Ob die Rhön zum Nationalpark werden soll oder nicht, wird derzeit heiß diskutiert. Während für die einen klar ist, dass solch ein Schutzgebiet neue Chancen für die Natur, für den Arbeitsmarkt und den Rhön-Tourismus bieten könnte, sehen andere ihre beruflichen und privaten Interessen bereits durch ein neues staatliches Dekret bedroht. Im Landkreis Bad Kissingen sind es die Stadt Bad Kissingen und die Marktgemeinden Burkardroth und Bad Bocklet, auf deren Gemarkungen größere Flächen Staatswalds zum Nationalpark würden.
"Wir wissen noch zu wenig, für uns ist alles ergebnisoffen", legt Oberbürgermeister Kay Blankenburg die Haltung der Stadt Bad Kissingen dar. Freilich habe er sich mit anderen Bürgermeistern über Details zum Nationalpark ausgetauscht und vor Kurzem die Fraktionsvorsitzenden des Stadtrats in einer Besprechung vorinformiert. Jetzt steht jedoch erst einmal die Sitzung der Allianz Kissinger Bogen am 23. Juni in Stangenroth an, zu der auch die Bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf anreisen wird.
Blankenburg begrüßt ausdrücklich den "moderierten Prozess der bayerischen Staatsregierung", den er für notwendig hält, um sich mit dem Thema vertraut zu machen. Er selbst könne zwar an der Sitzung in Stangenroth nicht teilnehmen, sagt der OB und verweist auf seine Verpflichtungen im Kissinger-Sommer-Festival. Aber Mitglieder des Stadtrats werden kommen. Erst dann könne man im Stadtrat Details besprechen. Dort soll das Thema laut Blankenburg vielleicht noch vor der Sommerpause, spätestens aber bis zum Ende des dritten Jahresquartals behandelt werden.
Dass der Klauswald so zu sagen als südliches Einfallstor eines potenziellen Nationalparks eine Schlüsselrolle einnehmen würde, sieht Blankenburg positiv. Es würde dieses Wald-Areal zusammen mit dem Wildpark aufwerten. "Ich könnte mir dort ein super Informationszentrum vorstellen." Denn schließlich gibt es dort auch den "Pfad der Baumgiganten" und neuerdings den "Wald für die Seele", mit denen man Gäste begeistern kann. Zu den jährlich rund 250 000 Übernachtungsgästen der Stadt Bad Kissingen könnten dann noch etliche mehr dazukommen, sieht Blankenburg als Perspektive für die Zukunft.


Erstmal zuhören

Die Diskussionen, die aktuell zum Thema geführt werden, sieht er teilweise kritisch. Viele Menschen würden sich zu früh auf eine Meinung kaprizieren. "Man muss doch erst mal zuhören und schauen, ob man überhaupt selbst davon betroffen ist", kritisiert er harsche Gegner des in Aussicht gestellten Schutzkonzepts für die Rhön. Für ihn ist klar, dass es bei diesem Thema um eine weit in die Zukunft reichende Entscheidung geht. "Da müssen wir uns jetzt einfach Zeit nehmen."
Ähnlich äußert sich Bad Bocklets Bürgermeister Andreas Sandwall. Für ihn ist es oberste Pflicht, sich zu diesem Thema erst mal zu informieren. Deshalb hat er für seinen Gemeinderat am 1. und 2. Juli eine Fahrt in den Bayerischen Wald anberaumt. Denn er möchte den Ratsmitgliedern die Möglichkeit einräumen, sich mit Landwirten, Forstleuten und Beschäftigten der Tourismusbranche über die Erfahrungen mit dem dortigen Nationalpark auszutauschen. Erst dann könne man sich eine Meinung bilden.
Dass der Freistaat den Dialog über einen möglichen Nationalpark in der Rhön angestoßen hat, sieht er als Chance, die man ergreifen muss. "Wir sollten froh sein, dass die Rhön mit im Rennen ist", sagt Sandwall und ist sicher, dass das Prädikat "Nationalpark" zahlreiche Vorteile, unter anderem für den Tourismus, bringt. Auf die kampflustigen Gegner eines Nationalparks Rhön ist Sandwall schlecht zu sprechen: "Es ist ja fast wie die Götterdämmerung, wenn jetzt ein Nationalpark kommt; sie tun gerade so, als ob die Welt unterginge", sagt der Bürgermeister.
Der Burkardrother Gemeinderat hat sich bereits mehrheitlich gegen einen Nationalpark ausgesprochen, sagt Bürgermeister Waldemar Bug. Seiner Ansicht nach müsse man den Dialogprozess mit der Staatsregierung weiter begleiten und sich informieren, und macht klar, dass er dies auch von den Ratsmitgliedern erwartet. "Schließlich haben wir, ich als Bürgermeister und auch der Gemeinderat, eine Verantwortung für die Kommune und stellen jetzt die Weichen für die Zukunft."