Ebern — Das, was viele befürchtet hatten, trat am Freitagabend bei der Jahresversammlung der Kolpingsfamilie Ebern tatsächlich ein: Neuwahlen standen auf der Tagesordnung. Der Vorsitzende Klaus Ullrich hatte bereits im Dezember angekündigt, nicht mehr zu kandidieren. Und mit ihm schieden, aus verschiedenen Gründen, fast alle Mitglieder des bisherigen Vorstands aus. Doch Nachfolger? Fehlanzeige.
In vielen Gesprächen hatte sich Ullrich in den letzten Monaten bemüht Nachfolger zu finden. Doch niemand wollte sich diese "Last ans Bein binden". So musste der Verein am Freitag quasi ohne Zukunftsperspektive in die Versammlung gehen. "Auch in Würzburg ist das Problem bekannt, das ist ein Trend" resümierte Ullrich in der Versammlung. Deshalb gibt es bei den Kolpingsfamilien zur bisherigen Ämterteilung mit Vorsitzendem, Zweitem Vorsitzendem, Kassier, Schriftführer und Beisitzern auch die Möglichkeit, ein sogenanntes Leitungsteam zu wählen, bei dem sich innerhalb des Teams dann ein Sprecher findet, der den Verein nach außen vertritt. Doch auch hierfür fand sich in der Versammlung am Freitag niemand.
So stellt sich die Frage was nun aus der Kolpingsfamilie Ebern wird. In den nächsten, maximal acht Wochen wird der alte Vorstand die Geschäfte kommissarisch weiterführen und natürlich weiterhin tatkräftig versuchen, Nachfolger zu finden. Sollte dies nicht gelingen, so muss nach diesen acht Wochen über andere Lösungen nachgedacht werden.


Fusion mit Nachbarn?

Denkbar wäre hier neben Gesprächen unter der Führung Würzburgs beispielsweise auch die Fusion mit einer anderen Kolpingfamilie. Doch das sollte nur der letzte Ausweg sein, um eine endgültige Auflösung zu verhindern. Deshalb bat Klaus Ullrich die anwesenden Mitglieder eindringlich darum, in den nächsten Wochen in sich zu gehen, zu überlegen, wer für die Leitung der Kolpingfamilie Ebern geeignet wäre, entweder im Leitungsteam oder als Vorsitzender. "Sprecht uns oder die Leute direkt an, sie müssen aktuell nicht in der Kolpingsfamilie sein, sollten aber zu uns passen", appellierte er an die Versammelten. Und er bat "bitte keine Verzweiflungswahlen."
Konkret werden drei Personen gebraucht, um den Verein in der bisherigen Form fortbestehen zu lassen: Sprecher, Kassier und Schriftführer. "Beisitzer wären da, die unterstützen und helfen, wo sie können" versprach Klaus Ullrich. "In vier Wochen treffen wir uns hier wieder, dann versuchen wir nochmal einen Vorstand oder ein Leitungsteam zu finden", kündigte Ullrich an.


Seit 40 Jahren dabei

Doch die Versammlung am Freitag hatte auch etwas Positives. So konnte Klaus Ullrich, bevor er doch nicht ganz aus dem Amt schied, noch sechs Mitglieder für ihre langjährige Treue zum Verein ehren.
Ganz selten war gleich die erste Ehrung. Joseph Borschert hält dem Verein bereits seit 40 Jahren die Treue. Dafür bedankte sich Klaus Ullrich besonders. "40 Jahre sind schon eine lange Zeit." Seit 25 Jahren dabei sind Inge Scheuring, Stephan Fuchs, Gerlinde Süppel die ihren Mann und Ehrenvorsitzenden Ulrich Süppel lange Jahre unterstütze und selbst bei den Kolpingfrauen aktiv war, und schließlich das Ehepaar Ursula und Willi Batzner. Willi Batzner war in den 25 Jahren seiner Mitgliedschaft 23 Jahre lang als Schriftführer tätig ud wollte eigentlich aufhören. Nun muss er kommissarisch weiterarbeiten.