Auf eine lange Historie kann der Verein wahrlich nicht zurückblicken, doch die Liste der sportlichen Erfolge ist beim Herrmann Radteam e.V. aus Baiersdorf jetzt schon länger als bei so manchem alteingesessenen Sportverein.
Noch im Jahr 2014 aber auch schon einige Jahre vorher traf sich lediglich eine Handvoll Radfahr-Einzelkämpfer, darunter auch die beiden heutigen Vorsitzenden des Vereins, Peter Renner und Christopher Schunk. Man startete immer wieder für gemeinsame Rennen, alle hatten jedoch ähnliche Probleme, denn wie bei so vielen Sportarten braucht es ein wenig finanzielle Unterstützung.


Suche nach Sponsoren

Doch die Sponsorensuche gestaltete sich schwierig, so dass man sich zusammentat. Ein Verein war man deswegen zwar noch nicht, aber ein erster Schritt war getan.
Über die Sportmediziner von iQMove in Erlangen kam schließlich der Kontakt zum ebenfalls radsportbegeisterten Stefan Herrmann, Chef des gleichnamigen Einrichtungshauses in Baiersdorf, auf. Ein Sponsor war damit gefunden und über Amtsblätter, Zeitungen und Mund-zu-Mund-Propaganda wuchs auch die Gruppe an Sportlern an, darunter auch die ersten Kinder und Jugendlichen. Nicht zuletzt auch um diesen Nachwuchsfahrern eine vernünftige Plattform zu bieten, gründete man im September 2015 das Herrmann Radteam e.V. und damit eine Gemeinschaft, die im Herrenbereich zur absoluten Elite des deutschen Amateurradsports zählt; die regelmäßig an verschiedenen nationalen Titelkämpfen teilnimmt und deren Leistungen dabei schon ganz tief an der Grenze zum Profitum kratzen.
Als Amateursportler fehlt natürlich noch ein Quäntchen zur Elite des deutschen Profiradsports. Der sechste Platz von Friedrich Meingast bei den deutschen Meisterschaften im Einzelzeitfahren 2012, also noch vor Vereinsgründung, zeigt jedoch das Niveau der Sportler aus Baiersdorf. Was diese Leistung vielleicht noch etwas mehr verdeutlicht: Sieger des damaligen Rennens war Tony Martin, der bei knapp 41 Kilometern Streckenlänge gute dreieinhalb Minuten vor Friedrich Meingast ins Ziel kam und der neben vielen deutschen Meistertiteln und einigen Tour-de-France-Etappensiegen auch schon den ein oder anderen Weltmeistertitel abgeräumt hat.
Von Laufkundschaft kann man bei den Gegnern der Baiersdorfer Radsportler daher wahrlich nicht sprechen, der nächste Schritt in der Karriereleiter wäre für den ein oder anderen daher vielleicht auch denkbar, die Grundsätze des Vereins gehen jedoch in eine andere Richtung. "Eine Philosophie unseres Vereins ist auch, Schule, Ausbildung, Studium und Beruf mit Leistungssport auf höchstem Niveau zu verbinden. Früher waren wir alle Studenten, jetzt stehen viele mitten im Berufsleben, was den Zeitaufwand von 15 bis 20 Stunden pro Woche, den man für dieses Niveau definitiv braucht, natürlich nicht einfacher macht", so der Vorsitzende des Vereins, Peter Renner.


Beruf und Sport

Man brauche auf alle Fälle ein gutes Zeitmanagement, aber man sehe schon, dass Beruf und Leistungssport kein Widerspruch sein müssen.
Das "gute Niveau", von dem er spricht, sollte aber niemandem abschrecken, der sich für den Verein interessiert. "Wir haben einen gewissen Leistungsanspruch, aber der Verein ist definitiv für alle offen. Inwieweit derjenige dann auch Rennen fahren will, ist ja wieder eine ganz andere Sache", ergänzt Christopher Schunk, Zweiter Vorsitzender und zusammen mit Peter Renner die Teamleitung des Vereins.


Auf Doping getestet

An besagten Rennen ist der derzeit 14-köpfige Kader - zwischen 19 und 37 Jahren und fast durchwegs aus dem Großraum Erlangen/Nürnberg - regelmäßig mit einem Team von bis zu acht Mann vertreten. Franken, Deutschland oder auch die europäischen Nachbarländer: Bei vielen hochklassigen Breitensportrennen sind die Baiersdorfer Radler mit einem Team dabei. Profis, die als Lizenzradsportler gelten, sind hierbei nicht zugelassen, daher sind die "Herrmänner" - dieser Spitzname hat durchaus seine Berechtigung, denn bei Rennen derzeit radeln keine Frauen aktiv mit - auch häufig in den Podiumsbereichen zu finden.
Wie professionell es dabei zugeht, zeigt auch die Tatsache, dass gelegentlich Dopingkontrollen durchgeführt werden. Christopher Schunk: "Das mussten wir alle schon über uns ergehen lassen. Es ist schade, dass das Ansehen unseres tollen Sports in den letzten Jahren so darunter leiden muss, zumal andere Sportarten sicher auch nicht besser sind. Im Amateurradsport ist das auch bei den hochklassigeren Rennen aber kein Problem, bei uns im Verein sowieso nicht. Wer den Sport aus Hobby betreibt und zu solchen Mitteln greift, dem wäre ohnehin nicht zu helfen."
Damit es auf diesem Niveau auch weitergeht, kümmert man sich in Baiersdorf auch sehr um die Jugendlichen. Christopher Schunk als Jugendbetreuer geht hierbei mit vorneweg. Man trainiert mit den Kindern und Jugendlichen, begleitet diese bei Rennen und sorgt sich auch sonst um deren Wohl.
Die Tatsache, dass auch die kleinen Radrennfahrer in den gleichen professionellen Outfits wie die Herren unterwegs sind, ist sicher ein zusätzlicher Ansporn, den Großen nachzueifern. Für eine vernünftige Erstausstattung kann man aber im Radsport locker einen vierstelligen Betrag ausgeben, im dümmsten Fall mit dem Resultat, dass einem der Sport doch nicht gefällt oder man wachstumsbedingt schon bald wieder eine neue Ausstattung braucht.
Für diese Problematik hat sich das Baiersdorfer Team aber etwas einfallen lassen und die Tatsache, dass die Umsetzung so gut klappt, erfüllt insbesondere die Jugendbetreuer mit Stolz. Die Kinder und Jugendlichen des Vereins, und insbesondere auch am Verein interessierte Nachwuchsfahrer von außerhalb, können sich über die Fahrradecke Erlangen Fahrräder leihen. Finanziert wird das Ganze aus der Jugendkasse des Vereins, die Nutzer zahlen lediglich einen kleinen Obolus.