Anfang des Jahres war ziemlich klar, 2020 keine internationale Anthologie herauszugeben, berichtet der Kronacher Lyriker Ingo Cesaro. Nach der 25. Ausgabe und einigen Sondereditionen sollte nach "Eine Hand voll Glück" eine Pause eingelegt werden. Es hatte sich herausgestellt, dass die Bleischriften abgenudelt waren und beim Handsetzer gab es gesundheitliche Probleme in der Familie. Dann kam Corona.

Viele Haiku-Autoren fragten vorsichtig an, ob es 2020 wieder eine Anthologie geben werde. In den Fragen klang die Hoffnung mit, dass es wieder eine Anthologie geben werde. Für viele seit Jahren eine der wenigen Möglichkeiten, ihre dreizeiligen Kurzgedichte in Haiku-Form zu veröffentlichen. Sie sehen dieses internationalen Anthologien auch als ihre Veröffentlichungs-Heimat an.

Also ließ sich Cesaro überreden und schrieb die neue Anthologie zum Thema "Erinnerungen" Anfang April aus. Jetzt galt es, eine entsprechende Bleischrift zu organisieren, um dann im Handsatz die Haiku zu setzen. Anfang Juni war diese Frage geklärt und eine Schrift in zwei Größen konnte ausgeliehen werden.

Schon nach wenigen Tagen erreichten erste Einsendungen die Neue Cranach Presse. Die Auswahl erfolgt anonym, d.h. wenn eine Einsendung von maximal sechs Haiku eintrifft, bekommt der Einsender eine laufende Nummer, ebenfalls natürlich die einzelnen Haiku. Die Befürchtung, es werde eine Corona-Sammlung geben, hat sich nicht bestätigt.

Der Handsetzer erhält dann beinahe 400 Haiku ohne Verfasser-Name. Dazu eine Liste mit den Namen und den zugeordneten Nummern, damit er jeweils den Namen und den Ort und das Land zum Haiku dazu setzen kann.

Echt bibliophil

Auf dem Heidelberger Tiegel wurden dann die Texte im Buchdruck auf aufwendigem Werksdruckpapier im Japanblock in einer Auflage von 400 Exemplaren gedruckt. Die Bogen wurden zusammengetragen, dann für die Durchstichbindung jeder

Buchblock gebohrt. Jetzt konnte Gisela Gülpen mit der Bindearbeit beginnen.

Die gebunden Editionen wurden anschließend nummeriert und signiert. Jetzt ging es darum, die 400 Editionen zu verpacken und in alle Welt zu verschicken.

Seit 1999 jedes Jahr wieder ist die ganze Familie von Ingo Cesaro und seiner Frau Gisela Gülpen damit beschäftigt, dieses Anthologie-Image-Projekt zu verwirklichen, denn bibliophile Druckwerke werden immer weniger.

Und irgendwie sind anschließend alle im Hause Cesaro ein wenig stolz, diese bibliophile Druckwerk (Bleisatz, Buchdruck) wieder realisiert zu haben. "Und es ist schön, die in die Lucas-Cranach-Stadt Kronach eingesandten Haiku wieder von hier aus per Post in alle Welt zurück zu schicken", so Ingo Cesaro. Neben diesem internationalen Anthologie-Projekt gab Ingo Cesaro 2020 bisher noch die Editionen "Zwischen den Gleisen" (Yana Arlt), "Später Mückentanz (Wolfgang Wache), "kaleidoskopisch" (Lyrik-festival Senftenberg) und von Franz Hinterreiter "oftmals träume ich" mit zwei Holzschnitten von Sonja Hinterreiter aus Österreich heraus. ncpk