Stephan Herbert Fuchs

Eine Schubkarre als Tatwerkzeug für eine gefährliche Körperverletzung - das gab es wahrscheinlich noch nie vor dem Amtsgericht. Eine 46-jährige landwirtschaftliche Helferin aus dem Landkreis Kulmbach soll ihre Vermieterin mit voller Wucht gerammt und sie dabei verletzt haben. Bei der Hauptverhandlung stellte sich das Ganze dann aber eher als heftiger Streit denn als tätlicher Angriff dar. Der Streit hatte sich so nach und nach aufgeschaukelt und war schließlich eskaliert.

Alle Beteiligten kamen daraufhin dem Angebot von Gericht und Staatsanwaltschaft nach, das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage zugunsten einer gemeinnützigen Organisation einzustellen. Die Angeklagte ist damit nicht vorbestraft.

Was war passiert?

Der Vorfall hatte sich am 28. November des vergangenen Jahres in Mainleus ereignet. Dort hatte die Angeklagte seit Jahren Pferdeboxen angemietet. Nun wurde ihr aufgrund vorangegangener Streitigkeiten plötzlich gekündigt. Gerade als sie mit ihrem Freund, einem Bekannten und dessen Sohn die Boxen ausräumen wollte, stellte sich ihnen die Vermieterin in die Quere. Es ging dabei um Dachlatten, Paletten und bis zu zwei Meter lange Kanthölzer. Die Vermieterin behauptete, das alles gehöre ihr, und wollte den Abtransport verhindern.

Es kam, wie es kommen musste: Zunächst gelang es der Angeklagten noch, einfach um die Frau herumzufahren, dann aber stellte sie sich so in den Weg, dass auch das nicht mehr ging.

Völlig verschiedene Versionen

Was dann passierte, darüber gehen die Schilderungen auseinander. Die Vermieterin sagte, dass die Frau kräftig ausgeholt habe, ehe sie ihr die voll beladene Schubkarre mit Schwung in die Oberschenkel gerammt habe. Und das, wo doch die Vermieterin nach einer Kreuzbandverletzung eine Schiene trug und ohnehin schon lädiert war. Sie habe erheblich Schmerzen erlitten, die blauen Flecken seien erst nach einer bis eineinhalb Wochen wieder vergangen.

Eine ganz andere Version brachte die Angeklagte vor. "Ich weiß gar nicht, ob ich sie überhaupt berührt habe, und wenn, dann nur ganz leicht und auf jeden Fall ohne Absicht", sagte die Frau. Vielmehr sei sie danach von der Vermieterin weggedrückt worden und wäre beinahe zu Boden gegangen.

So bestätigte das auch einer der beteiligten Zeugen, der Sohn ihres Bekannten: "Es war kein bewusster Angriff der Angeklagten", gab der 31-Jährige zu Protokoll. Zuvor hätten sich die beiden Frauen lautstark "angezickt".

Für Richterin Sieglinde Tettmann und Staatsanwältin Anja Lettenbauer war zu diesem Zeitpunkt längst klar, dass die Sache wohl kaum mehr hundertprozentig zu klären ist, zumal es auch schon eine zivilrechtliche Auseinandersetzung gab, ein angestrebter Täter-Opfer-Ausgleich nicht zustande gekommen war und die Angeklagte mittlerweile ein offizielles Betretungsverbot für das Grundstück hat.

600 Euro für den Hospizverein

Nach einer Unterredung mit ihrem Verteidiger Christoph Müller stimmte die Angeklagte dem Angebot der Einstellung schließlich aber dann doch zu. Als Geldauflage muss sie innerhalb des nächsten halben Jahres 600 Euro an den Hospizverein Kulmbach überweisen.