Nicole Julien-Mann "Solange Du noch eine gute Geschichte auf Lager hast und jemand, dem Du sie erzählen kannst, bist Du noch nicht am Ende." Das ist die Grundidee von "Novecento - Die Legende vom Ozeanpianisten". Der Theatermonolog von Alessandro Baricco ist eine Geschichte über ein besonderes Leben, eine besondere Freundschaft, über die kleinen und großen Fragen, auf die jeder Antworten sucht.

Erzähler ist der Trompeter Tim Tooney, der fast am Ende wäre, hätte er eben nicht jene gute Geschichte auf Lager, die ihm sein bester Freund geschenkt hat: Danny Boodman T.D. Lemon Novecento wurde als Säugling auf einem Ozeandampfer gefunden, am ersten Tag des neuen Jahrhunderts. Die "Virginia" wurde sein Zuhause, seine Welt die 88 schwarzen und weißen Tasten des Klaviers. Obwohl er den Dampfer nie verließ, entwickelte er sich als Pianist zu einer Legende. In die Welt hinausgehen musste er nicht, denn sie kam zu ihm.

Atlantik-Überfahrten

Die Erzählung ruft die Zeit der atlantischen Schiffsüberquerungen wach, mit den armen Auswanderern in der dritten und den "üblichen Hohlköpfen" in der ersten Klasse, Ragtime und Schampus auf dem Ober-, Opernarien und Volksliedern auf dem Unterdeck. Von berühmten Leuten, wie dem "Erfinder des Jazz", Jelly Roll Morton, und dem irischen Matrosen, der immer nur Witze machte. Und von der Freundschaft zweier Männer, bei der die Musik übernimmt, was Sprache nicht ausdrücken kann.

Stefan Haufe, künstlerischer Leiter der Rosenberg-Festspiele, inszeniert das Stück für die Kammertheatertage im intimen Ambiente der Alten Markthalle im Historischen Rathaus in Kronach. Der Text von Novecento habe ihn von Anfang an begeistert und überzeugt: "Diese Wahnsinnsgeschichte muss mit Lebendigkeit und Intensität erzählt werden." Eine Traumrolle für Tom Ohnerast, der als Ensemblemitglied bei den Rosenberg-Festspielen bisher mit Witz, Charme und Schabernack punktete und jetzt schauspielerisch in die Tiefe gehen darf. Er ist Tim Tooney, aber auch Novecento und alle anderen, im Kosmos des Ozeandampfers.

"Die Geschichte ist so pur", sagt Ohnerast und genauso inszeniert sie Stefan Haufe: kaum Kulisse, wenige Requisiten. Er liebe den Minimalismus auf der Bühne, wo der Zuschauer die Bilder im Kopf selbst komplettieren müsse. Und der Rest hängt ganz davon ab, wie Tom Ohnerast das Publikum über anderhalb Stunden in den Bann schlagen kann mit dieser großen Erzählung.