Das 15. Erlanger Martini-Treffen konnte heuer nicht wie üblich auf dem Bergkirchweihgelände in großer Runde stattfinden. Dennoch sind sie da, die Erlanger Weizenböcke 2020, weiß der Bierkundler im Erlanger Heimatverein, Jochen Buchelt.

Traditionell freuen sich die Freunde der hellen Weizenböcke im Herbst schon Wochen zuvor auf den Freitag vor Martini. Die aktuelle Pandemielage, aber auch das weiterhin bestehende Betretungsverbot für das Kirchweihgelände verhinderten, dass sich die Erlanger Biergemeinde zum gewohnten Dämmerschoppen unter freiem Himmel am Berg traf. Das Martini-Treffen fand daher in ganz kleinen häuslichen Runden oder gar nur in den auf normalere Zeiten hoffenden Herzen der Weizenbockfans statt.

Da der Erlanger-Martini-Treffen-Termin inzwischen ganz dick im Bierkalender steht, haben es sich die Erlanger Brauereien nicht nehmen lassen, auch heuer das kräftig-süffige Obergärige für den Ausschank im November zu brauen. Nun eben ausschließlich für den Außerhausverkauf.

Bei der Steinbach-Bräu ist man der Rezeptur des Wiedergründungsjahres 1995 treu geblieben, aus eigenem Malz und mit Hallertauer Tradition - fruchtig, süffig und gefährlich. Bei der Hofbräu Oberle in Kosbach setzt man ebenfalls auf Steinbachmalz sowie die Hopfenkombination Magnum und Spalter Select. Der Neubrauer Marco Krapp ("Drei Linden") ist mit einem Weizenbocksud dabei, der aufgrund der heuer noch kleinen Menge als Rarität gelten kann. In Alterlangen lautet die Hopfenformel East Kent Golding und Mandarina Bavaria.

Aber auch für eine ganze Reihe von Hobbybrauern ist der herbstliche Weizenbocktermin so wichtig, dass sie rechtzeitig vor dem November ihre Kreationen gesotten haben. Zum einen Petra "Willy" Paulsen von der Hobbybrauvereinigung Vierbräu mit einem hellen Weizenbock Catanus aus der Erlanger Aufseßstraße, gebraut mit original Frauenauracher Malz und frischem Doldenhopfen von der Sorte Opal und Hallertauer Tradition. Zum anderen Stefan Bauer mit seiner selbst entwickelten High-Tech-Anlage vor dem ehemaligen Bayreuther Tor. Der ausschließlich mit US-amerikanischem Aromahopfen gebraute Amarillo-Weizenbock besticht durch seine fruchtig-grapefruitartigen Noten.

Weiterhin René Ermler aus Bruck. Sein "Goodman 60" hat einen beachtlichen Weizenmalzanteil von 60 Prozent, ist ein echter Doppelbock und erhielt seine Hopfenfruchtigkeit durch die Hallertauer Züchtung "Mandarina Bavaria".

Dazu kommt noch Robert Gimberlein aus Sieglitzhof. Sein "Bronconator" - der Name kommt vom Nachbarn, der in seiner Jugend nur Bronco-Jeans mit Ledereinsatz trug - wurde mit Taurus, Hersbrucker Spät und Spalter Select gehopft.

Oliver Rolshoven betreibt die Rathsberger Eichenbräu. Der "prächtige Sven" (vom Boxer Sven Ottke - ein guter Kerl, der auch reinhau'n kann) wurde unter anderem mit einem Quantum Whiskeymalz sowie mit den Hopfensorten Millenium und Mandarina Bavaria veredelt.

Nun gilt es, sich für das häusliche Treffen im kleinsten Kreise einzudecken, sei es ab Brauerei oder beim Hobbybräu des Vertrauens, dort auf den Martinsgedanken vom Teilen sowie die Gesundheit anzustoßen und darauf zu hoffen, dass das 16. Erlanger Martini-Treffen Anfang November 2021 wieder in altbekannter Weise stattfinden kann.