, verfärbt und blutbefleckt. Man brachte mich in das Haus Erbse. Zwei Tage später kam als letzte Rettung nur noch baldigste hohe Amputation in Frage."

Gegen Abend wurde Mitwitz durch feindliche Panzer und Granatwerfer aus Richtung Gestungshausen und Bahnhof Hof-Steinach beschossen. Schwere Beschädigungen an vielen Häusern. Die Ortsbeleuchtung ist vernichtet. Die Bevölkerung flüchtete in die Luftschutz- und Felsenkeller.

Das Parteilokal Rempel wurde in Brand geschossen. Helene Hofmann, geborene Rempel, erinnert sich: "Bis gegen 6 Uhr abends war friedliche Ruhe, dann ging das Toben los. Wir waren alle im Hauskeller, auch einige Nachbarsleute. Alles zitterte und bebte; wir wagten kaum zu atmen. Um halb sieben stand unser ganzes Anwesen in Brand. ,Schnell aus dem Keller!', hieß es. Die Scheune brach sofort zusammen. Bis es mehr Leute gewahr wurden, war keine Rettung mehr möglich. Bis auf die Grundmauern war alles verloren. Die Flammen waren Herr und raubten alles. In wenigen Stunden waren wir arm geworden. Die beiden Klaviere, alle Betten, Schränke, Wäsche, Fahrräder: alles ist verbrannt! Es war ein furchtbares Bild. Mit knapper Not kam das Vieh aus dem Stall. Die Wagen und alle Maschinen sind verbrannt."

In dieser Nacht flüchtete die SS (in Tarnkleidung, Zivilkleidung) über den Mitwitzer Berg in Richtung Kronach. Das war wohl die Rettung für den Ort.

13. April: Einzug der Amerikaner

Nach mündlicher Überlieferung hissten Ernst Zapf, Hans Marr und Otto Stieß bei Tagesanbruch gegen 6.30 Uhr auf dem Kirchturm der Jakobskirche eine große weiße Fahne. Die meisten Häuser folgten. Um 8 Uhr hörte man einige Infanterieschüsse, dann lange Stille. Gegen 10 Uhr zogen die Amerikaner aus Richtung Neustadt ein.

In der Mitwitzer Chronik ist nachzulesen: "Perrar, ein Deutsch-Amerikaner und Dolmetscher, der mit seinem Freund Funk seit 1944 in Mitwitz wohnt, empfängt die Amerikaner an der Föritzbrücke vor dem Wasserschloss. Sie fahren zur Aumühle, zum Bürgermeister und Ortsgruppenleiter Hermann Schilling. Er soll sie in seiner Aufregung mit ,Heil Hitler!' begrüßt haben. Dann Fahrt zur Kanzlei. Es müssen alle Waffen, Munition, Ferngläser und Fotoapparate abgeliefert werden. Kleinkaliber und Jagdgewehre werden zerschlagen, brauchbare Revolver, gute Ferngläser und Fotoapparate werden von den Amerikanern mitgenommen. Hausdurchsuchungen erfolgen in ziemlich anständiger Form. Die Amerikaner sind lauter junge, kräftige, gut genährte Sportgestalten, die ständig essen und alles in größter Fülle haben. Sie sitzen an den Straßen und teilen Schokolade, Bonbons, Kaugummis und Zigaretten aus. Stundenlang dauert der Durchzug motorisierter Verbände, Geschütze und Panzer."