Durch die Corona-Pandemie bedingt verbrachten die meisten in diesem Jahr deutlich mehr Zeit zuhause. Dadurch erlebte auch der Online-Handel einen Boom. Wer häufig Waren im Internet bestellt, läuft Gefahr, Opfer von Cyberkriminellen zu werden.

Erich Günther, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Lichtenfels, und Sebastian Herrmann, Sachbearbeiter Einsatz, erklären, was Cyberkriminalität ist und wie jeder einzelne sich schützen kann. Was fällt unter Cyberkriminalität?

Erich Günther: Unter den Begriff Cyberkriminalität fallen zwei große Bereiche. Der für die Bürger maßgebliche Bereich ist der, bei dem das Internet als Tatmittel ausgenutzt wird. Darunter fallen Computerbetrugsdelikte. Ein Beispiel ist, wenn jemand über eine Plattform im Internet einkauft und keine Lieferung erhält. Der zweite Bereich sind Straftaten, die sich "gegen das Internet" richten. Zum Beispiel, wenn jemand ein Firmennetzwerk eindringt und sabotiert, zum Beispiel Daten verschlüsselt und Geldforderungen stellt. Auch fällt das Abfangen und Ausspähen von Daten in den Bereich, hier ist meistens die Kripo zuständig.

Sebastian Herrmann: Ein umgekehrter Fall für den ersten Bereich wäre, wenn jemand Waren über eine Plattform, wie zum Beispiel ebay, verkauft, eine Zahlung über PayPal erhält, die Ware versendet und die Zahlung scheitert, wegen eines vom Täter gekaperten PayPal Accounts. Nun ist der Verkäufer die Ware los und das Geld wird von PayPal zurückgebucht. Weitere Delikte, die in den Schwerpunkt der Arbeit der Polizeiinspektion fallen, sind Beleidigungen in Sozialen Netzwerken und die Übernahme einer anderen Identität. Also wenn missbräuchlich personenbezogene Daten und Bilder verwendet werden, um Accounts im Internet zu erstellen. Auch Kreditkartendelikte kommen häufig vor, hier werden Daten Dritter unberechtigt für Bestellungen benutzt - zu uns kommen die Bürger dann, wenn sie auf Abbuchungen aufmerksam werden, die sie nie veranlasst haben.

Wie steht es um die Cyberkriminalität im Landkreis Lichtenfels?

Erich Günther: Die nächste offizielle Kriminalstatistik wird erst im nächsten Jahr veröffentlicht. In der letzten Statistik über die Jahre 2018 und 2019 war kein Zuwachs, sondern eher ein kleiner Rückgang zu verzeichnen. Wenn ich allerdings die Vorgänge betrachte, die im ersten Halbjahr 2020 erfasst wurden, ist ein Anstieg erkennbar. Dass die Betrügereien zunehmen, könnte natürlich damit zusammenhängen, dass die Leute wegen der Corona-Pandemie mehr zuhause sind und häufiger auf Angebote, wie den Onlineversand, zurückgreifen. Ein weiterer Grund für den tatsächlichen Anstieg der Ermittlungsverfahren ist auch die Tatsache, dass die Täter oftmals aus dem Ausland agieren, beziehungsweise deren Infrastruktur sich dort befindet. Dies wird von der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) nur teilweise erfasst. Der Schwerpunkt liegt vor allem im Ausspähen von Daten und der Verwendung von unbaren Zahlungsmitteln, wie beispielsweise Kreditkartendaten.

Gibt es eine Personengruppe, die Cyberkriminellen eher zum Opfer fällt?

Erich Günther: Je mehr ich vernetzt bin und desto häufiger ich Warenwege online nutze, desto anfälliger bin ich. Natürlich spielt auch die Unvorsichtigkeit eine entscheidende Rolle. Wenn ich beispielsweise viel bestelle und für alle Accounts dieselbe Mailadresse und dasselbe Passwort nutze, bin ich anfälliger für Betrüger. Ein Tipp wäre, in regelmäßigen Abständen Passwörter zu ändern, am wichtigsten wäre das E-Mail Passwort, da es der "Schlüssel" zum Internet ist.

Sebastian Herrmann: Genau das ist das Problem, das stellen wir leider nach wie vor viel zu oft fest. Gab es in den letzter Zeit Fälle im Landkreis, die von besonderer Brisanz waren?

Die Fälle im Bereich Cyberkriminalität fallen in vielen Bereichen an. Die Ausspähung unbarer Zahlungsmittel, also das Abgreifen von Daten und Bestellen von Waren unter einem anderen Namen, scheint zugenommen zu haben. Besonders brisante Fälle werden von der Kriminalpolizei bearbeitet. Die Fragen stellte Cindy Dötschel.