Wenn Mesnerin Elisabeth Panzer ihren Dienst verrichtet, dann erzählt sie manchmal, wie früher alles war. Früher, das bedeutet in Wartenfels zunächst die Zeit vor der großen Kirchenumgestaltung in den Jahren 1970/1971. Damals, in der Aufbruchstimmung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, wurden viele Gotteshäuser in einem zeitgemäßen Stil umgestaltet, so auch die St.-Bartholomäus-Kirche. Doch mit der ursprünglichen Kirchenausstattung wurden auch zugleich manche Bräuche und Traditionen aufgegeben.
Zwischenzeitlich ist in mancherlei Hinsicht ein Umdenken erfolgt. Und so kehrten bei der letzten Renovierung 2014 zur Freude der Pfarrgemeinde auch die früheren Figuren des Hochaltars, die Heiligen Bartholomäus, Petrus und Paulus, wieder in ihre Kirche zurück, und auch die Figur des Auferstandenen erhielt einen Platz - zumindest während der Osterzeit.
"Früher hatten wir ja auch ein heiliges Grab mit dem Leichnam Jesu", so Elisabeth Panzer. Dieser Gedanke ließ Pater Godfryd und Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Stephan Melzer nicht mehr los. Sie beschlossen, mit der Mesnerin auch diese Tradition zum Leben zu erwecken und das heilige Grab wieder in der Pfarrkirche zu errichten.


Zwei Füße im Schrank

Doch was hat es mit dem heiligen Grab auf sich? Darstellungen des Grabes Christi waren schon in der Spätantike verbreitet. Da die Gläubigen nicht ohne weiteres zur Grabeskirche in Jerusalem pilgern konnten, stellten sie Nachbildungen her. In Wartenfels wurde die Grabesszene sehr schlicht gehalten, die Figur des Leichnams Christi in einer Art offenem Sarg aufgebahrt. Aufwändig oder schlicht - Heilige Gräber waren stets Ausdruck tiefer Volksfrömmigkeit.
Was aber ist mit der Wartenfelser Figur geschehen? Niemand konnte sich an deren Verbleib erinnern. Die Suchaktion in Kirche und Pfarrhaus blieb erfolglos. Auch eine Anfrage in Bamberg führte zu keinem Ergebnis. Als schließlich 2016 das Pfarrhaus energetisch saniert wurde, tauchten in einem alten Schrank unter Decken und Tüchern plötzlich zwei Füße auf. Was zunächst wie eine Kreuzfigur aussah, entpuppte sich als die lange gesuchte Figur des Leichnams Jesu.
Zum Glück war die Figur über all die Jahrzehnte gut und vor allem trocken gelagert, so dass sie sich in einem relativ guten Zustand befand. Dennoch wurde sie zur Reinigung und für kleine Ausbesserungsarbeiten zum Restaurator Klaus Tenschert nach Hirschaid gegeben. Was dieser letztlich herausfand, ist äußerst bemerkenswert, denn es handelt sich bei der Wartenfelser Figur, vermutlich aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, um die sehr seltene Form einer Wandelfigur. Diese waren ursprünglich mit Gelenken in den Schultern versehen, so dass die Arme beweglich waren. Bei der Wartenfelser Grabesfigur wurden irgendwann die Arme in angelegter Stellung fixiert.


Weiße Hortensien

Elisabeth Panzer erinnert sich an ihre Kindheit:  "Die Figur hing zunächst am Kreuz und wurde nach der Abnahme in einer einfachen Holzkiste auf dem rechten Seitenaltar aufgebahrt, umgeben von vielen weißen Hortensien." Möglichst einfach und schlicht wollen die Wartenfelser die Grabesszene auch halten, wenn sie am Karfreitag erstmals seit vielen Jahrzehnten wieder dargestellt wird.
Für die Pfarrei geht ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung - sicherlich ein guter Start in das Jahr des 150. Weihejubiläums der Wartenfelser Kirche. red