Bäume und Grünstrukturen im urbanen Siedlungsraum haben gestalterische, ästhetische oder ökologische Funktionen. In Einzelfällen führen sie aber auch zu Beeinträchtigungen, etwa von Bauwerken. So zu sehen im Umfeld der Oberen Brücke. Hier gefährdet eine Weißbuche in direkter Nachbarschaft zum Mittelpfeiler des Doppelbogens zwischen Obstmarkt und Brückenrathaus langfristig das Mauerwerk sowie die Skulpturen auf der Brücke. Nach Abstimmung zwischen Wasserwirtschaftsamt (WWA) Kronach, Entsorgungs- und Baubetrieb (EBB) der Stadt, Unterer Denkmalschutzbehörde und dem Umweltamt muss der Baum in der kommenden Woche gefällt werden, teilt die städtische Pressestelle mit.
Auf einer schmalen Landzunge beginnend am Schloss Geyerswörth steht das Fundament des Brückenpfeilers. Der Inselstreifen trennt den "Alten Kanal" vom Lauf der Linken Regnitz, die zu beiden Seiten das Brückenrathaus umspült. Nach dem Wiederaufbau der am Ende des Zweiten Weltkrieges zerstörten Brücke im Jahr 1956 haben sich hier Gehölze und teils mächtige Bäume durch Wildaufwuchs entwickelt. Probleme bereitet dabei vor allem eine zweistämmige Weißbuche direkt am Pfeilerfuß, heißt es aus dem Rathaus. Infolge von Wurzeldruck, Verschattung und fehlender Austrocknung werde der Substanzerhalt des Bauwerks erschwert. Zudem steht genau unter dem zu fällenden Baum eine aufwändig mit Förder- und Spendenmitteln sanierte barocke Kreuzigungsgruppe von Leonhard Gollwitzer aus dem Jahr 1715, die ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wird.


Behörde stimmt zu

Eigentümer der betroffenen Grundstücksfläche ist der Freistaat Bayern, vertreten durch das WWA Kronach. Gleichzeitig zuständig für die Verkehrssicherung auf dem Fließgewässer und den Unterhalt des Uferbereiches (Freihaltung des Lichtraumprofils und Gefährdung des Bootsverkehrs durch abstürzende Äste), hat die staatliche Behörde der beabsichtigten Fällung zugestimmt und unterstützt aktiv die Arbeiten.
Zuvor mussten allerdings die übrigen Interessen berücksichtigt werden - so die städtische Denkmalschutzbehörde, der Naturschutz im Umweltamt sowie der EBB als Verantwortlicher für Erhalt und Unterhalt der Brücke.
Ihr Fazit: Insgesamt sind die Probleme des herabtropfenden Wassers, der Sandsteindurchfeuchtung und Vermoosung unter Erhalt des Baumes nicht lösbar. Aus rein denkmalfachlicher Sicht seien die Bäume auf der betroffenen Landzunge nicht bedeutsam. Der übrige Baumbestand werde geduldet, da er - anders als auf historischen Aufnahmen dokumentiert - inzwischen zum gewohnten Stadtbild gehöre. Wesentlicher seien die Belange des Naturschutzes. Nachdem der betroffene Baum aufgrund seines Strammumfangs von 80 Zentimetern der Baumschutzverordnung unterliegt, wurde dem begründeten Fällantrag nach Beteiligung eines Gutachters und unter der Maßgabe einer entsprechenden Ersatzpflanzung zugestimmt.
Die erforderlichen Fällarbeiten finden - je nach Witterung - am 12. oder 15. Dezember statt. Der Rückschnitt erfolgt dabei mit Kletterseil durch eine Fachfirma für Gehölzpflege. Äste und Stamm werden mittels Boot aus dem Wasser "gefischt" und abtransportiert. Mit der Aktion wird gleichzeitig der Kleinbewuchs entlang des Außenmauerwerks des Mittelpfeilers auf dem flussaufwärts gelegenen keilförmigen Pfeilervorbau (mittelalterlicher "Eisbrecher") entfernt. red