Schützenfest - das sagt sich so einfach. Wenn sich Dieter Brandmeier über den von ihm gestalteten Lageplan beugt, dann verdichtet sich Monat um Monat das Schützenfest Stück für Stück oder besser gesagt: Schausteller um Schausteller. Doch die bringen mit ihren Geschäften auch Höhe, Tiefe und Weite mit auf den Festplatz. "Da muss ich auch in 3-D denken", sagt Platzmeister Brandmeier. Berechnet er falsch, hat das Lichtenfelser Schützenfest ein Problem.


14 Bäume gehören zum Platz

Das Wetter ist wechselhaft an diesem Freitag, Sonne, Wolken, Regen. An Brandmeiers Maßband zieht in 20 Metern Entfernung sein Stellvertreter Florian Dehler Notizen machend. Auch er schreitet Wege ab und sprüht Markierungen auf den Asphalt. Mit dabei ist auch Ehefrau Michaela Brandmeier, den großen Plan bei sich tragend. Bäume, Trafo-Stationen, Stromkästen - alles vermerkt. Eine Stadionrunde, ungefähr, ist dieses Rund hier groß und entlang dieser 400 Meter wird im Juli erneut stehen, was Zehntausende alljährlich anlockt. Aber da gibt es noch diese 14 Bäume, Pappeln und Linden. Sie gehören zum Platz, sind unabsägbar und bereiten im Sommer ein kühles Dach über dem Platz. Einerseits.
Andererseits müssen die Fahrgeschäfte auch um sie herum aufgebaut werden. Ein Fall für den Platzmeister. Seit 1982 ist er erst in Assistenz und später als Hauptverantwortlicher damit betraut, den Schaustellern ihren Platz zuzuweisen. Mit einem bloßen "wie immer" ist das nicht getan. Gründe für stetige Neuvermessungen gibt es genug. Erst 2012 ist eine neue Brandbestimmung verbindlich geworden, welche einen neuen Abstand zwischen Fahrgeschäften und Stadthalle fordert. Oder wenn neue und andersartige Fahrgeschäfte mit neuen und andersartigen Maßen in die Stadt kommen. Mehr noch: Unterschiedliche Fahrgeschäfte verschlingen unterschiedliche Mengen an Strom. Aber die Höchstmenge an aus dem Netz beziehbaren Strom ist auf eine Leistung von "nur" 1,5 Megawatt begrenzt. Besser also, man weiß vorher, mit welchen Geschäften man es zu tun bekommt und ob diese außer mit Strom vielleicht noch über ein eigenes Dieselaggregat laufen können.
Adventszeit, ruhige Zeit. Relativ ruhige Zeit, denn in Brandmeiers Kopf beginnt die Planung jetzt schon erste Formen anzunehmen. Er hat es mit der Sichtung von Bewerbungen zu tun. Auch Schausteller müssen jährliche Bewerbungen einreichen, wollen sie im Sommer auf dem Platz stehen. Maße, Konstruktionsplan, Stromverbrauch, Reisegewerbekarte, Darstellung des Schwenkbereichs der Gondeln, Versicherung - all das hat vorzuliegen und will besehen sein. Einen Monat, bis Mitte Januar ungefähr, wird das Zurücksenden der Bewerbungen in Anspruch nehmen. Nachsicht mit verspätet eintrudelnden Bewerbungen übt Brandmeier auch, denn "man kennt ja seine Pappenheimer", kommentiert er schmunzelnd.


Ein kleiner Augenschmaus

Eigentlich eine trockene Angelegenheit, dieses Bewerbungsgucken. Wenn da nicht auch mal die ein oder andere originelle Unterlage dabei wäre. "Hol' doch mal bitte die von Konga", sagt Brandmeier an seine Frau Michaela gerichtet. Wenige Minuten später entfaltet sich auf dem Tisch ein maßstabsgetreues Fahrgeschäftsmodell, selbstaufklappbar und ein kleiner Augenschmaus. Daneben liegt aber auch ein kleiner Plan, auf dem die Umrisse der Stadthalle, der Standort der Bäume, die Stromvernetzung des Platzes und weitere Dinge eingezeichnet sind. Bunte Papierschnipsel, maßstabsgetreu die Fahrgeschäfte darstellend, klebt Brandmeier von Zeit zu Zeit ein. Veranschaulichung des Erreichten, des Zwischenstands, der noch zu besetzenden Freiflächen. Einmal, so erinnert sich Brandmeier, habe er es mit einem Fahrgeschäft zu tun bekommen, das vor einem Baum eingerichtet wurde. Seine "größte Herausforderung" nennt er das, was er als Platzmeister vor zwei Jahren "in den Platz zu basteln" und zu entscheiden hatte. Eine Achterbahn, 30 Meter breit und 25 Meter tief, mit Traversen, die den Stromkasten überdeckten und Schienen, die in die Baumkrone geführt hätten. Kann man so einem Geschäft zusagen? "Ich muss das entscheiden - ja oder nein!", sagt der Platzmeister.
Und wenn es nicht klappt, wenn ein Schausteller vertraglich auf den Platz geholt wurde, ohne dass er aufbauen und Geld verdienen kann? Dann gibt es berechtigte Ausfallsforderungen. Schlaflose Nächte habe dieses Geschäft ihm damals bereitet. "Das waren damals vielleicht zwei Wochen, bis ich entschied, ob ich es nehme", so Brandmeier rückblickend. Letztlich gelang das In-den-Platz-Basteln, weil die Schienen unter die Baumkrone gelegt werden konnten.
Heute, so Brandmeier, helfe ihm Routine. Er wisse, wie er Schausteller zu nehmen habe und dass man im Falle eines beengten Falles auch zusammenrücken kann, dass sich Fahrgeschäfte durch den Abbau von Verblendungen stauchen lassen. Jetzt steckt er in der heißen Phase, die dazu beiträgt, dass er übers Jahr Hunderte von ehrenamtlichen Arbeitsstunden leistet. Er ist der Ansprechpartner der Schausteller und die bilden zum Schützenfest "eine kleine Stadt mit 150 bis 200 Menschen" auf dem Festplatz. Mit Hausnummern, Wasserverbrauch, Sicherheitskonzept und allem, wozu Brandmeier auch noch Kümmerer ist.